Hörbuch-Rezension
In den Originalstimmen wird die Lagerwelt, ihre perfekt durchdachte Organisation lebendig. Wer die Aussagen der Täter hört, wer hört, wie sie möglichst sachlich von ihren unglaublichen Aufgaben erzählen, wer hört, wie sie scheinbar ohne jegliches Verständnis für ihr Verbrechertum von ihrem Leben, dem Wissen um das Morden berichten, der wird verzweifeln am Menschen. Vor diesen Zeugenaussagen wiegt die Tatsache, dass die Bundesrepublik bereits seit Anfang der 50er Jahre von so genannten Kriegsverbrechern sprach, eine riesige Begnadungswelle für von den Alliierten verurteile Kriegsverbrechern lancierte und die Aufklärung der Vergangenheit im Namen von Wirtschaftswachstum und Wir sind wieder wer-Mentalität bewusst verschleppte, um so schlimmer. Gegen dieses Muster der Verharmlosung wirkte der Oberstaatsanwalt Fritz Bauer, der den Prozess mit aller Kraft ins Rollen brachte, und dessen erklärtes Ziel nicht Bestrafung, sondern vor allem die Aufklärung der Öffentlichkeit war.
Fazit: Das Feature, das bemüht ist, sehr sachlich über den Prozess und seine Entstehung einerseits und mittels Zeugenaussagen das Unfassbare zu vermitteln, ist ein unschätzbarer Beitrag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 60 Jahren. Es wird wohl keinen, der es hört, unberührt lassen, im Gegenteil dazu anregen, sich wieder mit dem Thema zu beschäftigen und der Frage, wie es möglich war, bzw. wie man solche Untaten in Zukunft verhindern kann!
Feature, Spieldauer: ca. 56 Minuten, 1 CD. Mit Booklet. Ein Produktion des Südwestrundfunk 2004. -- culture.text
Kurzbeschreibung
Enormen Widerständen zum Trotz begann 20 Jahre nach Kriegsende die Hauptverhandlung gegen 22 Beteiligte der Todesmaschinerie Auschwitz. Dieser Prozeß gab dem Abstraktum Auschwitz ein Gesicht sowohl den schmerzvoll um Erinnerung ringenden Opfern wie den sich der Erinnerung verweigernden Tätern. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, daß die mitgeschnittenen Aussagen der insgesamt 359 Zeugen nicht gelöscht wurden. 60 Jahre nach der Befreiung des Lagers wurden die erschütternden Berichte der Opfer zu einer berührenden Collage zusammengefügt ein Tondokument von unschätzbarem Wert.
»Da schrie ich meiner Frau und meinen Kindern auf Ungarisch nach und bin wieder zu meiner Gruppe zurückgegangen. Nie habe ich sie mehr gesehen.« Mauritius Berner, Auschwitz-Überlebender