Dass akademische Würden heute kein Garant für ein ernstzunehmendes und ausgewogenes Urteil sind wird einem bei lesen des Vorwortes quälend verdeutlicht. In larmoyantem Tonfall wird auf den ersten 3 Halbseiten achtmal angemahnt, dass es der selbstverständlich kritischen" Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte bedarf (gähn).
Dabei fällt auf, dass der Vorwortschreiber offensichtlich selbst nur zu einem einseitigen kritischen Blick in der Lage ist und dieser durch die ideologischen Vorgaben des heutigen Zeitgeistes sowohl beschränkt als auch getrübt ist.
Wie eine Pflichtübung bundesdeutscher Vergangenheitsbewältigung mutet es an wenn er von der burgenähnlichen Architektur vieler kolonialer Wehrbauten mit einer rhetorischen Frage einen Bogen zu Krieg und Völkermord schlägt. Oder was sonst sagen uns die martialischen Wehrbauten....?"
Viel könnten sie uns sagen, wenn man für die damaligen Zeit- und Lebensumstände offen wäre. Z.B. über das harte Leben der Schutztruppler, wie damals militärische Zweckbauten angelegt wurden oder darüber, dass zu Ende des 19. Jahrhunderts der Historismus in der Architektur noch seinen Niederschlag fand.
Auch die Feststellung, dass alte Reiseberichte nur eine Renaissance erleben, weil das Publikum Unterhaltung ala Indiana Jones" sucht, sagt viel über die Borniertheit des Autors, der sich offenbar nicht vorstellen kann, dass es ein breites Publikum gibt, das zum Zwecke eines privaten Studiums sein Wissen bevorzugt aus Quellen von Zeitzeugen bezieht, anstatt sich von ideologisierten Laien die Geschichte gegen den Strich bürsten zu lassen.
Natürlich darf bei einer kritischen" Auseinandersetzung der Missbrauch der Kolonial-geschichte durch die Propaganda der Nazis nicht unerwähnt bleiben, wie das schlimme Wort Kolonialpioniere" suggerieren soll.
Nazis hin, Propaganda her - was spricht dagegen diese Menschen Kolonialpioniere zu nennen? Menschen, die ohne Reiserücktrittsversicherung dem Idealismus ihrer Zeit folgend oder von den Nöten ihres Schicksals getrieben in ein fremdes Land auswanderten, um dort ihr Glück zu suchen? Die ohne Sozialversicherungssysteme in einer feindlichen Umgebung jahrzehntelang harte Kultur- und Aufbauarbeit leisteten? Vielleicht weil dieses Wort im Zusammenhang mit den amerikanischen Pionieren positiv konnotiert ist und es für Deutsche in ihrer Geschichte vor 1945 keine positiven Aspekte geben darf ?
Wie dem auch sei - das Vorwort ist eine Zumutung, der restliche Text halbwegs erträglich und bemüht sich zumindest um Objektivität, kann sich aber von den üblichen Vorurteilen und Einseitigkeiten leider nicht lösen.
So wird z.B. von einer von den Händlern bewusst erzeugten Alkoholabhängigkeit der Eingeborenen berichtet. Dass dies gezielt geschah darf angezweifelt werden, aber zumindest sollte der Ausgewogenheit halber die Tatsache erwähnt werden, dass die deutsche Verwaltung dieses Problem schon früh erkannte und versuchte dem haltlosen Alkoholkonsum Einhalt zu bieten.
Auch erscheinen manche Bildinterpretationen sehr phantastisch und folgen wohl eher dem Prinzip reim dich oder ich fress dich", um klischeehaft diejenigen Vorurteile zu bedienen, die sich aus den Bildern nicht wie selbstverständlich erschließen.
3 Sterne für die Bilder, welche eine Fundgrube darstellen und von Kennern der Materie auch ohne Text richtig einzuordnen sind.