Ich kann mich, bezüglich des eigentlichen Themas des Buches - und zwar der Regionen und deren Weine - Hr. Schmidt und Hr. Hildebrandt voll und ganz anschließen. Ein weiteres gelungenes Buch von Kurt Gibel. Und auch von seinem didaktisch sehr gut aufbereitetem "Weine degustieren, leicht und spielend" war ich begeistert.
Der Dorn im Auge, der den fünften Stern kostet, ist das Kapitel "Aus dem Zauberland" hier wünscht sich Hr. Gibel eine Rückkehr zu jahrgangstypischen (d.h. auch mal etwas leichteren und evtl. bittereren) Weinen in die Zeit, in der nur chaptalisiert wurde, und die Kunden den Winzern und Winzerinnen auch in schwächeren Jahren treu blieben.
Soweit stört mich das eigentlich nicht.
Unter Modern Times, beschreibt er, dass schlechteren Jahrgängen Säure oder Gerbstoff entzogen wird. Beides würde ich nicht auf die jüngere Kellerwirtschaft beschränken. Während früher mit Eiklar und Milch der Gebstoffgehalt korregiert wurde, kommen heute die jeweiligen Proteine gereinigt zum Einsatz. Auch die Entsäuerung ist keine Entwicklung der letzten 20 Jahre.
Wirklich enttäuschend ist aber, dass Methoden beschrieben werden wie:
"Mit dem Mostkonzentrator wird der Traubensaft durch eine Membran gepresst und dadurch Wasser ausgeschieden (Umkehrosmose)." Was schon vom physikalischen Prinzip der Umkehrosmose her nicht stimmt.
Und Ähnliches gleich im nächsten Satz:
"Bei einem anderen Verfahren, der Vakuumverdampfung, wird ein starker Druck erzeugt, der den Wein bereits bei 18 °C zum Kochen bringt und das Wasser verdampfen lässt." Auch hier wieder mangelnde Recherche, mangelnde Grundkenntnisse der Physik oder ein Druckfehler => denn wenn es "Unterdruck" heißen würde, wäre es korrekt.
Um diese Fehler zu vermeiden wären wirklich nur einige Minuten Internetrecherche notwendig gewesen. Ich bin zuversichtlich, dass auch schon 2006 darüber Informationen zu finden waren.
Trotz dieses Kapitels, das sehr emotional geschrieben wirkt (und meiner Meinung auch nicht ins Gesamtkonzept des Buches passt), bleibt das Buch äußerst empfehlenswert.