Es ist schon ein Gewinn, was Al Gore in seinem Buch darlegt, um so enttäuschter registrierte ich dann, wie er sich auf der politischen Bühne etwa in Sachen Klima verhielt oder auch gezwungen war sich zu verhalten. Die ersten 150 Seiten zur Situation auf unserem Planeten fand ich recht interessant, insbesondere wegen einiger Daten, die mir so bislang auch nicht bekannt waren. Wichtig auch sein Hinweis, die ökologische Krise ist eine des menschlichen Geistes. Nicht so überzeugend fand ich die Konsequenzen, die er aus der entstanden globalen Situation zieht, da bleibt er mir zu allgemein. Man muß viel genauer die Problematik sich anschauen, wo die Belastungsgrenzen unserer Planeten liegen. Ich glaube, es ist nicht mehr hinnehmbar, daß man sich nicht klar macht, die Unwägbarkeiten u.a. unseres Klimasystems lassen grundsätzliche Veränderungen in unserer Art des industrialistischen Expansionismus geboten erscheinen. Es ist überhaupt zweifelhaft, ob wir mit dem heutigen Massenfaktor an Ressourcen und Energie auch in einer stark abgespeckten Variante durchkommen. Die starke zeitliche Verzögerung und das starke Bevölkerungswachstum, wenn auch stärker in den armen Regionen in der Welt sprechen dagegen. Zudem leisten wir uns ein Wirtschaftssystem, daß in seiner Funktionsweise das Prinzip des Nimmersatt voraussetzt. Leider ist es so, daß viele Umweltautoren sich dem Marketing-Prinzip verschreiben, mit ökologischer Effizienz u.a. argumentieren, was ja nicht falsch ist, aber den Blick verstellt, für tieferliegende Konflikte, die damit erst mal aus der Aufmerksamkeit herausfallen. Etwa Herbert Gruhl hat ja kritische Gegenfragen in seinem letzten Buch dazu sich geleistet, natürlich reicht einfach nur der Schnitt durch die Destruktivität der modernen Zivilisation nicht aus, das Weglassen jeglicher Schönfärberei. Gerade auch Al Gores Buch macht darauf aufmerksam, man könnte auch andere Autoren hier jetzt nennen, wie z.B. Ulrich von Weizsäcker, es wäre ein Dialog zwischen den unterschiedlichen ökologischen Richtungen unbedingt geboten. Ein Versuch dazu ist die Publikation: „Wege zur ökologischen Zeitenwende" von Franz Alt, Rudolf Bahro und Marko Ferst. (2001) Es wäre wünschenswert wenn dies in welcher Form auch immer, auch anderswo Schule machen würde. Die Überwindung der ökologischen Krise ist ein zu wichtiges Anliegen, als das man Einseitigkeiten sich einnisten lassen darf. In jedem Fall bleibt Al Gore zu wünschen, daß er der nächste Präsident der USA wird, vielleicht schafft er es ja doch.