Im Mittelpunkt steht Jack Gladney, Mittfünfziger und Begründer des Lehrstuhls für Hitler-Forschung an einem kleinen College im Mittleren Westen Amerikas. Jack lebt mit seiner vierten Frau Babette und diversen altklugen Kindern aus verschiedenen Ehen in einem kleinen, durchschnittlichen Städtchen, über dem eines Tages nach einem Bahnunglück eine giftige Wolke schwebt, die Jack kontaminiert. Ein ernstes und aktuelles Thema, das DeLillo mit allen Schrecken einer Evakuierung und der Hilflosigkeit des einzelnen porträtiert. In selbstverständlicher Bereitwilligkeit, sich jeglichem Massenphänomen anzupassen, entwickeln die Gladney-Töchter nacheinander Krankheitssymptome, die sie dem Radio entnehmen. Auf Erbrechen folgen Déjà-vu-Erlebnisse sowie ",Krämpfe, Koma, Fehlgeburt`, sagt die wohlinformierte und muntere Stimme im Radio". Wahrhaftig und grotesk schildert DeLillo die heranrückende "dräuende" Giftwolke, aber auch die tägliche Unterhaltung beim Abendessen, denn "die Familie ist ein steter Hort der Desinformation". Die Einwohner des kleinen Städtchens arrangieren sich mit den Männern in Schutzanzügen, die noch nach Monaten die Gift- und Strahlenbelastung messen, die Kinder nehmen geflissentlich an simulierten Evakuierungen teil, während sie den Ernstfall bereits hinter sich haben. DeLillo ist kein Moralist, obwohl seine Werke sich mit der Ethik der modernen Menschen, die sich in einer entmoralisierten Welt zurechtfinden müssen, befassen. Oft können die eigenen Wertvorstellungen nur durch beharrliches Ignorieren der Realität aufrechterhalten werden. Er zeigt uns Symptome der Krankheit einer Gesellschaft, die sich zwanghaft überfüttert. Nun ist das nicht gerade neu, aber kaum einem anderen Autor gelingt es, durch ausgezeichnete innere Monologe seinen Figuren so viel Leben einzuhauchen und jedes seiner Bücher zum Genuß zu machen, ohne den Blick von den Problemen abzulenken. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)