Guten Gewissens ist der Reiseführer "Weißrussland entdecken" aus dem Trescher-Verlag leider nicht zu empfehlen. Dennoch wird man kaum um diese schwache Publikation herumkommen, es gibt halt nur wenige andere Führer für dieses bislang nur wenig bereiste Land!
Viele werden vieles vermissen, denn wer nach Weissrussland fährt, hätte es wohl in den meisten Fällen gerne um einiges fundierter als hier dargeboten. So sind im Kapitel zu Vitebsk die Informationen zu dortigen Spuren von Marc Chagall letzlich dürftig. Auch zu ehedem vorhandenen deutschen Bevölkerungsanteilen in Weissrussland - der eine oder andere Grabstein legt davon Zeugnis ab - erfährt man praktisch nichts. Oder, oder, oder ... - hier könnte man vieles auflisten, was schlichtweg fehlt.
Mögen diese Lücken vielleicht noch angehen, so ist die auffallend schlampige Bearbeitung des Buches kaum entschuldbar, da die Benutzbarkeit als Reiseführer darunter erheblich leidet: Die Texte sind wenig gegliedert, es gibt keinerlei optische Hervorhebungen der behandelten Sehenswürdigkeiten, die für die Stadtpläne verwendeten Nummerierungen tauchen in den Begleittexten nicht auf. Spärlich in Anzahl und Aussagekraft sind die Angaben zu Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten. Oft wird die Benutzung des Buches zu einer regelrechten Qual, denn statt konkreter Wegbeschreibungen findet man mitunter tatsächlich nur untaugliche Ortsangaben wie "nicht zu verfehlen". Da soll man also tatsächlich eine Stadt mit mehreren tausend Einwohnern Straße für Straße nach Gaststätte, Hotel oder eben der "nicht zu verfehlenden" Sehenswürdigkeit absuchen - eine Frechheit, es sich beim Erstellen eines sogenanntem Reiseführer so einfach zu machen!
Die Verwendbarkeit des Buches wird inzwischen noch zusätzlich dadurch erschwert, dass manche Information fünf Jahre nach dem Erscheinungsdatum im Jahre 2004 nur noch wenig aktuell ist. Eine gründlichst zu überarbeitende Neuausgabe wäre dringend anzuraten. Denn es hat sich viel getan in Weissrussland, wie man schnell bemerkt, wenn man die Abbildungen des Buches mit dem Leben vor Ort vergleicht. Das Land ist inzwischen wirklich gut zu bereisen: Die Straßen sind gut ausgebaut, die Geschäfte voll mit den gängigen Waren und in allen auf den typischen Reiserouten liegenden Städten kommt man gut und günstig unter. Es wirkt alles erstaunlich gut organisiert und die Menschen sind auffallend freundlich und hilfsbereit - oft spricht man englisch, gelegentlich sogar deutsch. Auch Begegnungen mit der Staatsmacht - z.B. in Gestalt von Polizisten bei Verkehrskontrollen - kann man - anderslautenden Gerüchten zum Trotz - mit Gelassenheit entgegensehen. So ist denn die Beschaffung des nach wie vor erforderlichen Visums für manch einen vielleicht schon das größte Abenteuer bei einer Reise nach Weissrussland ...