Bevor "eine Clique, die sich Regierung nennt" (der Regierende Bürgermeister von Berlin-West, Willy Brandt, am 14. August 1961) den Strom von täglich bis zu 4000 Flüchtlingen aus dem Osten in den freien Teil Berlins durch den Bau der Mauer am 13. August 1961 stoppen konnte, hatten schon mehr als drei Millionen Menschen die sowjetische Zone und spätere DDR Richtung Westen verlassen Aber auch nach der hermetischen Abriegelung der innerdeutschen Grenze gelang es noch Zehntausenden, oft unter Lebensgefahr, zu flüchten.Vielfach erhielten sie dabei professionelle Hilfe aus dem Westen. Burkhart Veigel, ein promovierter Arzt, 1961 Student an der Freien Universität in Berlin-West, hat über seine Tätigkeit als "Fluchthelfer" in den Jahren 1961 bis 1970 diesen spannend geschrieben Tatsachenbericht vorgelegt. Nach eigenen Angaben haben Dr. Veigel und seine Freunde ungefähr 650 Ost-Deutschen zur Flucht in den Westen verholfen, mit falschen Pässen, im Versteck eines Cadillacs, durch Tunnel in Berlin oder mit Tricks, die der Staatssicherheitsdienst niemals entschlüsseln konnte. Als Humanist und Arzt, so schreibt der Autor, wollte er Menschen helfen, die nicht länger bereit waren, in der Diktatur zu leben. Die Diktatur selbst habe er mit seinen Möglichkeiten nicht bekämpfen können. Burkhart Veigel fügt seinen Berichten über erfolgreiche Fluchtaktionen, aber auch über die Stasi-Spitzel in den eigenen Reihen, noch einen wichtigen Satz zum Nachdenken an. "Wenn es heute noch Menschen gibt, die die DDR verklären wollen, kann das nur damit zusammenhängen, dass träumen schöner ist als denken."