Achtung: Diese Rezension bezieht sich auf das zwischenzeitlich aus dem Verkehr gezogene Sondermodell "Immobilienhai".
Nachdem ich einem befreundeten Ehepaar erzählt hatte, dass wir uns im Frühherbst wohl einen Pteranodon-Flugsaurierschwarm für den heimischen Walnussbaum zulegen werden, waren die beiden derart begeistert von dieser Idee, dass sie sich für ihr 70er-Jahre-Eigentumshäuschen selbst nach einer vergleichbaren Gartendeko bei Amazon.de umschauten und auch bald fündig wurden.
Vor allem aufgrund des Drängens der gemeinsamen Tochter Jennifer (die bereits ein kleines Aquarium besitzt und Berichten ihres Vaters zufolge zum Spaß Fische aus dem Becken holt, um diese frei nach U.S.-Vorbild zu "airboarden") entschied man sich letztlich also für "Weißer Hai Gartendeko", leider allerdings (das muss man wirklich sagen) für die zwischenzeitlich wieder aus dem Sortiment entfernte Sonderedition mit einer rechteckigen, in den Haikörper eingelassenen Schraubzwinge im Gonopodiumbereich. Diese sollte es ermöglichen den Weißen Hai in der Art eines Blumenkastens mit wenigen Handgriffen von außen sicher an die Balkonwand zu hängen.
Die Platzierung an der Balkonaußenwand wäre die optisch effektivste gewesen, da der Hai dann bereits von der Straße her von weitem sichtbar gewesen wäre. Genannte Sonderedition zur Balkonbefestigung wurde hier bei Amazon.de sinnigerweise unter dem Artikelnamen "Immobilienhai" angeboten und war geringfügig teurer als die Standardversion. Augenscheinlich war "Immobilienhai" identisch mit "Weißer Hai Gartendeko", eben mit dem kleinen Unterschied, dass die Sache einen Haken hatte - wie man das von Immobilienhaien ja gewohnt ist.
Zu dritt (sein anderer, etwas stiller, Freund Kurt war auch mit von der Partie) machten wir uns also daran das Hai-Ungetüm an der Balkonbrüstung zu arretieren.
Während der Schraubzwingen-Befestigungshaken bombenfest im Polyesterharz-Haikörper eingegossen war, entpuppte sich die Stabilität des Hakens als solcher jedoch als unzureichend (nicht gerade "Made in Atlantis"), und das Metallteil begann sich unter der Last des schweren Haikörpers an der Balkonbrüstung sofort zu verbiegen. Mein Freund schrie mich noch an: "Pass auf! Halt fest!" und versuchte selbst noch den Hai an der Schwanzflosse mit bloßen Händen festzuhalten - doch der Immobilienhai war zu schwer und riss sich los; stürzte herab, um sich sein nächstes Opfer zu suchen.
Die aus dem Schwäbischen (oder DDR?) stammende Schwiegermutter meines Freundes, die nach der Trennung von ihrem Mann gegen kleine Miete in die Einliegerwohnung im Erdgeschoss des beschriebenen Hauses eingezogen war, ausgezeichneten Käsekuchen buk und zum denkbar ungünstigsten Augenblick direkt unter dem Balkon auf ihrer frisch gemachten kleinen Terrasse ihr nachmittägliches Teechen mit Gebäck zu sich nahm, war das besagte nächste Opfer des just in diesem Augenblick herabstürzenden Immobilienhais.
Natürlich war das Erlebte für alle Beteiligten schrecklich, ein Schock! Lediglich die Tochter (bzw. Enkelin) reagierte sonderbar kühl & rational auf den plötzlichen Todesfall im engen Familienkreis und spielte, anstatt wie alle anderen zu trauern, für den Rest des Tages mit ihrem Nintendo 3DS, den sie von ihrer Oma vor einiger Zeit "einfach nur so" geschenkt bekommen hatte. - Vielleicht ihre Art den urplötzlichen Oma-Verlust (durch einen mit aufgerissenem Maul voran herabstürzenden Weißen Hai) zu verarbeiten.
Wir trösteten uns damit, dass das letzte was die Schwiegermutter meines Freundes vor ihrem abrupten Ableben an jenem lauen Sommertag noch gesehen hatte, der frisch gemähte Rasen war und die herrlichen bunten Blumen im Garten, bevor es *plopp* ganz plötzlich dunkel um sie herum wurde.
Ihren Organspenderausweis hatte der Hai bei der Einnahme der Patientin leider geshreddert: Scheichs und reiche Russen dürften in diesem Einzelfall also das Nachsehen haben.
Wir hörten noch ein leises (und doch überraschtes) "Haidenai!" aus dem Hairumpf ertönen - dann war es für immer still im Hai. - Dafür Punktabzug.
Die Rücknahme durch Amazon.de klappte problemlos.
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langenscheidt.de klärt auf:
Re·zes·si'on, die; -,-en WIRTSCHAFT wirtschaftlicher Rückgang, konjunktureller Abschwung
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