Daß Kurt Kusenberg zu den originellsten deutschen Erzählern gehört, schrieb einst Marcel Reich-Ranicki in der FAZ. Dem kann man nur beipflichten. Mehr noch, jede einzelne seiner Geschichten besitzt ihre eigene ganz spezifische Originalität. Kusenbergs Ideenreichtum sowie die damit verbundene thematische Vielfalt seiner Geschichten erstaunen und beeindrucken den Leser ein um's andere Mal. Es gibt kaum motivische Wiederholungen, die Erzählungen haben Esprit und einen unwiderstehlichen Charme; ein unaufdringlicher, subtiler Humor leuchtet verstohlen zwischen den Zeilen auf. Bezeichnenderweise schreibt Kusenbergs Tochter Barbara im Nachwort über ihren Vater: "Er schmunzelte gern, lachte aber selten." Es ist ein in sich gekehrter Humor, der Humor Kurt Kusenbergs, nicht der ordinäre Humor der Stammtisch-Witze, und das macht ihn mir so sympathisch.
Wenn ich dennoch leise Kritik anbringen darf: Einige der Geschichten, namentlich die aus Kusenbergs früher Schaffensperiode, machen mir manchmal den Eindruck des Unfertigen, den Eindruck eines gleichsam schwebenden Gedankenstrichs, dem die Bindung zum Gedanken, der ihm noch folgen sollte irgendwie verloren gegangen scheint.
Zumeist aber sind es wunderbare Geschichten, die unterhalten, manchmal auch verzaubern. Tip des Rezensenten: Man lese in Zeiten der Bedrückung oder des Haders, statt eine Pille oder eine Bierflasche zu nehmen, einfach eine dieser wundersamen Geschichten.