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Fetjaine setzt in seinem Roman auf Historizität. Dabei macht er aber nicht den Versuch, Merlins Leben historisch zu rekonstruieren. Vielmehr nutzt er die tatsächlichen Verhältnisse im Britannien des 6. Jahrhunderts als Setting für die fiktive Geschichte seiner Hauptfigur. Denn Merlin wächst als Barde in einem Land auf, das in eine Unzahl kleiner Königreiche zerfällt und von Schotten, Pikten, Iren, Sachsen und einer Vielzahl anderer Stämme bedroht wird. Bündnisse wechseln ebenso schnell wie das Schlachtenglück. Gwendoleu, der Großkönig der Briten, dessen Gefolgsmann Merlin ist, fällt dem Intrigenspiel mitsamt seiner Armee zum Opfer. Nur Merlin überlebt, was er geheimnisvollen Wesen - Elfen? - zu verdanken hat. Doch was ihn sonst noch mit diesen Wesen verbindet, das beginnt Merlin erst allmählich zu ahnen.
In den ersten Kapiteln will leider noch keine rechte Spannung und Atmosphäre aufkommen. Hier steht die historische Recherche noch zu sehr im Vordergrund, und die Protagonisten erwachen noch nicht zum Leben. Das ändert sich allmählich, und spätestens bei der sehr realistischen Darstellung der Schlacht, in der Gwendoleus Armee ausgelöscht wird, hat Fetjaine seinen Leser gepackt. Mit den Merlin-Geschichten, die man so kennt, hat Der Weg des Magiers wenig zu tun. Der Roman ist ein stimmungsvoller Mix aus keltisch angehauchter Fantasy und frühmittelalterlicher Geschichte mit einem ungewöhnlichen und faszinierenden Merlin. Das macht neugierig auf die Fortsetzung, die eben in Frankreich erschienen ist. --Simon Weinert
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Keltische Kalamitäten um den Magier Merlin,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Weg des Magiers: Roman (Taschenbuch)
Haben sie nun real existiert oder nicht? Sie?: Artus, Großkönig der Briten, und Merlin, sein Magier. Jean-Louis Fetjaine, der selbst Mediävistik studierte, beantwortet diese Frage so: „Ich habe mich bemüht, die Figuren, die am Ursprung dieser Legende standen, aufzuspüren und sie wieder in den wirklichen Kontext ihrer Epoche einzuordnen." Kontext der Epoche heißt 5./6. Jh. nach Christus. Der französische Fantasyautor entledigt sich dabei der im Hochmittelalter hinzugefügten christlich-höfischen Ideale eines Geoffrey of Monmouth oder Chretien de Troyes. Und er ordnet die Figur des Merlin chronologisch nach der des Artus ein, „was das herkömmliche Bild des alten Zauberers, der den jungen König (...) erzieht, infrage stellt." Zudem glaubt Fetjaine, dass die legendäre Gestalt des Königs Artus nicht auf einen einzelnen dux bellorum zurückgeht, sondern aus Versatzstücken mehrer historischer Kriegsführer zusammengefügt ist. „In gewisser Weise gilt für Merlin das Gleiche, da sich die Person aus der Artussage aus zwei oder drei historischen Merlins zusammensetzt." In „Der Weg des Magiers" bleibt Merlin freilich eine Einzelperson: der kindliche Barde des Königs Guendoleu von Kumbrien. Seine Mutter ist Aldan, Königin von Dyfed; sein offizieller Vater war Aurelius Ambrosianus, genannt Artus („der Bär"), verstorbener Rhiotam (= Hochkönig) der Briten. Zu Romanbeginn begleitet Merlin seinen Herrn ins nördliche Königreich Strathclyde, wo König Riderich herrscht. Ein Bündnis aller britischen Regenten soll geschmiedet werden, von Kaledonien bis Cornwall - unter einem starken Herrscher. Denn: Aus den Highlands kann jederzeit eine Invasion der Pikten beginnen, einem Volk martialisch tätowierter Ureinwohner. Im Westen des heutigen Schottlands haben sich gälisch-irische Eindringlinge festgesetzt, die Dal Riada. Und die ganze Osthälfte Albions (= England) steht bereits unter Herrschaft der germanischen Angeln, Sachsen und Jüten. Die britischen Kelten werden also gleich von drei Seiten her bedroht. Gelingt keine Allianz der untereinander verfeindeten Kleinkönigreiche, droht der Untergang. Während der königlichen Ratsversammlung in Strathclyde übergibt Aldan den royalen Torques (= Halsreif) ihres verstorbenen Gemahls Aurelius Ambrosius an Guendoleu von Kumbrien, der somit neuer Rhiotam aller Briten ist. Doch auf der Heimreise gerät Guendoleu in einen Hinterhalt und wird getötet. Merlin gelingt die Flucht samt dem Torques. In einem Wald, von dem es heißt, Elfen würden darin wohnen, nimmt er aus dem Augenwinkel seltsame Gestalten wahr und erhält ein fein gewirktes Moirégewand geschenkt, das seinen Körper auf schier magische Weise vor der Kälte des Winters schützt. Der junge Barde scheint mysteriöse Beschützer zu haben. Der französische Autor hat für die Erzählung um den Magier Merlin ein Trilogie geplant. Mit einem anderen literarischen Dreiteiler: „Vor der Elfendämmerung", „Die Nacht der Elfen", „Die Stunde der Elfen" hat der Franzose sich bereits in die Herzen der Fantasyfans hineingeschrieben. Dass dabei immer wieder Vergleiche mit J.R.R. Tolkiens Ringzyklus aufkommen, scheint unvermeidbar, aber nicht ganz stichhaltig. Thematisch