Wege in die Dunkelheit - ein Vampirroman. Der viel versprechende Titel, mangelnder Lesestoff und nicht zuletzt ein großes Interesse am Fantasy-Genre haben mich dazu bewogen, dieses Werk von Jeanine Krock zu kaufen.
Die knapp zweihundert Seiten überraschen zunächst mit einem recht kleinen Schriftgrad, dessen Lesbarkeit man seinen Augen erst einmal antrainieren muss. Der Lesegenuss wird leider weiter durch mehr oder weniger häufig auftauchende Rechtschreibfehler und grammatikalische Ungereimtheiten gemildert.
Als Ganzes betrachtet wirkt das Buch auf mich, als wäre sein Inhalt zerbrochen und wieder zusammengesetzt worden - mit einigen Schönheitsfehlern: Im Laufe der Erzählung räumt die Autorin mit den „Legenden" oder Produkten „menschlicher Verblendung" über das Wesen der Vampire auf und ersetzt die freigewordenen Charaktereigenschaften mit Eigenkreationen. Diese sofort zu akzeptieren ist nicht ganz einfach. Die auftretenden Personen haben zumeist einen derart einnehmenden und komplexen Charakter eingehaucht bekommen, dass zum einen der Platz im Buch nicht ausreicht, um die geweckte Neugier zu befriedigen und sich zum andern der Eindruck aufdrängt, die Rolle der Hauptperson würde von Szene zu Szene herumgereicht. Generell sind die Abschnittswechsel meist scharf geschnitten und wirken manchmal gezwungen. Zu guter Letzt kristallisiert sich mit dem Schwinden der ungelesenen Seiten eine dunkle Bedrohung heraus, deren Vernichtungsanleitung den Helden der Jahrhunderte leider kommentarlos und ohne größere Erklärung von der Autorin in die Hände gelegt wird.
Jeanine Krock versteht es jedoch hervorragend, Situationen zu erschaffen, die sich während des Lesens beinahe anfassen lassen. Ebenso regt sich über den Roman hinweg immer der Wunsch, mehr von den überall versteckten Geheimnissen und Mysterien zu erfahren und die fortschreitende Handlung heimlich zu verlassen um abseits des roten Fadens eigene Erkundungen anzustellen oder einfach nur das Lebensgefühl der 80er Jahre aufzunehmen und zu genießen.
Ich rate also keinesfalls von der Lektüre dieses Buches ab. Wenn man sich in die Obhut der Romanfiguren begibt, ihnen folgt und sich von ihnen durch die Geschichte „verführen" lässt, steht dem eigenen Weg in die Dunkelheit nichts mehr entgegen...