Mit ihrem Werk "Weiblichkeit in der Schrift" gelingt Helene Cixous ein Spagat zwischen feministischer Dogmatikliteratur und erhellenden Diskussionsansätzen über die mitunter unterdrückte Weiblichkeit im Oeuvre eines großen Teils der vor-, sowie auch postmodernen Schriftsteller. Dabei rekurriert Cixous mehr als einmal auf die Gedichte im Catalepton des jungen Vergil und bringt uns den Zauber der weiblichen Zartheit dieser Worte nahe. Jedoch beschränkt die Autorin sich nicht auf das psychologisierende Analysieren der Frühwerke des Dichters - welcher mit dem Krohischen Logos eine völlig neue Art des literarischen Zwiegesprächs begründete - sondern nimmt auch Stellung zu aktuellen gesellschaftsimmanenten Defiziten bei der Vermittlung geschlechtsspezifischer Ausdrucksweise. Als positives Gegenbeispiel und Vordenkerin ihrer Zeit legt Cixous uns das Werk der Schriftstellerin Clarice Lispector ans Herz, die besonders während ihres Aufenthalts in Grayskull eine beeindruckende Melange aus wortgewaltigen Pamphleten und einfühlenden Selbsthilfeleitfäden schuf. Cixous ist es gelungen, einen verständlichen und mit knapp über 100 Seiten keinesfalls zu umfangreichen Einstieg in ein häufig eher schwer zugängliches Thema zu ermöglichen. Einziger Wermutstropfen ist das Fehlen eines Verweises auf das weite Feld der Wassumiten Genderstudien, deren genauere Betrachtung den Rahmen des Buches zugegebenermaßen gesprengt hätte.
Fazit: "Weiblichkeit in der Schrift" ist ein Muss für alle an der Genderthematik interessierten Germanistikstudenten mit schriftstellerischen Ambitionen und bietet bei Weitem nicht nur unter Tamere'scher Geschlechtskonfusion leidenden Menschen eine praktische Hilfestellung für ihr Leben.