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Wein
 
 
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Wein [Gebundene Ausgabe]

Wiglaf Droste , Vincent Klink
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Ein Fest von einem Buch!" NDR Vom Allerfeinsten!" FOCUS Nach den Bänden Wurst und Weihnachten pustet Wiglaf Droste den sogenannten Connaisseurs die Weinflausen aus dem Kopf. Witzig, ironisch und vor allem treffsicher, flankiert von Vincent Klinks Rezepten und den genial-hintersinnigen Illustrationen Nikolaus Heidelbachs. VINUM, EUROPAS WEINMAGAZIN

Kurzbeschreibung

Stoßen Sie mit an! Nach Wurst und Weihnachten gibt es endlich was zu trinken.
Rot, rosé oder weiß? In diese drei Kategorien lässt sich jede Abend­gesellschaft einteilen. Der Wein, diese Fürstin unter den Getränken, hat noch immer eine Aura, die Emporkömmlinge wie Prosecco kalt abperlen lässt. Vom
kleinen Hellen ganz zu schweigen.
Wiglaf Drostes trockener Humor, die fruchtigen Rezeptideen Vincent Klinks und Nikolaus Heidelbachs liebliche Illustrationen runden sich zu einem wahrhaft erlesenen Bouquet ohne Wacholdernote, zarten Abgang und all den Schnickschnack. Von der Traube bis zur Kelter, vom Korken bis zum Abendmahl erforschen die drei Musketiere des guten Geschmacks die selige Welt des Weins. Garantiert ungeschwefelt.
Prosit!

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"Wenn ihr uns trinkt - wirken wir nicht?
Ein kleiner Tischwein erzählt
Wiglaf Droste


Ich lag im Keller. Es war dunkel, es war kühl, es war angenehm. Zusammen mit ein paar tausend anderen hatte man mich erzeugt, abgefüllt und zwischengelagert. Erst dann hatte man uns zur letzten Station unserer Reise gebracht und dort eingekellert. Wir waren nicht auf Rosen gebettet und lagen auch nicht auf Heu und auf Stroh, eher ein bisschen hart, aber im Regal war es sauber und gepflegt, und, wie mein etwas trockener Nachbar immer sagte: Wir sind schließlich nicht aus Zucker.

Ich war in weitgehend guter Gesellschaft und fühlte mich wohl. Freunde und Blutsverwandte lagen hier, viele kamen aus demselben Fass. Wein ist dicker als Wasser.

Es war ein geregeltes Leben, aber kein eintöniges. Wir lagen nah beieinander, flüsterten und erzählten uns Geschichten, schliefen oder träumten. Ich stellte mir vor, meine große Stunde schlüge bei einem Rendezvous. Eine junge Frau und ein junger Mann, ein Menü, Blumen, gedämpftes, warmes Licht, alles wäre voller Liebe, Zauber und flirrender Spannung, dann käme ich auf den Tisch, die beiden probierten mich, ich schmeckte ihnen, täte ihnen wohl und befeuerte sie zu den schönsten Worten und Taten. Hach! Ich schwelgte.

Als ich meinen Traum einmal meinem Nachbarn erzählte, bedachte er mich mit einem skeptischen Blick und meinte, ich hätte wohl etwas nah am Wasser gebaut. Pfffhh-! Sollte er doch denken, was er wollte. Ein paar Tage später holten ihn die Sommeliers ab. Ich trauerte dem hartherzigen, essigsauren Kerl nicht nach. Allerdings hoffte ich, dass er keinem Liebespaar vorgesetzt würde. An dem sollte sich besser ein gelangweilter Weinkritiker die Zunge schmutzig machen.

Wenn die Sommeliers zu uns in den Keller kamen, wussten wir, dass es auf die letzte Etappe gehen konnte. In anderen Regalen lagen Flaschen, die noch für ihre Trinkreifeprüfung büffeln mussten und deshalb noch nicht an der Reihe waren. In unserem Regal aber war jedermann bereit, entkorkt und getrunken zu werden. Dafür waren wir da, dafür hatte man uns gemacht. Ewiges Leben war uns nicht beschieden und wäre uns auch nicht gut bekommen; irgendwann wären wir umgekippt. Die Aussicht auf die Vollendung des Lebens schreckte keinen von uns. Niemand war traurig oder hatte Angst.

Aber aufgeregt und gespannt waren wir, und selbstverständlich wünschte sich jeder von uns einen gewandten Sommelier, der den Korken vorsichtig aus der Flasche ziehen würde."Ich sage ihm dann einfach:'Sei zärtlich zu mir, es ist für mich das erste Mal! ", zwitscherte eine Nachbarin und kicherte. Wir hatten die Weinkellner inzwischen ganz gut kennengelernt und große Unterschiede bemerkt. Manche betrachteten die Flaschen aufmerksam und beinahe liebevoll, bevor sie einige davon behutsam aus dem Regal nahmen; andere waren gleichgültig, manche sogar mürrisch und grob.

Es war einer dieser Rohlinge, mit dem ich es zu tun bekam. Muffelig kam er in den Keller gelatschtund dünstete Unmut aus. Er war mir schon ein paarmal unangenehm aufgefallen; auch mit unseren Mitteln war ihm nicht zu helfen. Eigentlich sind wir ja für gutes Seelenwetter zuständig, aber gegen schlecht gestimmte Mumpfklumpen ist der beste Wein machtlos. Der Kerl polterte durchs Gewölbe und schimpfte vor sich hin."Ein kleiner, unkomplizierter Tischwein soll es sein. Soso. Geht es vielleicht ein bisschen präziser?"Er näherte sich unserem Regal, streckte eine derbe Hand aus - und ergriff mich..."
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