Ein Bild, daneben ein kurzer Text. Kurt Weidemann hat erkannt, dass in einem visuell orientierten Gesellschaftsbereich auch Bücher dieser Orientierung folgen und keine Bleiwüsten darstellen müssen. Diese Darstellung erinnert an die bekannten besinnlichen Kalender, und sie verfolgt auch das selbe Ziel: den Betrachter anregen, selber nachzudenken. Es gelingt vorzüglich. Man betrachtet die Bilder, bildet sich ein eigenes Urteil, vergleicht es mit dem des Verfassers und kann daran weitergrübeln. Das alles ist anregend und lehrreich. Getrübt wird die Freude im letzten Kapitel. Nach 170 Seiten wird das Buch tatsächlich noch zum Kalender. Weidemann scheint hier der Ansicht zu sein, nun genügend Altersweisheit gesammelt zu haben, um seine eigene Version der Zehn Gebote unter die Leute zu bringen. Aber auch das ist zeihlich. Wer bereits ein Stück selbst denken kann wird erkennen, welcher Jargon einem da ins Ohr brandet. Nachzulesen steht's bei Adorno.