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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
fast so gut wie ein glas yquem, 27. August 2007
nur fast? naja, so gut wie echten yquem probieren, seinen duft tief einatmen, die fülle der weinaromen auf lippen, zunge, gaumen schmecken - so gut kann nichts geschriebenes sein, aber mario scheuermanns gedanken rund um "wein und zeit" kommen dem genuss der beschriebene weine sehr, sehr nahe. schließlich ist er nicht nur einer der erfahrendsten weintester europas 8oder vielleicht der welt?), nicht nur ein hochklassiger journalist, sondern in jeder beziehung, die für das thema wichtig sind, ein echter kenner.
scheuermann hat sich durch die werke klassischer und zeitgenössischer philosophen gewühlt und sie verstanden, liebt opern und bachs goldberg variationen nicht nur, sondern kann sie auch wunderbar beschreiben, kennt sich in mythologie, kunst und literatur aus. von den dichtern der alten arabern über die denker der renaissance bis zu den heutigen autoren. und:
er denkt nicht nur so vor sich hin, wie das viele weinbeschreiber machen, die ausschließlich ihr eigene geistesblitze wichtig nehmen. das tut er frühestens nach dem vierten glas erstklassigem rotwein (schließlich ist er, astrologisch gesehen, ein echter "löwe"). nüchtern verwandelte er raritätenproben, die erfahrungen seiner globalen weinreisen und winzerinterviews, geschichtskenntnisse und seine persönliche intelligenz in verblüffend schöne (und interessante) überlegungen zu einer "anderen mathematik des weines", in "eine meditation über den heimatbegriff des weines" oder, zum beispiel, in "ein plädoyer für das aristokratische im wein". das zusammenspiel seiner essays ergibt einen gedankenkosmos, der den leser ganz einfach glücklich macht. und klüger. und genusssüchtig. weil er wein neu sehen lernt, vielschichtiger und als kulturträger, der uns mindestens so viel zu sagen hat wie ein kathedrale, eine alte rebpresse am rande eines weinberges oder die passionen von göttern und helden.
zu viel des lobes? nein. "wein und zeit" ist wirklich fast so schön wie ein der genuss eines yquems.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Genuss mit allen Sinnen - zu jeder Zeit, 28. September 2007
Dieses Buch ist eine Köstlichkeit. Bevor man sich ihm inhaltlich widmet, steht zuerst die optische und taktile Begegnung im Vordergrund: handliches, doch nicht zu billiges Format, hochwertiger Einband, ohne verschwenderisch luxeriös zu wirken und eine abgestimmte Farbwahl, ohne belanglos darzustehen, wohltuendes Gewicht, ohne zu belasten. Allein schon diese Adjektive stellen zusammen mit der gelungenen Schriftsetzung und der Platzierung einer nüchternen Sanduhr eine hervorragende Gesamtkomposition dar. Zu diesem greifbaren Äußeren gesellt sich ein Text von Mario Scheuermann, der fast schon als Liebesbrief-Sammlung an den Wein gelten kann. Seine eigenen Texte und die wohl dosiert eingebrachten, auch mal unbekannteren Zitate machen die Entdeckungsreise "Wein und Zeit" zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Immer wieder flechtet der ausgesprochene Wein-Kultur-Kenner Scheuermann Details zum Getränk Wein zusammen mit historischen, kulturellen, politischen, literarischen und künstlerischen Aspekten zusammen. Hieraus lässt sich ein starkes Netz knüpfen, das dem Genuss des Weins allezeit standhält.
Mario Scheuermann zieht die Leser/-innen mit seinen Beschreibungen, Erklärungen und Überzeugungen in seinen Bann; dennoch fühlt man sich bei und nach der Lektüre ungewöhnlich befreit und kann nicht mehr umhin, Wein nicht mehr zu trinken, sondern nur noch zu genießen bzw. mehr zu zelebrieren.
Der einzige schale Beigeschmack findet sich auf den ersten Seiten, wo der Autor es fast als ungeheuren Gewinn darstellt, wenn man einen Wein trinkt, den vielleicht schon Hermann Göring genossen hat. Hier wird man sich wohl eher abwenden wollen.
Ansonsten aber meditiert und zelebriert Mario Scheuermann Wein in seiner zeitlosen Form und über 7000 Jahre alten Geschichte; vor allem am Beispiel des "Chateau d´Yquem".
Scheuermanns Essay- und Feuilleton-Sammlung ist eine wahre Auslese, die man gerne selber verkostet; der oder die andere wird sich zudem aber noch anstecken lassen und "Wein und Zeit" verschenken, als kostbare Kreation, die vollends ausgereift ist und ein Genuss für lange Zeit bleibt.
Wer sich dieses Buch erliest, wird sich Wein nunmehr auf neue Weise einschenken... Ein Geschenk, das sich selbst empfiehlt!
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25 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Geschwätzige Winzer produzieren zumeist ebensolche Weine( Scheuermann), 5. September 2007
Der Journalist und rennomierte Weinexperte Mario Scheuermann stellt in der hier vorgelegten Sammlung von Essays ( von 1998- bis 2007)intellektuell vielschichtige Betrachtungen zum Thema Wein an, die er in philosophische, historische und literarische Reflexionen einbettet und lässt auf diese Weise per se keine Zweifel aufkommen , dass man edlen Wein nur dann wirklich genießen kann, wenn man dies in einem ihm gebührenden Rahmen unternimmt. Gute Weine bedürfen grundsätzlich eines niveauvollen Tischgespäches!
