Der Roman beginnt verwirrend, wirkt verworren, um dann nur noch bestechend zu sein: Anfangs irritiert Autor Malcolm Knox in "Sommerland" dadurch, dass der Ich-Erzähler Richard teils in der Gegenwart denkt, sich dann erinnert, in der Vergangenheit erzählt - um dies erneut gegenwärtig zu kommentieren. Was so als Verwirrspiel beginnt, wird innerhalb kürzester Zeit zum Spannungsspiel.
Gespickt mit ironischen und teils fast garstigen Kommentaren, aus dem Englischen von Eva Fensch übersetzt, erinnert sich Richard an die gemeinsame Zeit mit drei Menschen, mit denen er sein Leben verbrachte: Puppa, seine Frau, Hugh, sein bester Freund, und Helen, dessen Ehefrau. Er selbst ist leer und verbittert, allein mit sich und der Vergangenheit sitzt er in seiner Wohnung in der Bucht von Sydney und stellt das, was er einst als Paradies betrachtete, beschönigend in Frage. Sein Seelenleben und sein Leben stellen eine Gratwanderung dar, die greifbar ist und Leben heißt - mit allen Tiefen und widersinnig logischen Abgründen, den Fassaden einer vermeintlich heilen Welt, die nur durch Lüge und Selbstlüge zusammengehalten wurde.
Intrigen, Neid und Gier beherrschten die Beziehung des Quartetts. Als Privilegierte der australischen Gesellschaft leben sie ihre seltsame Abgründe aus, geschaffen aus verwirrenden Miteinander, Sorglosigkeit und Langeweile, Leid und Lust zugleich, wie auch aus ihren eigentümlichen Charakteren voller Leidenschaft und düsteren Trieben. Geschickt spricht Malcolm Knox mit dem Leser, voller Witz und Zynismus berichtet er von einer unendlich traurigen Geschichte, die so gar nicht traurig wirkt, sondern seltsame Vertrautheit mit jeder dieser Personen birgt, gleichgültig wie niederträchtig, gierig und verbittert sich diese zeigen: Puppa mit ihrer verrückten und egozentrischen Verliebtheit, Hugh mit seiner falschen Lust und Helen mit ihrer unerschütterlichen und blinden Liebe zu Hugh. Außen vor steht Richard, mit der sich selbst auferlegten Blindheit und der Erkenntnis um die Falschheit ihrer Spiele in einem kämpfend: Er weiß von Anfang an um die Affäre seiner Frau und seines bestens Freundes. Er beobachtet das Spiel, sieht die unbeholfenen Umgangsformen der drei anderen, ist amüsiert von der Dummheit der betrogenen Ehefrau, erschüttert von der Unbekümmertheit seiner eigenen Gattin und überrascht von sich selbst, ob seiner seltsamen Liebe zu seinem Freund, die letztlich aus Vergangenheit besteht, aus einer gemeinsam verbrachten Kindheit und einem eigenwilligen Verstehen um die Gefühle des anderen. Er berichtet von dem Tod seiner Frau und seines Freundes in einer bitteren Leichtigkeit, die so zynisch wirkt, dass der Leser sich des Lachens schämt - oder es zumindest eigentlich sollte...
Scharfsinnig, erschreckend ehrlich und enthüllend macht Malcolm Knox "Sommerland" zu einem unglaublich überraschenden und packenden Roman, den man nicht mehr aus der Hand legen möchte, bis er sein wieder neu irritierendes Ende nimmt!