Die Zeit, ein Weihnachtsoratorium zu hören, ist angebrochen.
Für diesen bescheidenen Preis das gesamte Oratorium, das verlockt. Bekannte Solisten, ein professioneller Chor und dann das concerto cölln, das ebenfalls sehr einladend ?
Wie ist das Ergebnis zu bewerten ? Um mit den Solisten anzufangen. In der Tat standen Ralf Otto ausgezeichnete Kräfte zur Verfügung. Ich finde einen Klaus Mertens zum Beispiel überzeugender als einen Fischer-Dieskau.Die Solisten sind sehr gut, und verbreiten doch irgendwie nicht den Adventsglanz, der sich bei anderen Aufnahmen einstellt. Um beim Bass zu bleiben: Mertens sind tadellos, wird aber von Ralf Otto zu einem Tempo gedrängt, dass man eher darum besorgt ist, ob das gut gehen wird, als sich adventlicher Besinnung hingeben zu können.
Damit bin ich schon bei einem kritischen Punkt dieser Aufführung. Kaum einer möchte noch die behäbigen Tempi eines Karl Richter, aber ein Werk wie das Weihnachtsoratorium im ICE-Tempo zu durcheilen, wie es sich einige angewöhnt haben, ist unangemessen. Gardiner war ein Vorreiter dieser Hetze. Er hat sich selbst korrigiert und bei der pilgramage im Jahr 2000 wieder ruhigere Tempi gewählt.
Otto geht das Werk sehr zügig an. Er hat Kräfte, die das technisch bewältigen, aber besinnlich ist das nicht.
Im übrigen wundere ich mich, dass er mit concerto cölln konzertiert."Wir musizieren keine trockene Aufführung aus dem Archiv der historischen Aufführungspraxis - so etwas ist nicht zeitgemäß, ja überflüssig" soll ein Zitat von ihm sein. Wieso dann eine Aufführung mit einem ensemble, dass in dieser Tradition steht ?
Fazit: wer sich vom geringen Preis angezogen fühlt, bekommt ein technisch einwandfreie Aufführung mit sehr guten Ausführenden. Wer etwas für adventliche Besinnung sucht, wird eher zu anderen Aufnahmen greifen.