Aus der Amazon.de-Redaktion
Weißes Papier war das siebte Album des Berliner Quaretts und ihr zweites mit deutschen Texten. Nach internationalen Produktionen hatte die Band an Souveränität gewonnen. Sven Regener interpretierte seine hintergründig-lakonischen Texte bisweilen ganz schön aggressiv. Musikalisch stand Hopsassa neben Seemanns-Shanty, Road Movie-Tempo neben Morgengrauen-Schieber.
Die Trompete war soulig, die Gitarre exzentrisch, der Bass sinnlich-schleppend, das Schlagzeug setzte den klaren Kontrapunkt. Die orchestrierte Streicher- und Bläserkulisse mit mediterranem Akkordeon untermalte die wunderbaren Statements zu Weltverdrossenheit, kafkaesker Bürokratie -- "Draußen hinterm Fenster" -- und einem Alltag, in dem Sex und Romantik auf "Alten Resten eine Chance" im Nudelssalat ertrinken.
Aus depressiver Weltsicht und modern gewordener Resignation komponierten Element Of Crime poetische Rock-Chansons mit "Mehr als sie erlaubt", "Schwere See" oder "Das alles kommt mit" zum Thema Weiterleben. Introvertierter, schwarzer Humor kippt unvermittelt in fröhliche Heiterkeit. "Und du wartest" ist wohl immer noch einer der schönsten Sommersongs. Bei Element Of Crime hat das Melancholische und Traurige auch immer eine rosarote Häkelnaht. --Ingeborg Schober
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Ein unbeschriebenes Blatt sind sie nicht mehr - Weißes Papier ist das sechste Album der vier Berliner. Texter und Trompeter Sven Regener schafft es wieder, in subtil-plakativen Wort-Bildern scheinbar banale Wahrheiten aufzudecken - seit Damals hinterm Mond (Pop-CD des Monats 10/91) auf deutsch. Schonungslos beschwört Regener mit rauchig-schnodriger Stimme seine Song-Geister. Die luftig-spröden Arrangements mit Akkordeon, Streichern, E-Gitarre und Schlagzeug potenzieren die Mischung - Flut für Herz und Hirn.
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Stereoplay
Spätestens seit ihrem 1991 erschienenen Album "Damals hinterm Mond" zählen Element Of Crime zu jener dünnen Schicht wirklich eigenständiger deutscher Gruppen - und schon das allein darf sich das Berliner Quartett in diesen Zeiten kaum unterscheidbarer Gitarrenpopper und Hardrocker als Verdienst anrechnen. Auch der neuen Platte "Weißes Papier", konzeptionell am Vorgänger orientiert, gebührt wieder das Prädikat "very crime-ish". Erneut saß Hausproduzent David Young am Mischpult und das wandelnde Schallarchiv Kurt "Der Pyrolator" Dahlke an den Keyboards. Und wieder schrieb Swen Regener einen Reigen mal ironisch gebrochener, mal rückhaltlos gefühlvoller Texte, die er auch mit einem gerüttelt Maß Theatralik interpretiert. Doch nicht nur wegen dieser eigentümlichen Sprachatmosphäre bietet sich für die elf Songs das Etikett "deutschsprachige Folkrock- Chansons" an. Auch die Arrangements zwischen Melancholie und Heiterkeit sind von frankophil-mediterranem Charakter. Trompete, Posaune und Saxophon tönen mitunter todtraurig wie bei einer herbstlichen Beerdigung, "Mehr als sie erlaubt" hat ein Flair von Zigeunermusik, "Draußen hinterm Fenster" verwandelt sich im Refrain unvermittelt von einer getragenen Ballade in einen Walzer. Durchgängig im Dreiviertelakt hingegen spielt die Band bei "Und du wartest" auf. Zwar trübt die eine oder andere etwas gestelzt geratene Melodie ("Sommerschlußverkauf der Eitelkeit") den guten Gesamteindruck dieses Albums. Aber wer "Damals hinterm Mond" dabei war, der kommt auch mit "Weißem Papier" auf seine Kosten.
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