Wenn bei uns auf dem Land schon mal eine Lesung ist, dann muss ich natürlich hingehen, auch wenn ich von der Autorin nichts kenne. In diesem Fall war es Doris Gercke, die gestern bei uns las, und nachdem ich keinen Fernseher habe, kenne ich auch die bekannten Verfilmungen nicht.
Doris Gercke ist eine wirklich sympathische, kluge und geradlinige Frau, was die Lesung sehr erfreulich werden lies. Ich kaufte natürlich auch sogleich ihren Erstling "Weinschröter, du musst hängen" und hatte ihn heute Morgen auch bereits ausgelesen.
Sie hatte beim Schreiben die typischen Krimileserinnen im Auge gehabt, sagte Gercke, sie lesen viel, schnell, tauschen sich aus, wenn also ihr Krimi mal im Krimiregal stünde, dann würde er auch - von eben den Krimileserinnen- gelesen werden.
Und dann würde es darauf ankommen, eine packende erste Szene zu liefern, die man nicht so schnell vergisst, die die Leserinnen bei der Stange hält, die Spannung erzeugt, die aufregt.
Nun, das ist ihr sicher mit dem Einstieg in den Weinschröter gelungen, denn die ersten Seiten beschreiben ein Erlebnis, das wahrscheinlich viele ekelhafte Alpträume bei ihren Leserinnen hervorgerufen hat. Und damit ist es auch gelungen, die Leserin emotional zu fesseln, man kann es gut beim Lesen beobachten. Die Frau, die auf den ersten Seiten leidet, tötet ihre Peiniger in der Zeit danach einen nach dem anderen. Bella, die den Fall bearbeitet und recht bald das Muster erkennt, gesteht sich an einem Punkt ein, dass sie wünschte, es würde der Täterin gelingen. Und spätestens da bemerkt auch die Leserin, dass es ihr genauso geht.
Das Buch ist spannend und gut gemacht.
Teilweise ist es mir zu simpel und auch zu einsträngig, auch wenn man es vom Volumen her betrachtet, wirkt es neben dem neuesten Werk (Bella Ciao) wie eine Kurzgeschichte.
Aber als Einstieg in eine neue Serie betrachte ich es mit Vorfreude, auch wenn ich weiß, dass ich nun wieder einige Bücher mehr auf meinem Stapel haben werde.