19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sie strafen uns für unsere Stärke und Unabhängigkeit, 10. Oktober 2003
Rezension bezieht sich auf: Weißer Oleander (DVD)
Handlung (Verraten wird nur was durch Klappentext und Trailer sowieso bekannt ist):
Die 12jährige Astrid lebt allein mit ihrer hochintelligenten Mutter Ingrid in gehobenen Verhältnissen. Eines Morgens erwacht sie durch heftiges Klopfen an der Haustür und erlebt gerade noch wie ihre Mutter verhaftet wird. Die ruft ihr noch zu "Ich bin in einer Stunde wieder da" - leicht verschätzt - Ingrid wird wegen Mordes zu 35 Jahren Zuchthaus verurteilt. Stattdessen erscheint eine Dame vom Jugendamt nebst Polizist. "Du hast 15 Minuten Zeit ein paar Sachen zusammenzupacken" Der Satz lässt ahnen, dass Astrids relativ sorgloses Leben sich nicht unbedingt zum Vorteil verändern wird.
Tatsächlich verschlägt es sie in den nächsten Jahren in mehrere sehr unterschiedliche Pflegefamilien, dazwischen darf sie die gastliche Gemütlichkeit eines staatlichen Jugendheimes "genießen". Anfangs geben ihr nur diverse Besuche bei ihrer Mutter Kraft, doch schnell muss sie lernen deren Lebensphilosophie in Zweifel zu ziehen und auf eigenen Füßen zu stehen. Natürlich begeht sie auf ihrem Weg zur eigenständigen Persönlichkeit einige teils dramatische Fehler - welcher Art diese sind und wo ihr sich langsam ausbildender Charakter im Laufe der Jahre "ankommt" sei hier nicht verraten.
State:
Bereits als ich in grauer Vorzeit den amerikanischen Trailer sah war mir klar, dass ich diesen Film unbedingt sehen wollte, erwartete eine mehr oder weniger düstere Story mit hervorragenden Schauspielerinnen über den Lebensweg eines Mädchens, dass indirekt für ein Verbrechen anderer zu büßen hat.
Und ich wurde absolut positiv überrascht. Der Trailer konnte gar nicht zeigen, was die Atmosphäre des Films wirklich ausmacht. Zwar geht es tatsächlich vordergründig um das "schlimme" Leben einer entwurzelten Jugendlichen, aber darüber hinaus werden Charakterstudien der Spitzenklasse geboten.
Da ist erst mal Michelle Pfeiffer (Schatten der Wahrheit, Scarface) in der Rolle einer übermächtigen, egomanischen, rücksichtslosen und auf ihre Art trotzdem liebenden Mutter, die selbst aus dem Gefängnis heraus noch einen weiteren Mord versucht. Allein schon für die Szene, in der sie im Gefängnis mit einer ahnungslosen Pflegemutter spricht - freundlich, fürsorglich und hilfsbereit für die, gleichzeitig aber manipulierend, ihre Chance suchend, Mord in den Augen, für uns, die wissenden Zuschauer - hätte Michelle Pfeiffer einen Oscar verdient. Sie spielt hier nicht nur wegen dieser Szene definitiv ihre bisher beste Rolle.
Die Pflegemütter werden von Robin Wright Penn (Unbreakable, Forrest Gump), Renee Zellweger (Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück, Chicago) und Svetlana Ebremova - mit der ich bisher keinen Film gesehen habe - gespielt. Alle drei sind hervorragende Schauspielerinnen, die ihre Parts perfekt und glaubhaft rüberbringen.
Eine von ihnen spielt einen Charakter, der das eigene Leben nicht im Griff hat, sich aber trotzdem vier Pflegekinder und einen mit einer anderen verheirateten Mann ins Haus holt. Die trockene Alkoholikerin lehrt Astrid - zum Unwillen Ingrids - die Liebe zu Gott, ihren persönlichen Erretter. In dieser Episode blitzt zum einen auf was im Ernstfall davon zu halten ist (leider darf ich diese Schlüsselszene, die Astrid ein ganzes Stück reifer werden lässt hier nicht verraten), zum anderen, dass auch die anderen Kids ihre Schicksale haben und bereit sind etliches zu akzeptieren. So bittet sie z. B. ihr kleiner (Pflege)bruder in einer weiteren Schlüsselszene "Sag es nicht, sag es nicht" und von ihrer Entscheidung hängt ab ob alle Kids zurück ins Heim müssen oder nicht.
Die Nächste ist eine von Selbstzweifeln zerfressene, von ihrem Mann vernachlässigte Schauspielerin, die sich ein Pflegekind ins Haus holt um nicht so allein zu sein. Hier stellt sich dank fabelhafter Darstellungen nach einer Weile die Frage, wer von den beiden nun die Erwachsene ist.
Der Letzten dann geht es hauptsächlich ums Geld, dass sie mit Hilfe der ihr anvertrauten Mädchen verdienen kann. Kodderschnauzig und realistisch bis zur Schmerzgrenze vermittelt sie trotzdem eine sehr herbe, aber ehrliche Art von Zuneigung.
