offiziell wird diese scheibe erst später präsentiert, bei amazon gibt es sie schon jetzt und ich hab sie überhaupt schon längere zeit.
ernst molden schreibt ja nicht nur großartige eigene songs, er ist auch ein begnadeter übersetzer und interpret von cover-versionen, wie er schon mit der ersten diesbezüglichen CD "foan" unter beweis gestellt hat.
nun gibts endlich einen nachfolger. im gegensatz zu den eher kargen neuinterpretationen auf "foan", stecken hier die songs in z.t. opulenteren arrangements und es hat ihnen keinesfalls geschadet.
ich bin überhaupt kein freund von cover-alben, aber ernst molden ist wie kaum einer in der lage, in den von ihm gecoverten songs deren aussage und stimmung weitgehend unangetastet zu lassen, ihnen aber einen wienerischen stempel aufzudrücken, sie quasi einzubürgern, "mit schlag" zu servieren und "moldisch" zu machen.
schon der opener, ein song von nick cave "rode rechte haund" zeigt dies deutlich, der song hat großartige frauenstimmen im background, einen sehr rockigen sound und einen guten flow.
dylans "red river shore" hat im original acht strophen, die ernst molden hier auf verträglichere fünf gekürzt hat und wird hier in "madl aus der lobau" umgedeutet. wer das original nicht kennt, es findet sich nur auf einer CD der bootleg series und ist aus unverständlichen gründen nie auf einem offiziellen dylan-album erschienen. schön, dass ernst molden das lied dort gefunden hat!
"going up the country" wird zu "i foa heit zu die gscheadn" (für unsere deutschen freunde:
gscheade = gescherte das ist eine abfällige bezeichnung der städter für die landbevölkerung) wird im duett mit ingrid lang dargebracht, groovt gut und macht riesenspass.
interessant auch, wie radioheads "dark star" ins wienerische geholt wird - im original gefällt mir das weniger, die version hier ist mehr als gelungen.
der "ship song" wieder von nick cave wird zum "boodliad" und wieder zu einem duett mit ingrid lang, wunderschön.
es folgt noch "featiga sunndog" (gloomy sunday) und die nummer ist auch in moldens version ein todtrauriges lied, mit "obiagn" folgt aber gleich wieder was optimistischeres...
aus warren zevon's "carmelita" wird der gassenhauer "katharina" und dann folgt ein weiteres highlight dieses albums:
bruce springsteen's "one step up" wird hier zu "a schritt vire (zwa schritt zruck)" und es ist der einzige song, den molden nicht selbst übersetzt hat. man hat hier wohl dem unvergesslichen günther brödl tribut zollen wollen, der den song seinerzeit für den "ostbahn-kurti" ersonnen hat und so wird er auch von willi resetarits und ingrid lang unglaublich intensiv vorgetragen.
"foan" fand sich schon von ernst molden gesungen in einer kargen version auf dem ersten cover-album und musste dann aus rechtlichen gründen wieder entfernt werden. hier ist diese coverversion von "sailing" wieder vertreten, ist opulenter arrangiert und wird von willi resetarits gesungen, der sich ordentlich ins zeug legt und beweist, dass er stimmlich immer noch einer der besten ist.
dann gibt's noch "pancho and lefty" vom unvergesslichen townes van zandt als "der schurl und der linke" und einen von johnny cash bekanntgemachten bitterbösen song namens "jessica".
kein coveralbum im typischen sinn, mehr eine transkription, etwas das so werden musste, wie es geworden ist und schön, dass ernst molden der erst kürzlich erschienenen scheibe mit eigenkompositionen (es lem) sehr rasch noch diese hier folgen ließ.
auch klanglich gibt's an dieser scheibe gar nichts auszusetzen. walther soyka prägt den molden-sound nicht nur mit seiner unvergleichlich gespielten schrammelharmonika, er ist auch für den mix verantwortlich und hat wieder großartiges geleistet.
obwohl in soykas nonfoodfactory aufgenommen, hört man in eine dreidimensionale bühne hinein, die stimmen haben die richtige luft und die aufnahme hat die gleichen cremigen mittellagen wie alle molden-scheiben seit "ohne di" und das ist sehr gut so!
nur schade, dass es einige nummern (die ich von live-konzerten kenne) aus rechtlichen gründen nicht auf dieses album geschafft haben und auch, dass es hievon kein vinyl gibt...