Endlich war es möglich, die deutsche Übersetzung mit dem chinesischen Original zu vergleichen. Ein Kompliment an Leo Wagner, der aus der englischen Übersetzung noch das beste rausgeholt hat, was diese Ansammlung an Platitüden im westlichen Pseudo-Wissenschaftsjargon über das grundsätzlich instringente, unwissenschaftliche Kampfkunstwesen Chinas herzugeben vermag.
Grundproblematik: Viele moderne volksrepublikanische Vertreter traditioneller chinesischer Kampfkünste verzehren sich nach Anerkennung durch die westliche Wissenschaft. Sie eignen sich oberflächliche Kenntnisse dieser westlichen Wissenschaften an, versuchen damit eigene Kulturphänomene zu erklären, und wenn dies nicht durchgehend klappen kann, wird sofort und wiederholt auf die Beschränktheit eben dieser westlichen Wissenschaften hingewiesen. Das Buch ist daher in sich widersprüchlich, wird keinem Praktikaten beim praktischen Training helfen, und als langjähriger Übender chin. Kampfkünste u. westlich ausgebildeter Akademiker kann ich nur raten: Wer fremdes Kulturgut verstehen bzw. praktizieren will, muss sich schon bemühen, in diese Kultur einzutauchen und von innen heraus zu verstehen. Man müsste Meister Shi Ming demnach direkt besuchen und unter seiner Anleitung trainieren, mit ihm körperlich arbeiten, um seine Kunst vielleicht begreifen zu lernen.
Aber oben beschriebenes Phänomen kennen wir auch aus der Traditionellen Chinesischen Medizin, die von vielen unbedingt mit westlicher Wissenschaft bewiesen werden will, was kaum gelingen mag und wohl auch nicht nötig ist. Warum können nicht einfach verschiedene Kulturen ohne Rechtfertigungsbedürfnis nebeneinander exisitieren? Wer sich für Fremdes interessiert, wird sowieso den Sprung ins Fremde tätigen.