Wer die feinen Nuancen eines edlen Weines erschmecken möchte, muss seine Geschmacksnerven kultivieren, in genau dem gleichen Maße, wie der Leser eines guten Romans zuvor sein Vokabular kultiviert haben muss, um einen inhaltlich differenzierten, dazu sprachlich exzellenten Text in seiner gesamten Vielfalt zu erfassen. Kultivierung ist ein nicht endender Lernprozess, dem sich zumindest wissbegierige Menschen gerne unterziehen.
Scheuermann stellt im Eingangs-Essay Reflexionen zu Weinen des Chateau Yquem an. Dort hatte er das Vergnügen an einer Verkostung von 125 Sauterne-Jahrgängen teilzunehmen.( Beneidenswert!)
Er lässt den Leser u.a. wissen, dass der 1864er von sehr heller Farbe ist und man ihn aufgrund von seiner erdig-mineralischen Tönung auch für einen betagten Montrachet aus Burgund halten könne. Die unterschiedlichen Geschmacksnuancen der Sauterne-Weine sind in diesem Essay sein primäres Anliegen. So erinnert der 1787 er Yquem an schwarzen Tee, Röstaromen, Kräuterlikör, Karamell und Kandiszucker, der 1811er an Nougat und Mocca, dazu etwa Himbeergeist und Brandy, Puderzucker und Ingwer.
1811 war das Kometenjahr. Scheuermann gedenkt des Untergangs der Grand Armee im russischen Frost. Auch vergisst er nicht, ganz beläufig Goethes "West-östlichen Diwan" zu erwähnen, bevor er sich erneut liebevoll dem sautern`schen Gaumenkitzel sprachlich zuwendet.
Der schreibende Weinkenner plaudert bemerkenswert geistreich. Das stellt der Leser schon nach der Lektüre des ersten Essays fest und wendet sich entzückt den weiteren Beiträgen zu.
Arabische Wissenschaftler haben die Kunst den Alkohol zu destillieren bis nach Europa verbreitet. Scheuermann reflektiert, fast ein wenig irritiert, was wir in Zukunft trinken werden, wenn alkoholfeindliche Islamisten zukünftig das Trinkverhalten von uns Europäern kontrollieren sollten und überlegt ferner welche Konsequenzen das " global warming" für den Weinbau haben wird. Wo wird dann der Riesling angebaut? Im Rheingau sicherlich nicht mehr!
Eine Faustregel für Bordelais-Weine heisst: Gute und sehr gute Jahre treten meist allein oder paarweise auf. Diese Weine versprechen stets Image, Prestige und Qualität und sollen, sofern man sie als großen Wein bezeichnet, in jedem Stadium der Entwicklung anders, aber immer groß sein.
" Garagenweine " sind ein weiters Thema und hier die Wein -Ikone " Chataeu Lafleur" in Pomerol.
Was man unter dem Volksgetränk " piquette" zu verstehen hat und was ein "Muttertropfen" ist, wird nicht länger ein Geheimnis bleiben , wenn man sich in dieses Buch vertieft und man wird ähnlich , wie Scheuermann darüber nachzudenken beginnen, weshalb Weine immer der Spiegel unserer Gesellschaft sind.
- Niemals zuvor ist in deutscher Sprache so viel über Wein geschrieben worden wie heutzutage. Keine Bordzeitschrift , kein buntes Konsumblättchen , keine Discounter-Werbung mehr ohne Weinkolumne und Geheimtipps für Genießer. Auch solche Zeilen haben ihre Autoren: Freaks verströmen ihr Herzblut notfalls zum Nulltarif, Händler empfehlen, was weg muss, Sommeliers schwärmen, um bessere Konditionen zu bekommen.-( Zitat: Scheuermann)
Das muss man wissen und tut gut daran seinem eigenen Gaumen zu vertrauen und ihn ganz allmählich subtil zu kultivieren. Man muss nicht alles glauben, was man schwarz auf weiß nach Hause trägt. Für diesen Gedanken wird man durch den Autor sensiblisiert.
Interessant sind Scheuermanns Verweise auf den Philosophen Michel Onfray und seine Betrachtungen zum Thema Zeit und Geduld, ohne die ein guter Wein nicht sein volles Potenzial darstellen kann.
Philon von Alexandria konstatierte, dass man nur durch " nüchterne Trunkenheit" zur Erkenntnis gelangen vermag. Weinbeschreibungen bedürfen dieser nüchternen Trunkenheit, auch wenn sie gelegentlich technischer Natur sein müssen.
Scheuermann sieht die rasche Abfüllung von angeblichen 100 Punkte-Weinen mit großer Skepsis und wendet sich auch sehr kritisch gegen so genannte Techno-Weine.
Das Terroir ist großes Thema von Scheuermann. Was Baustein des Terroirs sein kann, kann auch im Labor hergestellt werden. So lassen sich die Flintöne des Sancerre und typische Petrolnoten von der Mosel ebenso im Labor immitieren, wie man durch Enzyme und Hefen Aprikosen, Grapefruit und Pfirsicharomen produzieren kann.
Wenn ein Wein wirkliches Terroir offenbaren soll, braucht er Zeit und Geduld, denn es handelt sich bei den Prozessen und Methamorphosen, die notwendig sind, so der Autor, um einen sich immer wieder zu schaffenden Mythos, der eine Botschaft, eine Aussage enthält. Tatsächliche Terroirweine sind ein Zusammenspiel von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Wie authentisch soll einen Wein sein? Wie sehr sollen sich Winzer dem Zeitgeist unterwerfen? Wie intensiv möchten Weintrinker die Botschaft die im Mythos des Terroirweines beinhaltet ist, ermitteln. Welcher Art mag diese Botschaft sein?
Wer sich mit diesen und vielen anderen Fragen näher befassen möchte, wird an den niveauvollen Texten Scheuermanns viel Freude haben.
Empfehlenswert!
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