Niklaus Brantschens Buch ist sehr hilfreich für Menschen, die sich auf den spirituellen Weg begeben wollen, die in unserer lärmenden Welt Stille suchen und den Raum betreten möchten, der hinter allem Rationalen liegt, den Ort der Begegnung mit Gott.
Sitzt man gesammelt da und achtet auf den Atem, erfährt man, dass die Stille im Grunde immer da ist. "Es ist wie bei einem See: Wenn ich nicht darin wühle und keine Steine hineinwerfe, glättet er sich, und ich sehe bis auf den Grund. Stille schafft Klarheit."
Im Stillsein liegt eine wunderbare Macht der Klärung, der Reinigung und der Sammlung auf das Wesentliche. Durch die Stille, durch die Besinnung, bekommen wir eine neue Weltsicht.
Doch die Welt der Stille (ähnlich der Erleuchtungswelt des Zen-Buddhismus) kann man mit dem Aufenthaltsort auf der Spitze eines hohen Berges vergleichen. Bleibt man dort, entfaltet man keine Aktivität, um anderen menschlichen Wesen zu helfen. Es ist wichtig, dass man in der Stille nicht verharrt, in der Innerlichkeit stecken oder an der Erleuchtungserfahrung hängen bleibt, sondern sich der Welt stellt. Damit der Weg der Stille vollständig ist, muss deshalb dem Aufstieg der Abstieg folgen, die Innerlichkeit muss sich äussern, sonst betreiben wir eine selbstgefällige Nabelschau.
Der Sinn eines spirituellen Weges ist es, beide Welten, d.h. die Welt der Stille und die Welt der Betriebsamkeit, als eine einzige zu erfahren und weder im Betrieb noch in der Stille aufzugehen. Unser Ziel ist es, die Weltstrasse zu befahren und zu begehen aber zugleich in der Stille zu wohnen. Man muss in der Stille "tanken", um sich in der äusseren Welt als hilfsbereiter Mensch den Aufgaben des Lebens stellen zu können.
Niklaus Brantschen bereichert sein Buch mit vielen Zitaten anderer Autoren, die sich mit dem Thema Stille/Kontemplation ebenfalls befassten, so dass man Lust bekommt, auch ihre Bücher zu lesen. So lernt man z.B. einige Gedichte von Rainer Maria Rilke, Rose Ausländer, Silja Walter, Silvia Ostertag, Max Bolliger, Christian Morgenstern u.a. kennen, und man erfährt auch einiges über Ignatius von Loyola, Johannes vom Kreuz, Angelus Silesius, sowie über Graf Dürckheim, Dietrich Bonhoeffer, Daniel Hell u.a.
Das stille und zarte Gedicht von Silja Walter, "Lied der Armut" (S. 70), hat mir besonders gut gefallen.
Zum Schluss möchte ich noch ein Zitat von Thomas Merton beifügen, das in Niklaus Brantschens Buch gut passen würde:
Aktion ist die Liebe, die sich nach aussen wendet, an andere Menschen. Kontemplation ist die Liebe, die es nach innen zieht, zu ihrem Göttlichen Ursprung. Aktion ist der Strom, Kontemplation die Quelle.