Der Aufruf zur Eigenverantwortung und Selbsthilfe ist - berechtigter Weise - aus der gesundheitspolitischen Diskussion nicht mehr wegzudenken. Ein Teil dieser Selbsthilfe hat sich, wie in Deutschland üblich, in Vereinen engagiert und leistet dabei eine wichtige Arbeit durch Information und Beratung von Betroffenen sowie den Erfahrungsaustausch und der Hilfe bei der Krankheitsverarbeitung. Dabei zeigt sich, dass die - früher häufiger geäußerte - Skepsis von Fachverbänden hinsichtlich der Stichhaltigkeit der dabei zu vermittelnden Informationen meist ebenso unberechtigt ist wie die Sorge insbesondere hinsichtlich der Regressivität von Selbsthilfegruppen offensichtlich irrig ist.
So seien „therapeutische Effekt" auch für Selbsthilfegruppen bei neurotischen Erkrankungen und seelischen Problemen nachweisbar. Mitglieder der Selbsthilfegruppen scheinen mehrheitlich Mut, Zuversicht und soziale Kompetenz zu erlangen, so Jürgen Matzat, Dipl.-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut und Leiter der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen in Gießen. Unter bestimmen Voraussetzungen (z.B. hinreichend lange Teilnahmerdauer) hätte sich mit Hilfe psychologischer Testverfahren sogar Besserung gezeigt. So konnte auch in diesem Bereich beobachtet werden, dass Fachleute in psychosomatischen Kliniken und in psychotherapeutischen Praxen ihre Patienten vermehrt dazu ermutigen, sich nach stationären oder ambulanten psychotherapeutischen Behandlungen einer Selbsthilfegruppe anzuschließen.
Dies scheint sich offensichtlich auch positiv auf Partnerschaften auszuwirken und kann auch unter dem ökonomischen Aspekt offensichtlich deutliche Einspareffekte erzielen, so dass es - auch auf der administrativen und politischen Ebene - ganz offensichtlich billiger ist, Selbsthilfegruppen zu fördern, als sie nicht zu fördern.
In diesem Sinne hat Matzat einen Wegweiser sowohl für betroffene Laien wie professionelle Helfer erstellt, in dem die eben beschriebenen grundlegenden Fragen, allerdings unbelastet jeder Quellenarbeit und leider auch ohne Register beantwortet sind. Dabei nimmt ein umfangreicher Adressenanteil von Selbsthilfe Kontaktstellen fast ein Drittel des Umfanges ein. Als Wegweiser soll dies Betroffenen Mut machen und Fachleute zu Kooperation und Unterstützung einladen, ein Anliegen, dass Matzat eingehend vermittelt.
Dr. med. H. Schaaf