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5.0 von 5 Sternen
ein würdiges literarisches Denkmal, 15. Dezember 2005
Nur wer mit der Rezeptionsgeschichte der „Weissen Rose“ vertraut ist, dem war auch der Name Josef Furtmeier (1887 – 1969) geläufig. Nun darf man mit Fug und Recht behaupten, dass – neben Theodor Haecker und Carl Muth - auch der Autodidakt Josef Furtmeier zu den Mentoren von Hans Scholl, dem charismatischen, politischen und strategischen Kopf der „Weissen Rose“, zählt.Sönke Zankel und Christine Hikel haben die bislang verschollenen Briefe von Josef Furtmeier mustergültig editiert. Und der sensible Leser kann die Kraft nachempfinden, die von Furtmeier ausging. Immer wieder verdammt der tief gläubige Christenmensch Furtmeier den angepassten Kurs, den die bischöflichen Würdenträger gegenüber der Obrigkeit, in diesem Falle Adolf Hitler, einschlagen. Furtmeiers Schwermut äußert sich in Sätzen wie: „Gott hat die Welt verlassen und überlässt dem Bösen das Feld. Hier ist der Quell unserer Trauer.“ Oder: „Das Religiöse kommt ja nicht mehr als Pneuma, als über alles hinweg tragende Gewalt und Kraft zu uns.“ Und an Weihnachten 1940: „Diese Welt wird wirklich vom Teufel beherrscht.“ Im Januar 1943 klagt er: „Man kann das leere Gerede der Prediger gar nicht mehr hören. Niemand sieht es, dass Gott mit Flammenschrift schon an alle Wände sein Zeichen schreibt!“ Furtmeier an Weihnachten 1943: „Christus ist doch auch unser Sohn. Er muss doch nach des Weltapostels Wort in uns von neuem geboren werden. Das ist doch der höchste Sinn der Christnacht!“ Diese spirituellen Einsichten Furtmeiers erinnern an den Brief, den Hans Scholl an Weihnachten 1941 an seinen Mentor Carl Muth gerichtet hatte: „Ich bin erfüllt von der Freude, zum ersten Mal in meinem Leben Weihnachten eigentlich und in klarer Überzeugung christlich zu feiern. (…) Eines Tages ist dann von irgendwoher die Lösung gefallen. Ich hörte den Namen des Herrn und vernahm ihn. (…) Mir ist in diesem Jahr Christus neu geboren." Immer wieder entfaltet Furtmeier seine personalistische Sicht der Religion: „Nur die Religion, die an den Wert der Einzelseele glaubt, kann diesen furchtbaren Ring, der sich (…) um die Menschheit der Zukunft legt, zerbrechen.“ Im Mai 1945 durfte Furtmeier jubeln: „Sie sind weg! Sie sind fort! Der Orkus hat sie verschlungen!“ Und erstmals erwähnt er in diesem Brief seine Freunde von der „Weissen Rose“: „Es hat so lang gedauert und war so schwer! Das Jahr 1943 weißt Du! Hans Scholl, seine Schwester, Christl Probst, Prof. Huber und die Andern, liebe Freunde- alle tot, alle fort – gemordet! Als wären sie nie gewesen! 6 Tage nach Hans Scholls Tod wurde auch ich verhaftet.“ Verbittert schreibt Furtmeier im Juli 1946: „Eine ganz charakterlose Rolle spielt der Katholizismus, der aus Angst vor den Kommunisten die Nazis noch für das geringere Übel hält und deren Geistliche Atteste am laufenden Band ausstellen, um Nazis zu retten.“ Ein paar Wochen später empört sich Furtmeier: „Die offiziellen Vertreter des Christentums und der angeblich festen Grundlagen der Sittenlehre sind charakterlos. Den gegenwärtigen Papst halte ich für einen Opportunisten und leeren Schwätzer. Er sehnt sich, wie es scheint, mit dem ganzen Kardinals-Kollegium inständig nach Mussolini zurück. Sie haben nie die Liebe und Gewalt Christi innerlich erfahren, sie haben nur Kirchentum propagiert.“ Im Dezember 1946 fordert Furtmeier: „Es wäre an der Zeit, sich darüber Rechenschaft zu geben, wie sich denn die offiziellen Träger der Kirche dem Nazitum gegenüber verhalten haben und ob nicht etwa sie es gewesen sind, die dem Teufel den Zugang ermöglicht haben.“ Resigniert schreibt er in diesen Tagen: „Alle aktiven Nazis sind nach Bayern geflohen…“ Die vorliegende Edition seiner Briefe ist ein würdiges literarisches Denkmal für den gebildeten Mentor, den streitbaren Zeitgenossen und den ungebeugten Christenmenschen Josef Furtmeier. Sein Denken und Handeln spannte sich aus zwischen diesen beiden Polen: „Militarismus ist die wahre Religion der Deutschen“ – „Das Christentum ist noch immer ein Geheimnis.“
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