Als die Francis im Sommer 1715 ihren Heimathafen an der Küste Cornwalls verließ, ahnte keines der 52 Besatzungsmitglieder, dass die gewinnversprechende Reise nach Genua für den Großteil der Crew keine Wiederkehr mit sich bringen sollte. Erst 23 Jahre danach sollte es dem 11jährigen Kabinenjungen Thomas Pellow (dem Neffen des Kapitäns der Francis, John Pellow) gelingen den Weg zurück in die Heimat zu finden. Da hatte Pellow bereits eine faszinierende Lebensgeschichte vorzuweisen und konnte diese zu einem Bericht verarbeiten, der lange Jahre als übertrieben gehandelt wurde. Doch wie Giles Milton beweist haben die Berichte von Konsuln und Zeitgenossen Thomas Pellows dessen scheinbar unglaubliche Geschichte im Nachhinein doch bestätigt.
Somit kann Pellows Geschichte als eindrucksvoller Zeitzeugenbericht eines christlichen Sklavens in Nordafrika gesehen werden, der alle Stufen eines Sklavenlebens ertragen musste. Insgesamt dürfte sich die Zahl der einst in den Sklavenpferchen Marokkos und der Barbareskenstaaten gelandeten Europäer auf eine Million belaufen haben. Unter der Herrschaft Sultan Mulai Ismails gelang es Marokko erstmals zu vereinen und sich von den eher lose organisierten und vom Osmanischen Reich abhängigen Barbareskenstaaten abzugrenzen. Mulai Ismail benutzte seine Sklaven nicht nur zum Bau der größten Palastanlage der Welt, sondern auch als außenpolitisches Druckmittel und Verhandlungsmasse um Waffenlieferungen und Entschädigungszahlungen zu erpressen. Besonders mit der europäischen Waffenhilfe und Versprechungen der englischen Könige sie im Falle eines Waffengangs mit Spanien zu unterstützen waren es womit Mulai Ismail seine Position gegenüber der spanischen Großmacht zu stärken versuchte. Doch selbst Weltmächte die augenscheinlich die Meere beherrschten waren vor den Korsaren von Sale nicht sicher, welche im 17. Jahrhundert sogar schon englische Küsten heimgesucht hatten.
Wie diese Sklaven leben mussten verrät "Weißes Gold" ebenso wie es eine Antwort auf die Frage gibt, warum dir nordafrikanischen Piraten es gerade auf die Besatzungen und nicht die Fracht der im Mittelmeer kreuzenden Handelsschiffe abgesehen hatten. Mit menschlicher Fracht ließ sich fast bedeutend mehr verdienen als mit Truhen von Gold. Das weiße Gold machte es Mulai Ismail möglich sich derart prachtvoller Paläste zu schaffen und seiner Prunksucht zu frönen. Dabei ging er mit seinen Sklaven mehr als fahrlässig um, bei den Bauarbeiten starben ganze Bautrupps durch Unterernährung oder drakonische Strafen. Besser hatten es da scheinbar schon die an bedeutende Mitglieder des Hofstaats oder Kaufleute verkauften Sklaven, wie Thomas Pellow der sich dank seiner schnellen Auffassungsgabe zum Wächter von Mulai Ismails Harem und schließlich sogar eines Truppenführers der Renegaten-Heere emporarbeiten konnte. Doch um die Gunst des Sultans und seiner Schergen zu erlangen mussten sich Sklaven wie Pellow zur Konversion und einer öffentlichen Beschneidung bereit erklären. Selten taten sie das freiwillig, denn meist wurden sie durch Folter dazu gezwungen und waren auch nachher noch schutzlos der Willkür ihrer Herren ausgeliefert. Zudem galten die konvertierten Sklaven nun nicht mehr als Christen, weshalb sie vom Rückkauf durch Vertreter ihrer Heimatländer ausgenommen waren. Die Renegaten galten als Verräter.
Pellows Geschichte mag nur eine von vielen gewesen sein, doch sie ist mit Sicherheit eine der wendungsreichsten und erlaubt tiefe Einblicke in die Lebenswelten christliche Sklaven. Dazu kommt dass Giles Milton die Geschichte Pellows detailreich um die Hintergründe erweitert hat. So erfährt man auch von einer späten Rache der Pellows als Admiral Edward Pellew 1816 die britische Mittelmeerflotte beim Bombardement Aligers anführte und damit die Befreiung von 1000 christlichen Sklaven ermöglichte.
Nun zu Miltons Erzählung. Der britische Publizist versteht sich darauf Geschichte spannend und vor allem sehr plastisch zu erzählen, ohne dabei die historischen Fakten zu vergessen. Milton vereint eine Erzählung des persönlichen Schicksals eines Jungen und heranwachsenden Mannes mit dem von tausenden Sklaven und der Geschichte der Piraterie im Mittelmeer, speziell den Piraten von Sale.
Fazit:
Sehr plastisch und packend erzählte Geschichte.