In meinen Augen wird Dostojewski´s "Weiße Nächte" zurecht als eine der "schönsten Liebesgeschichten der Weltliteratur" vorgestellt.
Ein 27jähriger Mann, der sein Leben als Einzelgänger verbracht hat, trifft eines Nachts auf ein 17jähriges Mädchen, dass weinend und verloren da steht. Die Szene greift sein Herz an und er traut sich sie anzusprechen. Daraufhin verbringen sie 4 Nächte miteinander (ohne jede Erotik ;) ). Mit Gesprächen, die ihre Lebensgeschichte beschreiben, ihre Sehnsüchte zeigen. Letztlich den innigen Wunsch heraufbeschwören, dieses alte, einsame Leben abschließen zu können, weil sie sich begegnet sind und sich nie mehr allein lassen wollen. Er verliebt sich in sie, sie liebt ihn als Freund. Denn ihr Herz ist noch vergeben...
Kurz vorm vermeintlichen Happy End folgt, was folgen muss.... Und zwar in solch einer Eile, das man es nicht fassen mag. Und so lebt er weiter, in einer Trauer - aber ohne jeden Groll, glücklich, dass er ihr begegnen durfte. Seufz.
Dostojewski schafft es auch durch sein sprachliches Ausdrucksvermögen, den Leser von der ersten Seite an zu ergreifen und - für mich fast erstaunlich - bringt in solch eine zarte Lebens- und Liebesgeschichte noch Humor ein, der den Leser schmunzeln und fast glücklich sein lässt.
Trotz des unfassbar einsamen Lebens des Protagonisten beschreibt ihn Dostojewski nie als verkaterten, depressiven und unzufriedenen Mann - im Gegenteil. Man ist zum Schluss der Meinung, dass er es trotz des Schmerzes schaffen wird, weiter ein gutes Leben zu führen. Auf seine Art. Ohne Vorwürfe, man hat das Gefühl hier der reinen Liebe zu begegnen, so naiv sie auch scheint.
Sentimental und doch unsentimental, lieblich und rein, ach - einfach schön.
Für kurze, verregnete Stunden, denn die 108 Seiten kann man in wenigen Stunden schaffen...