Kurzbeschreibung
Szenische Uraufführung der Oper in zwei Akten, acht Szenen und einem Epilog. Opus 97 (1967 - 1968)
Rezension
Mieczyslaw Weinbergs 'Die Passagierin' wurde 1968 vollendet und erstmals 2006 konzertant in Moskau aufgeführt. In Bregenz erlebte das Werk nun die szenische Uraufführung und man fragt sich, warum das nicht schon vor vierzig Jahren möglich war? Dmitri Schostakowitsch setzt sich von Anfang an vehement für das Werk ein; er verstand die Oper als eine Hymne an die Menschheit, als eine Hymne an die internationale Solidarität. Waren vielleicht die Wunden damals auf beiden Seiten noch zu frisch? War die Wahrheit für viele Beteiligte noch unerträglich? Verwirrung und Hass stehen auch heute noch im Raum: David Pountneys grandiose Inszenierung zeigt kompromisslos das grausame Leben und Sterben in Auschwitz sowie die erbarmungslose Tötungsmaschinerie der Deutschen. Grelle Scheinwerfer leuchten ins Publikum, alle sind eingebunden in die Handlung, die auf der Novelle von Zofia Posmysz basiert, eine Überlebende des Holocaust. Die Bregenzer Festspiele produzierten 'Die Passagierin' in Koproduktion mit den Wielki Teatr Warschau (2010), der English National Opera (2012) und dem Teatro Real Madrid (2012). Das Publikum der Bregenzer Uraufführung feierte das Werk am Schluss - nach einer langen Betroffenheitspause - mit großem Applaus und bedankte sich bei der anwesenden Autorin Zofia Posmysz mit Standing Ovations. Dass die Thematik Krieg und Anderssein auch heute immer noch ein aktuelles Thema ist und Menschen deshalb der Verfolgung ausgesetzt sind, gibt dieser Oper eine brisante Aktualität. (klassik.com - Kritik von Midou Grossmann) (klassik.com - Kritik von Midou Grossmann)