Das Comeback des deutschen Weins ist faszinierend, und diese DVD, die genau das beschreibt, hat Kultcharakter. Das liegt am Protagonisten, dem in Berlin lebenden englischen Weinjournalisten Stuart Pigott. Nach zahlreichen Büchern (u.a. "Wein spricht Deutsch") und viel gelesenen Kolumnen wagte er sich zur Jahreswende 2010/2011 auf die Mattscheibe. Der Bayerische Rundfunk strahlte den Mehrteiler "Weinwunder Deutschland" aus, der hier als DVD angeboten wird. Pigotts (Bahn-)Reise führt ihn zur deutschen Paraderebsorte Riesling, auf die Spur des Rotweinwunders, zum lange und meist noch immer verpönten Süßwein ebenso wie zu Groß-Kellereien und Supermärkten sowie schließlich zur Wein-Uni nach Geisenheim im Rheingau, wo der Winzernachwuchs ausgebildet wird und wo Pigott selbst als Gasthörer eingeschrieben war. Seine Geschichten vom deutschen Weinwunder sucht und findet er vor Ort: auf den Weingütern, im Dialog mit Winzerinnen und Winzern, die über ihr Qualitätsverständnis und ihre Handwerkskunst ganz ungekünstelt und bodenständig erzählen. Es passt alles: kein Getue, keine Inszenierung, kein Etiketten-Gefasel (um nicht zu schreiben -Schwindel). Stattdessen Humor, Selbstironie, zwanglose Sinnen- und Lebensfreude. Lockerer, heiterer, entspannter dürfte noch nie über Wein berichtet worden sein. Pigotts Mehrteiler ist ein Mutmacher - Mut zur eigenen Meinung ("Verrtrauen Sie ihrä Zunga!"), Mut zum anspruchsvollen (nicht teuren) Genuss, Mut zum Aldi-Wein statt Chateau Imponier. Wein (in Maßen selbstverständlich) weckt Freude und macht Spass. Pigott, dem "englischen Traubentod", wie einer der Winzer freundschaftlich spottet, sei Dank!