Jede dieser Frauen prägt den Charakter Astrids ein wenig mehr, die sich im Laufe der Handlung nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich - zum Entsetzen Ingrids - sehr verändert. Von jeder "nimmt" sie etwas mit, denn jede auf ihre Art hat - wie wir alle - Stärken und Schwächen.
Mit Billy Connolly (Ein unmoralisches Angebot, Der blutige Pfad Gottes), Patrick Fugit, Cole Hauser (Tigerland, Pitch Black)) und Noah Wyle (Eine Frage der Ehre, Genug) sind auch die männlichen Rollen gut besetzt, man merkt aber deutlich, dass in diesem Film die Herren der Schöpfung hauptsächlich als unverzichtbares "Beiwerk" und Stichwortgeber fungieren.
Die Rolle der Astrid wurde mit Alison Lohman optimal besetzt. Die ist dermaßen wandlungsfähig, hat eine so grandiose Ausstrahlung, kann sich vor allem aber auch nonverbal perfekt in Szene setzten - ich war begeistert. Und nicht nur ich. Inzwischen drehte sie mit den Spitzenregisseuren Tim Burton (Big Fish) und Ridley Scott (Tricks) zwei weitere Filme - für mich schon jetzt Pflichtkäufe. Wenn sie da genauso gut "rüber" kommt dürfte ihr eine große Karriere bevorstehen.
Vom Regisseur Peter Kosminsky hatte ich bislang noch nie was gehört. Jedenfalls versteht er sein Handwerk. Eine Literaturverfilmung ist immer schwierig, aber in diesem Fall offensichtlich ziemlich gelungen. Jedenfalls gestaltet er die Handlung trotz etlicher Rückblenden und einiger Visionen immer logisch, begeht nicht den Fehler das Drama zusätzlich mit dunklen Bildern zu unterlegen und damit zu überfrachten, sondern konzentriert sich voll und ganz auf die Stärken seiner Schauspieler(innen). Insbesondere bei den letzten 20 Minuten des Films, in denen es in diversen Aussprachen von Mutter und Tochter einige Überraschungen gibt, verzichtet er wohltuend auf unnötig überzogene Reaktionen seiner Protagonisten.
Die DVD:
Das Bild weist keinerlei Schwächen auf, liegt in anam. Widescreen im Verh. 1.85:1 vor. Beim Ton (Deutsch und Englisch DD5.1) werden Genregemäß nicht alle Boxen voll gefordert, ansonsten keinerlei Mankos.
Zu den Extras kann ich z. Z. nichts sagen - Verleihfassung. Sollte sich hier (Kauf-DVD und Buch sind bestellt) etwas wirklich Negatives ergeben werde ich diese Rezension updaten.
Fazit:
Die Geschichte vom Erwachsenwerden unter erschwerten Bedingungen, der Abnabelung von einer übermächtigen Mutter, der ungewollten Möglichkeit in grundverschiedenen Familien heranzureifen - ist wirklich absolut sehenswert. Emotional, aber ohne Tränendrüse - Fantasievoll, aber immer vorstellbar - ein ehrlicher Film ohne überzogenen Pathos, der nach 105 Minuten leider schon zu Ende ist.
Tipp: Mit mehreren Leuten ansehen. Diskussionen sind vorprogrammiert.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Für Leute die das Buch nicht kennen., 21. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Weißer Oleander (DVD)
Ich kannte weder das Buch, noch habe ich etwas von dem Film gehört. Ich sah ihn eher zufällig, als ich nachts beim zappen irgendwie bei ihm hängen blieb. Und ab da hat er mich von Minute zu Minute mehr und mehr gefesselt. Das Schicksal einer Teenagerin, dere Mutter wegen Mordes im Gefängnis sitzt, doch trotzdem ihren Einfluss auf sie ausübt, während sie von Pflegefamilie zu Pflegefamilie zieht, wird von Alison Lohman so fantastisch verkörpert, dass mir die Spucke weg blieb.
Der Film ist sensibel erzählt, besitzt tolle Dialoge, tolle Schaupsieler und tolle Bilder. Auch für Leute zu empfehlen, die sonst nicht auf Dramen stehen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
das buch ist besser, aber ..., 22. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Weißer Oleander (DVD)
... das ist doch meistens (immer?) so.
natürlich könnte ich bemängeln, dass im film vieles sehr schnell geht und einige wichtige passagen des buches vollkommen fehlen - das stimmt auch - doch das liegt meiner meinung nach daran, dass der film einfach eine "normale" länge hat. würde der film - sagen wir mal - ca. 3 stunden gehen, dann wäre er wahrscheinlich perfekt. denn rein schauspielerisch und atmosphärisch ist dieser film top.
die besetzungen wunderbar gewählt, die schauspielerische leistung berührend und die gefühle des buches sehr gut widergespiegelt.
ich weiß nicht, wie jemand diesen film empfindet, wenn er das buch nicht gelesen hat.
aber von mir ganz klar 5 sterne.
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