"Weihnachten mit Nora Roberts" war für mich das erste Buch der bekannten Autorin, von der ich mir bei diesem Sammelband ein paar wohltuende Geschichten fürs Herz erwartet hatte und genau das auch bekommen habe.
In vier winterlichen Geschichten schreibt Nora Roberts über die Liebe, über große Gefühle und gibt dem Leser reichlich Anlass zum Seufzen und Tränen der Rührung zu vergießen. Das Buch ist zweifellos eine passende Lektüre für die (Vor-)Weihnachtszeit. Eine Tasse Tee oder Punsch, Plätzchen futtern, Advents- oder Christbaumkerzen anzünden, im Kamin prasselt ein Feuer und man kuschelt sich selig mit der Lieblingsdecke und dem Buch auf die Couch. Da kann draußen das Wetter noch so scheußlich sein, das ficht einen dank der rührseligen, zuckrigen Happy-End-Stimmung, in die man durch Nora Roberts versetzt wird, gar nicht an.
Ehrlicherweise muss man aber auch zugeben, dass die vier Geschichten wohl wirklich nur für diese Jahreszeit die perfekte Lektüre sind. Denn betrachtet man das Buch mal nicht durch die weihnachtlich verklärte romantische Brille, dann lassen sich durchaus etliche Defizite erkennen. Die Handlung ist ohne Ausnahme schon nach den ersten beiden Seiten absolut vorhersehbar, teils flach, fantasielos und arg mit Klischees behaftet. In allen vier Geschichten geht es um "geheimnisvolle" Männer (durchwegs beruflich erfolgreiche, aber von den Frauen oder dem Leben arg gebeutelte Kandidaten), deren harte Schale durch die jeweilige Protagonistin geknackt wird. Und das läuft leider nach dem immer gleichen Muster ab: Kaum haben sich die beiden zum ersten Mal getroffen, schlägt die Liebe wie der Blitz ein, schwuppdiwupp kommt der erste - beiderseits verstörende, aber alles versengende Kuss -, ein noch nie erlebtes Begehren, das sie sich nicht zuzulassen getrauen und irgendwann landen die zwei dann im Bett. Ein klein wenig Abwechslung und ein bisschen mehr Fantasie hätte dem Werk sicher gut getan und mich vielleicht sogar zu einem Nora Roberts-Fan werden lassen.
Nichtsdestotrotz möchte ich "Weihnachten mit Nora Roberts" aber durchaus empfehlen. Es ist ein ideales Buch für überzeugte Romantiker und für alle, die - so wie ich - zumindest an Weihnachten mal was Schnulziges fürs Herz brauchen.