Bettina Landgrafe entführt uns in ein Land, an das sie ihr Herz vor zehn Jahren verloren hat. Afrika, ein faszinierender Kontinent, den sie uns mit ihrem herzlichen Buch ein Stückchen näher bringt, ohne in romantische heile-Welt-Stimmung zu verfallen. Es ist zwar ihre große Liebe, aber eine Liebe mit vielen kleinen, dunklen Schatten.
Die weisse Nana, Nana Enimkorkor ' die Königin der Entwicklung, wird Bettina ab dem Moment, wenn sie afrikanischen Boden unter den Füßen spürt. Begonnen hat Alles vor 10 Jahren, als sie als Volontärin nach Afrika kam, um Gutes zu tun. Ein löblicher Vorsätz, der jedes Jahr von vielen Menschen gefasst wird. Die Wenigsten haben aber wirklich eine Ahnung, was sie erwartet. Als Kinderkrankenschwester war sie natürlich schon einiges gewöhnt, dennoch schockten sie die Ausmaße der Krankheiten, die in Afrika immer noch weit verbreitet sind.
Glaubwürdig und ehrlich schildert Bettina Landgrafe ihre ureigenen Beweggründe, beleuchtet dabei kurz ihren familiären Hintergrund, der einen großen Teil zu ihrem heutigen Engagement beigetragen hat.
Humorvoll betrachtet sie ihre letzten zehn Jahre, erzählt dabei offen, wie sie von ihrem eigenen Engagement beinahe überrollt wurde und dennoch bis heute alle Zügel in der Hand hält und jedes neue Projekt selbst betreut.
Wirklich positiv empfand ich ihre eigene Art, an neue Projekte heranzugehen. Sie stolziert nicht mit dem prallgefüllten Geldbeutel in bedürftige Dörfer, sondern plant und diskutiert mit den Bewohnern auf Augenhöhe. Sie hinterfragt Situationen und Umstände, analysiert die Bedürftigkeit und schätzt gekonnt ab, ob sich die gewünschten Projekte überhaupt realisieren lassen. Wichtig ist ihr dabei, nach eigenen Aussagen, den Bewohnern nichts aufzudrängen und sie in den Bauprozess aktiv einzubinden. Sie organisiert nur Fachkräfte, die die Bewohner beim Bau unterstützen und natürlich die finanziellen Mittel. Selbst beschreibt sie es so:
'die Menschen hier haben sehr konkrete Vorstellungen von dem, was sie brauchen und was sie wollen. Dazu benötigen sie uns nicht. Sie brauchen einen Partner oder einen Freund, der ihnen hilft, die eigenen Ideen umzusetzen.' (S.43)
Getreu dem Motto 'geht nicht ' gibt's nicht' organisiert sie ein Projekt nach dem anderen. Trinkwasserbrunnen, Sanitäranlagen, Versorgung der Kranken.. es liest sich wie ein kompletter Bauplan einer neuen Stadt, aber genau das soll es nicht sein. Das Leben der Bewohner wird eben nicht komplett auf den Kopf gestellt, sondern insoweit verbessert, als dass es menschenwürdig wird.
'So little done, so much to do' (S. 232)
Die bildhafte Sprache hat es mir unglaublich einfach gemacht, in jeder Situation ein Bild vor Augen zu haben. Zwischendurch fühlte ich mich, als würde ich die Umgebung durch Bettinas Augen sehen, so real und greifbar waren die einzelnen Ausschnitte, die sie zwischen den zahlreichen Informationen einstreute.
Fazit: Für mich ein sehr lehrreiches Buch, das keine falschen Hoffnungen über den wunderbaren Kontinent weckt, sondern ehrlich und glaubwürdig die Probleme schildert ' mit den entsprechenden Lösungsansätzen. Die Liebe zu Afrika und ihren Bewohnern war auf jeder einzelnen Seite deutlich spürbar, kombiniert mit einer interessanten Lebensgeschichte und beeindruckenden Leistungen. Eine Biografie, die wirklich etwas zu sagen hat!