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Weißbuch [Gebundene Ausgabe]

Raoul Schrott
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 1 (10. September 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446205403
  • ISBN-13: 978-3446205406
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 15,2 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.135.671 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Das panoramische Gefühl - Raoul Schrotts Gedichte als «Weissbuch» Was unterscheidet den poetischen Kosmopoliten vom Allerweltsdichter? Sein überbordendes Wissen füllt selbst die Lyrikbände, und seinem Werk nähert man sich am besten mit eigener Bibliothek. Raoul Schrott gilt als der österreichische Poeta doctus und ist immer wieder aufs Neue zu verteidigen. Seinen letzten Gedichtband mit dem Titel «Tropen» hat Raoul Schrott dem «Erhabenen» gewidmet. Von dort bis zum neuen «Weissbuch», in dem der Dichter sich des «Heiligen» annimmt, ist es nicht weit. «Steht das Erhabene für einen exponentiell anwachsenden Grad an Realität, gleichsam 10 hoch 10 hoch 10, so steht das Heilige sozusagen für die imaginäre Zahl i.» So liest man es in einem theoretischen Text im «Weissbuch», der den Titel trägt «Über das Heilige, die Jagd und die Frau». Zur Grundausstattung Schrottscher Lyrikbände gehören die reflexiven Zugaben. Das «Weissbuch» eröffnet mit einer mehrseitigen Vorbemerkung, in der die Präliminarien des Themas dargelegt werden. Seinen Band schliesst Raoul Schrott mit einer Art gelehrtem Nachwort ab. Und auch zwischen den Gedichten gibt es reichlich Stoff. Tagebuchartige Notizen geben Auskunft zu Schrotts poetischer Durchreise. Sie fügen die Orte der Gedichte in einen kulturgeschichtlichen Horizont ein – oder sie erwähnen Bedeutsames. Das Wetter, erfährt man aus Frankfurt, ist «eine erste substantiation von transzendenz». In Samarkand heisst es: «wie das schweigen ist das leere eine affirmation, die nur im kontrast gegenständlich werden kann, ein ‹dieses und hier›, ein jetzt, das bleibt, zieht man vom heiligen alles religiöse ab – und sieht auch ab von sich». Ja, so steht es bei Schrott. Die Mottos und ordnenden Überschriften seines Gedichtbandes hat sich Raoul Schrott aus Petrarcas «Trionfi» geliehen. Da gibt es im «Weissbuch» die Zyklen «Triumph der Liebe», «Triumph des Todes» oder «Triumph der Ewigkeit» – und apokryphe, rein Schrottsche Triumphe des Hungers und der Jagd. Was das allegorische Programm der «Trionfi» für das «Weissbuch» wirklich bedeuten soll, bleibt offen. Überhaupt stehen Raoul Schrotts Gedichte in recht zwangloser Beziehung zu ihrem geistesgeschichtlichen Zubehör. Das Heilige – bei Schrott ist es nicht unbedingt über den Verdacht der Eitelkeit erhaben. Die Gedichte im «Weissbuch» sind eine bedeutend leichtere Kost, als es das theoretische Beiwerk weismachen will. Sie handeln von alten lyrischen Passionen wie der Liebe, der Ferne und der Natur. Unbestritten bleibt, dass sich mit allen dreien Epiphanien erleben lassen. Dem Heiligen kommt man damit näher. An Definitionen mangelt es nicht. «So gesehen wäre eine erste Definition des Heiligen, dass es vor Augen führt, was der Photographie fehlt: nämlich das panoramische Gefühl, mitten in einer Landschaft zu stehen.» Im «Weissbuch» sind es dann auch vorzugsweise erhabene Orte, von denen aus das lyrische Ich die Welt in sich aufnimmt. Im Flugzeug oder mit einem Schiff bereist Schrotts poetisches Alter Ego den Erdkreis. Es