Als Laie mit wenig Erfahrungen aber mit Interesse an Wein, habe ich mich für dieses Werk entschieden und habe es nicht bereut.
Diese Ausgabe ist grossformatig, auf schwerem, hochwertigem Papier gedruckt, was dem gesamten Werk zurecht eine wertige Erscheinung gibt. Die Gestaltung, speziell die Bilder und Grafiken beweisen eine Liebe für das Detail. Je ein Abschnitt wird auf einer Doppelseite abgehandelt. Aber das sind nur die Äusserlichkeiten.
Inhaltlich gliedert sich das Buch in drei Abschnitte: Im ersten Teil wird die gesellschaftliche Rolle des Weins, seine Geschichte und sein Genuss abgehandelt. Im zweiten Teil geht es um die Weinerzeugung, vom Weinanbau bis zur Abfüllung in Flaschen. Der grösste Teil des Buches befasst sich mit der "Geografie" des Weines, also seine Anbaugebiete und die hierfür typischen Eigenheiten, sowie wichtige Marken. Abschliessend findet sich noch ein Glossar, eine Übersicht der besten Jahrgänge von ausgewählten Regionen und eine Übersicht bedeutender Weingüter und Erzeuger.
Ich habe auch einen vergleichenden Blick in den "Grossen Johnson" geworfen, der gerade im Teil zu den Weinanbaugebieten hauptsächlich eine Aufzählung zahlreicher Erzeuger bietet.
Auch wenn das Buch äusserst umfangreich ist, kommen gerade in den ersten Teilen einige Informationen zu kurz oder gar nicht vor, was mich etwas enttäuscht hat und wofür ich auch einen Stern abgezogen habe. So fand ich keine Informationen, wo der Unterschied zwischen einem Rose-Wein und einem Weissherbst liegt (beides ist nicht erklärt), inwieweit sich Schraubverschlüsse oder Kunststoffkorken als Ersatz des klassischen Korkens (nachteilig) auswirken (dafür wurde aber dem Korkenzieher ein ganzes Kapitel gewidmet), wie einzelne Böden auf den Geschmack wirken... Natürlich können Erfahrungen nicht durch ein Buch ersetzt werden und Sinneseindrücke nur schwer mit Worten beschrieben werden, dass muss jedem klar sein. Aber gerade Informationen, die man mal von "Experten" gehört hat erwecken eine Neugier oder die man als Basics empfindet und hier vergeblich in über 1000 Seiten sucht, enttäuschen dann doch etwas. Zudem hätte ich mir einen besseren Überblick über die verschiedenen Weinsorten gewünscht. Um herauszufinden, dass zum Beispiel der Zinfandel dem Primitivo entspricht, muss man schon einige Seiten durchblättern, der Silvaner heisst auch mal Sylvaner, auch zur Namensgebung von Weinen wird nichts gesagt (Benennung nach Rebsorte oder Erzeuger, ebenso warum aus einer Rebsorte mehrere Weinsorten entstehen können und worin der massgebliche Unterschied liegt).
Im Grossen und Ganzen aber bin ich mit diesem Buch zufrieden. Auf das gute Preis-Leistungsverhältnis muss nochmals hingewiesen werden, deshalb habe ich nicht zwei Sterne abgezogen, was ich rein inhaltlich für gerechtfertigt gehalten hätte. Ich werde es auch verschenken, in der Hoffnung, dass es auch andere Interessierte erfreut.