Beim Durchblättern des Buchs war ich begeistert. Viele schöne Bilder, Hinweise, ob ein Rezept anfängergeeignet ist und eine große Vielfalt. Und ich wollte dieses Jahr unbedingt mal was Neues ausprobieren.
Tja, und jetzt kommt der Nachteil: Entweder ich hab' gerade die "Montagsrezepte" erwischt oder beim Verlag gibt man sich einfach nicht genug Mühe. Wo es überall gehapert hat:
Zuerst machte ich die Dreispitze von Seite 41 ("dauert länger - für Geübte").
Nun, geübt bin ich ja, also keine Scheu.
Doch die Mengenangaben haben einfach nicht überhaupt nicht gepasst.
Die Teigmenge sollte auf einer l-e-i-c-h-t bemehlten Fläche ca 1/2 cm dick ausgerollt werden, und dann zu runden Plätzchen mit 4 cm Durchmesser ausgestochen werden. Ich hab 5 x nachgemessen - 4 cm Durchmesser hat ein Schnapsglas! Bei der Dicke hätte das niemals 60 Plätzchen ergeben. Und das zusammengeschlagene Plätzchen sah auch irgendwie winziger aus als auf dem Foto (wobei da kein wirklicher Maßstab zur Verfügung steht). Die Füllung sollte als "haselnussgroßes Häufchen" daraufgegeben werden. Was für eine Sorte Haselnüsse ist wohl gemeint? Sorry! Wenn ich über meine "Haselnuss" die 3 Seiten zum Pfaffenhütchen zusammenschlage, dann guckt die Hälfte oben raus! Also weniger Füllung genommen, Teig dünner gerollt, hinterher jedes Plätzchen mit dem Handrücken nochmal angedrückt, so das der Taler in alle Richtungen wuchs, dann klappte das so ungefähr und ich bekam auch in etwa die versprochene Plätzchenmenge.
Doch dann musste ich nochmal Teig machen, weil ich noch ca. die Hälfte der Füllung übrig hatte - und etwa 10 x so viel Einstreichmasse (verquirltes Eigelb, Eiweiß und Milch) wie nötig.
Schmecken tun die Plätzchen aber wirklich gut.
Als nächstes Rezept auf S. 38: Crème-fraîche-Taler (schnell)
Da musste ich aber erst mal lachen: Was wird wohl ein/e Anfänger/in tun, wenn er oder sie liest: "Die Teigscheiben auf Backbleche (gefettet, mit Backpapier belegt) legen" ?? Ich vermute mal, das ist eine ziemliche Schweinerei, Backfett unter Backpapier - und sinnlos obendrein. Platz für das Wörtchen "oder" wäre wohl noch gewesen!
Obwohl ich mich an die Anleitung hielt, war der Teig einfach zu weich, um ihn mit dem "Sägemesser in etwa 1/2 cm dicke Scheiben" zu schneiden. Ich hab ihn dann wieder auf eine - diesmal gut bemehlte Fläche ausgerollt und gerade wieder mit meinem Schnapsgläschen ausgestochen. Dann gings - wenn auch mühevoll statt schnell. Statt Kondensmilch hab ich zum Bestreichen den Rest vom ersten Rezept genommen - schmeckt auch!
Aller guten Dinge sind drei! Seite 76, Hafer-Schoko-Plätzchen
Konsistenz diesmal okay, nur ein kleines Problem. "Den Teig mit 2 Teelöffeln in Häufchen mit etwas Abstand (wie groß die Häufchen, wie groß der Abstand?) auf Backbleche legen ("gefettet, mit Backpapier belegt" ist übrigens ein Running Gag). Dann heißt es: Teighäufchen mit dem Löffel etwas flach drücken. Da ich die Plätzchen zum ersten Mal machte, wusste ich nun nicht, ob sie beim Backen auch noch auseinanderfließen. Sollte ich sie nur ein ganz wenig flach drücken oder soviel, das sie die spätere fertige Größe annehmen? Ich hatte mich für Letzteres entschieden - leider verkehrt. Jetzt habe ich ziemliche Riesenplätzchen.
Aber auch die schmecken wenigstens gut.
Fazit: Von einem Rezeptbuch erwarte ich konkrete, stimmige und hilfreiche Angaben. Das war hier nicht immer der Fall.
Für Geübte und beim 2. Mal kann das Buch aber durchaus eine Fundgrube für eine Menge toller Rezepte werden. Ich werd noch weitere ausprobieren...