Nachdem ich das Buch gelesen habe, dachte ich spontan "Schön wär's, wenn sich europäische Männer in die afrikanische Liebeskunst Kunyaza einweihen lassen würden". Kunyaza wird offenbar vor allem in Ruanda, aber auch anderen afrikanischen Ländern, angewendet und berücksichtigt die Tatsache, dass der Großteil der Frauen nicht durch reine Penetration zum Orgasmus kommt, sondern klitorale Stimulation benötigt. Ich hätte nicht gedacht, dass es in einem Kontinent, in dem Frauen in einigen Ländern beschnitten werden, so etwas gibt (da die Klitoris ja größer/länger ist als der nach außen sichtbare Teil, soll Kunyaza sogar beschnittenen Frauen zur Lust verhelfen). Diese klitorale Stimulation durch eine offenbar ausgeklügelte traditionelle, aber anscheinend nicht schwierige Technik des Mannes ist Bestandteil des Koitus und das ist der Unterschied zur europäischen "Liebeskunst", wenn es sie denn überhaupt gibt. Kunyaza ist also eine sehr frauenfreundliche Liebestechnik (und dabei offenbar viel einfacher zu lernen und "ideologiefreier" anzuwenden als etwa tantrische Liebeskunst). Sie ermöglicht der Frau mehr Lust und auch größere Hingabe, da sie während des Koitus nicht zusätzlich selbst aktiv werden muss, indem sie ihre Klitoris parallel stimuliert, wie es etliche Ratgeber empfehlen, damit frau auch auf ihre Kosten kommt. Dabei schmälert Kunyaza den Spaß des Mannes keineswegs, sondern steigert ihn durch die erhöhte Lust der Partnerin eher.
Was mich am Buch gestört hat (abgesehen vom schrecklichen Einband mit der unpassenden Farbe und einer ebenso unpassenden und absolut unerotischen Zeichnung) ist, dass der Ejakulation der Frau durch die durch die Kunyaza-Methode so in den Vordergrund gestellt und hochgelobt wird. Ich empfinde sie eher als Nebeneffekt, denn sie wirkt ja an sich nicht luststeigernd. Aber vielleicht ist es für einen Mann beispielsweise aus Ruanda ja ein Beweis seiner virtuellen Liebeskunst, wenn seine Sexpartnerin ejakuliert, und das offenbar manchmal literweise. Ich habe zufällig kürzlich von Bekannten gehört, dass Frauen in Uganda "sehr nass" beim Sex werden und deshalb das Bett in der Hochzeitsnacht entsprechend präpariert wird (von der Tante der Braut meiner Erinnerung nach). Das hat mich neugierig gemacht und so bin ich auf das Buch gestoßen. Zunächst vermutete ich, dass es an den afrikanischen Frauen liegt. Der Autor ist der Meinung, dass Kunyaza auch bei europäischen Frauen wirkt und bringt ein paar Fallbeispiele an. Diese und andere Beispiele sind etwas blumig und liebesromanähnlich geschrieben und haben mich zum Schmunzeln gebracht. Überhaupt ist das Buch eine komische Mischung aus wissenschaftlichen Erkenntnissen, Agitation, Anleitungen und Geschichten und stilistisch sowie sprachlich nicht gerade vorzeigbar. Aber darüber kann man hinwegsehen, ich habe, besonders aus der Beschreibung der Technik und der empfohlenden Stellungen, zahlreiche interessante Informationen gewonnen. Was die wissenschaftlichen Erkenntnisse betrifft, habe ich aber noch einen Einwand: Nsekuye Bizimana bezieht sich zum Thema G-Punkt (der nach meiner bisherigen Erkenntnis die einzige Quelle für eine mögliche, aber nicht zwingende weibliche Ejakulation war und dessen Reizung während des Koitus orgasmusfördernd sein kann) auf immer noch kursierende Behauptungen, die Existenz des Gräfenbergpunktes sei fraglich bzw. nicht alle Frauen hätten ihn - hier scheint es generell eine Forschungslücke zu geben. Aber vielleicht tut er das, weil die G-Punkt-Stimulation eine gewisse Konkurrenz zu Kunyaza darstellen könnte...? Egal, ich fand das Buch interessant. Nur ob ich es dem nächsten Partner auf den Nachttisch legen soll, muss ich mir noch überlegen... ;-)