Die Untersuchung der Republik von Weimar stellt sich zumeist das Ziel, den Ort dieses Staates in der deutschen Geschichte zu ermitteln. Häufig, allzu häufig laufen diese Untersuchungen darauf hinaus, Weimar nur als Vorgeschichte des Nationalsozialismus zu interpretieren. Sie unterscheiden sich dann regelmäßig darin, welche Gründe letztendlich für das Scheitern angenommen werden. Winkler, langjähriger Professor an den Unis Freiburg und Berlin, hat einen anderen Weg beschritten. Nicht, daß bei ihm die Analyse der Chancen, die Weimar den Nationalsozialisten leider bot, zu kurz käme, aber: Er sieht die 14 Jahre zunächst mal als Folge des Kaiserreiches, mit all ihren politischen, ökonomischen und sozialen Problemen, nicht als unumkehrbare Einbahnstraße zu Hitler. Winklers Darstellung ist keinesfalls als Enzyklopädie zu verstehen - als Nachschlagewerk ist sie wahrlich nicht zu gebrauchen. Die Weimarer Zeit wird von ihm nicht in rein chronologischer Abfolge faktisch seziert, sondern mit der nötigen Distanz und mit dem unbeirrten Blick auf Strukturen analysiert. Er liefert damit etwas, was der ein oder andere Geschichtsprofessor von seinen Studenten verlangt: die sogenannte Problemorientierung. Ihm gelingt das durch den schwierigen Spagat, einerseits sehr quellennah zu bleiben, andererseits sich davon nicht auf vermeintliche oder tatsächliche Nebenschauplätze der Geschichte zu verirren. Sprachlich beeindruckt Winkler durch seine Prägnanz, die dem Buch eine gute Lesbarkeit verleiht. Winkler hat eindrucksvoll bewiesen, daß er nicht nur eine Synthese der neueren Weimar-Forschung liefert, sondern auch die aktuellen wissenschaftliche Diskussionen erläutert, die sich gegenwärtig zu dieser Epoche vollziehen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)