Thomas Mann hatte zeitlebens ein ungetrübtes Verhältnis zum Weihnachtsfest.
Das kann man nicht nur in seinen Werken nachlesen, auch das Tagebuch und die Korrespondenz des großen Schriftstellers, sowie Schilderungen von anderen Familienmitgliedern und Zeitgenossen legen davon ein beredtes Zeugnis ab.
Der Fischer Taschenbuch-Verlag hat mit "Weihnachten mit Thomas Mann" eine Sammlung von Briefen, Tagebuchaufzeichnungen und natürlich die einschlägigen Textstellen aus dem Werk herausgegeben.
Dieser Band enthält in chronologischer Folge Schilderungen und Gedanken rund um das Fest aus den Jahren 1890 bis zum letzten Weihnachten im Leben Thomas Manns 1954.
Glanzvolles Herzstück dieses Bändchens ist natürlich die Schilderung eines Weihnachtsfestes bei den "Buddenbrooks".
Weihnachten in der Mengstraße bei der alten Konsulin Buddenbrook ist für mich eine der beeindruckendsten Weihnachtsgeschichten überhaupt, wird doch dort die ganze Pracht und die unaufdringliche Gediegenheit alten Reichtums anhand der alten Traditionen und Rituale äußerst lebendig geschildert.
Doch auch die Briefe und Tagebuchaufzeichnungen des "Zauberers" zeigen, dass es im Hause Mann mitnichten ähnlich festlich zuging.
Selbst im Jahr 1933, das erste Jahr des Exils, findet das Fest in nahezu unveränderter Konstellation und Unbeschwertheit statt. Es ist immer ein reges Kommen und Gehen, es gibt Gäste, gutes Essen, fröhliches Beisammensein und rege Diskussionen und Geschenke für alle.
Als Ausnahmeerscheinung liebt Thomas Mann dieses Fest, ein willkommener Anlass, die Lieben um sich zu versammeln. An den Vorbereitungen wiederum beteiligte sich Thomas Mann nie, die Organisation der Feiern oblag allein Katia Mann.
Dieses Büchlein ist eine Fundgrube. Man entdeckt darin den Familienmenschen Thomas Mann, der durchaus selbstironisch zu Sentimentalitäten steht.
Ein schönes Geschenk für Liebhaber!