Mir diesem Kriminalroman ist der Autorin (wie auch schon mit dem Vorgänger) etwas ganz Seltenes gelungen: ein ultraspannender Plot in Verbindung mit einer glaubwürdigen und authentischen Protagonistin und einer Location (in diesem Fall die nördlichste Stadt Schwedens), die die perfekte Ausstrahlung für die Handlung hat. Kiruna ist eine typische Industriestadt, alles andere als schön und mit allen sozialen Problemen behaftet, die ein solcher Standort mit sich bringt.
Rebekka Martensson, die Hauptfigur, hat im ersten Band der Reihe aus Notwehr drei Männer in Kiruna getötet. Rechtlich ist sie nicht schuldig, aber moralisch sieht das ganz anders aus. Auch hat sie Probleme, mit ihrem zweifelhaften Ruhm zurechtzukommen, obwohl dieser ihrer Kanzlei eine Menge neuer Klienten beschert hat.
Als sie wieder nach Kiruna reisen muss, um Kirchengemeinden juristisch zu beraten, tut sie dies nur unter Vorbehalt, zu belastend sind die Erinnerungen.
Und dann geschieht ein weiteres Verbrechen, dass Rebekka mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert und der Autorin Gelegenheit zu großartigen Rückblenden gibt.
Eine ermordete Pastorin hängt mit einer Kette befestigt an der Orgel ihrer Kirche. Die Ermittler tappen im Dunklen, bis Rebekka ihnen den Inhalt des Schließfaches der Pastorin zur Verfügung stellen kann.
Die Tote, eine sehr engagierte Feministin ist mehrfach bedroht und verleumdet worden. - Natürlich von Männern.
Dann gibt es einen weiteren Toten und Rebekka fürchtet um ihr eigenes Leben.
Dies alles wird in einer sehr passenden nüchternen, klaren Sprache beschrieben, die ebenso dazu taugt, die psychischen Zustände der handelnden Personen zu schildern wie auch dazu, die beeindruckende schwedische Landschaft glänzen zu lassen.
Wer differenzierte Kriminalromane mag, ist hier goldrichtig.