ist auf Inseln und heiligen Bergen unterwegs. Oder es betrachtet die Elemente durch die Fenster eines Hauses hoch über der irischen Atlantikküste. Die numinosen Orte von Schrotts Expeditionen liegen weit verstreut. Wie in frühchristlichen Itinerarien führt das «Weissbuch» an heilige Stätten, oder es sucht im Profanen nach Transzendenz. Beim sizilianischen Segesta steht man vor einem nie geweihten Tempel, und in Paris vor der Mona Lisa. Auf den Galapagosinseln werden Fregattvögel beobachtet, beim algerischen Tin Haberti Mufflons gejagt. Ob in La Zisa, Berlin oder Samarkand, in Jakarta, Havanna oder Heidelberg – Raoul Schrotts Gedichte lenken den Blick auf ausgewählte Stellen im Kosmos, an denen sich das sonst unsichtbare Heilige zumindest für Augenblicke materialisiert. Am besten ist das «Weissbuch», wo Schrotts Gedichte inmitten des Bildungsstaus plötzlich zu kontemplativer Ruhe kommen. «rehj al-ghar / dagegen war erzstaub und kam in höhlen vor / erhitzt verdampfte er nur / auf den wellen und ihrem licht / jedoch zerfiel sein rauschrot nacht für nacht / zu dem feinkörnigen goldfarbenen pigment / der sonne und den serifen mit denen jede sure hier beginnt». Wenn Raoul Schrott das Heilige in der Leere der Natur beschwört und selbst die Städte so fern wirken wie archäologische Ruinen, dann macht sein gelehrtes Programm auf einmal Sinn. Das Postzivilisatorische dieser menschenfernen Welt schliesst nahtlos wieder an kulturgeschichtliche Frühzeiten an. Doch viel von solch einleuchtender Ruhe gönnt Schrott seinen Gedichten nicht. Denn das «Weissbuch» ist auch eine Proklamation in Sachen Erotik. Man erinnert sich: «das Heilige, die Jagd und die Frau». Das alles ist mythologisch unterfüttert. Die Gedichtzyklen «Szenen der Jagd» und «Wildwochen» sind ineinander verschränkt. In gastronomischer Folgerichtigkeit führt das eine zum anderen. Man mag die Analogie etwas abgeschmackt finden, aber nach dem waidmännischen Werben geht es bei Schrott in den «Wildwochen» zur Sache: «der wind setzte an zum magnificat / kraft dessen dass er wind war · zerrissne schärpen von gischt flatternd im dunkel · mag sein ich tat / alles des tuns wegen nur · tats wie alle: um nicht zu sterben». Die Abende enden mitunter so: «furchen von wind im süden / etwas wie – seele · ein kondom milchig auf dem boden». Wenn die Liebe zu den besten Möglichkeiten zählt, Epiphanien auch physisch zu erleben, dann wirken Schrotts Gedichte gerade hier ziemlich schlicht. Sie sparen nicht mit Klischees und kommen mitunter auch in den gewohnten rhythmischen Langzeilen ins Stolpern. Dann ist die «liebe eine ins leere gehende gebärde / die bis in den morgen eine gegenwart beschwörte / welche uns nicht zuliess weil sie nur bittstellern gehörte». Mysterium tremendum? Eher nicht. Hier fährt Schrott gerade das Heilige gegen die Wand. Paul Jandl

Pressestimmen

"Schrott schraubt sich mit Leichtigkeit durch zeitgeschichtliche und sprachliche Ebenen ..." Thomas Kraft, tageszeitung, 16.10.2004

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
ja, Ja, JA! 26. Februar 2011
Von Leserin
Format:Gebundene Ausgabe
...diese Gedichte haben für mich etwas Prosanahes. Den Versuch einer Annäherung an das Heilige finde ich sehr spannend - auch mutig als Thema. Sehr schöne Aufmachung des Bandes. Einige der Gedichte (v.a. die weniger intellektuellen gehören für mich zu den besten von zeitgenössischer Lyrik überhaupt!
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