Neue Zürcher Zeitung
Zurück zu Plato
lx. Hans-Georg Gadamer gehört, obwohl er heuer sein hundertunderstes Lebensjahr vollenden wird, gewiss nicht in die Abteilung der mit Säuselworten zu feiernden «Jubelgreise». Überhaupt ist da von Betulichkeit nichts, hingegen viel an Einsicht und philosophischer Welthaltung. Ein Teil dieses geistigen Gerüsts verdankt sich der immer wieder erneuerten Beschäftigung mit dem Grundbestand griechischen Denkens, insbesondere mit den platonischen Dialogen. Dennoch hat Gadamer nie eine Plato-Monographie veröffentlicht. Doch bedeutet das nicht, dass er in seinen Schriften nicht immer wieder zu Plato zurückgegangen wäre. Die fünf Plato-Aufsätze, die zwischen 1973 und 1988 gleichsam als Gelegenheitsarbeiten entstanden sind, mussten bisher im sechsten und im siebten Band von Gadamers «Gesammelten Werken» nachgeschlagen werden. Nun sind sie in einem kleinen Reclam-Bändchen vereint, das sich, vielleicht, wie eine nachgereichte Plato-Monographie lesen lässt. Gadamers Blick auf Plato hat sich über die Jahrzehnte freilich verändert. Dieser Perspektivenwechsel lässt sich lesend nachvollziehen, wenn man auf den ersten Aufsatz über die «Unsterblichkeitsbeweise in Platos Phaidon» (1973) gleich die Studie über «Plato als Porträtist» (1988) folgen lässt.
Kurzbeschreibung
Hans-Georg Gadamer hat in glänzenden, viel gelesenen und umfassend rezipierten Aufsätzen maßgeblich zur modernen Plato-Interpretation beigetragen. Fünf davon hat der Philosoph in seinem 101. Lebensjahr für diesen Band ausgewählt und mit einem Vorwort versehen: Die Unsterblichkeitsbeweise in Platos "Phaidon" - Idee und Wirklichkeit in Platos "Timaios" - Unterwegs zur Schrift? - Platos Denken in Utopien - Plato als Porträtist.