mag es zwischen beiden Autoren ja Ähnlichkeiten zuhauf geben, stilistisch unterscheiden sie sich alle mal. Tolkien setzte auf feinen Humor und poetische Sprache. Wenn schon ein Vergleich, dann vielleicht mit Marion Zimmer Bradleys „Die Nebel von Avalon" „, zumal Fetjaines Elfentrilogie zeitlich vor der Avalon-Erzählung gut hineinpasst und der nunmehrige Merlin-Dreiteiler danach. Wie bei Zimmer Bradley kommen auch bei Fetjaine die Missionare schlecht weg. Columban oder Kentigern intrigieren hinter den Kulissen „zur höheren Ehre Gottes". Gewährt Fetjaine im zweiten Band Merlin das Recht zur Rache an Aedan und Riderich? Wird Merlin gar König, er, das „Kind des Teufels", ein Halbelf? Wie entwickelt sich seine Liebe zu Guendoloena, Schwester des Riderich und nunmehrige Frau des Aedan? Man darf gespannt sein, was aus dem Zauberkessel des Autors an keltischen Kalamitäten so alles überbrodelt ... Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fantasy-Rausch,
Rezension bezieht sich auf: Der Weg des Magiers: Roman (Taschenbuch)
Der Historiker Fetjaine hat gründlich recherchiert, uralte Quellen herangezogen, die meisten namhaften Figuren in diesem Buch sind in irgendwelchen historischen Quellen erwähnt, und seine Story um Merlin ist perfekt in dieses historische Konstrukt eingefügt. Sehr gelungen ist das Eindringen des Christentums in die Glaubenswelt der Drei Mütter und das Aufeinanderprallen von Mönchtum und Druidentum – Aedan und Riderch etwa spielen die bekehrten Heiden, weil ihnen das politischen Nutzen bringt, und auf der Insel Môn vermischen sich christliche Bräuche mit heidnischen Ritualen.Fantasy-Elemente sind sparsam eingesetzt, es gibt keine bunten Zaubertricks, und wo Merlin etwas durch Zauberkraft erreicht, geschieht das passiv und ohne dass er es verstehen würde. Und genauso sind diese Dinge beschrieben: Flüchtig, niemals klar umrissen, teilweise beiläufig in die Beschreibungen eingeflochten, bleiben diese widernatürlichen Augenblicke stets schwammig und unwirklich. Das Finale in den Hügeln von Preseli in der „Nacht der Toten“ ist grandios, ein Rausch des Übernatürlichen, der über Merlin hereinbricht, einfach nur fantastisch in Worte gekleidet. Eine weitere Stärke dieses Buches ist das Schaffen von Atmosphäre. Gleich die ersten Beschreibungen von Dun Breatann, die die verschwommen-verwunschene Stimmung des Coverbildes von F.B. Regös wiederzugeben scheinen, entführen den Leser in die raue, geheimnisvolle und bedrohliche Welt, in der diese Geschichte spielt. Ob unbedarfte Liebesnacht, königliches Festgelage, blutiges Gemetzel oder Flüchtlingselend, immer findet der Autor die richtigen verspielten, krassen oder bewegenden Formulierungen. Sehr gelungen sind ebenfalls die Darstellungen der verschiedenen Charaktere, für dich sich Fetjaine viel Zeit lässt. König Aedan erweist sich nicht nur als kriegerischer Führer und hinterhältiger Vertrauensbrecher, sondern wird in Guendoloenas Gegenwart zum unbeholfenen verliebten Jungen. Bruder Blaise sorgt immer mal wieder mit seiner Art und seiner Plumpheit für ein Schmunzeln, ist aber schwer zu durchschauen – ist er wirklich um Merlins Wohl besorgt oder will er nur den Torques heil nach Dyfed bringen? Guendoloena macht eine Wandlung vom Naivchen zur verantwortungsvoll denkenden Frau durch. Und bei Merlin geht der Autor so sehr in die Tiefe dieses Charakters, dass man beinahe körperlich mit dem Jungen leidet, wenn er in der Schlacht von bärigen Männerleibern umspült wird oder sich auf hoher See verloren fühlt, man kann seine Kaltblütigkeit nachvollziehen angesichts der Vergewaltigung einer jungen Frau und fühlt mit ihm, wenn er weint oder verängstigt ist. Fetjaine ist hier ein großartiges Charakterportrait gelungen, stimmig von vorne bis hinten und mit sorgfältig ausgewählten Worten beschrieben. Eiskalte Intrigen, große Gefühle, gnadenlose Schlachten, Trostlosigkeit, Verzweiflung, unergründbare christliche Glaubensvertreter, ausgeprägte und nachvollziehbare Charaktere, sowie ein wohldosierter Hauch von Magie vor historisch weitgehend verbürgter Kulisse, fügen sich zu einem sehr spannenden, allerdings auch sehr brutalen Gemisch aus historischem und Fantasy-Roman zusammen, den ich nur ungern aus der Hand gelegt habe – irgendwann muss man schlafen und den Alltag bestreiten. Nichts für Kinder! Gewalt, Blut, Sex, trostlose Grundstimmung und schonungslose Beschreibung von Kriegselend machen dieses Buch zu einem eher für Erwachsene geeigneten Roman, der fesselt und mitreißt. Auf den zweiten Teil, „Merlin im Elfenwald“, bin ich nun mehr als gespannt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Neuinterpretation anhand realer Fakten,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Weg des Magiers: Roman (Taschenbuch)
"Der Weg des Magiers" stellt sich Anfangs für den Leser als ein wenig schwierig dar. Jeder hat bereits in seinem Kopf eine Variante der Artus-Sage festgesetzt und man erwischt sich dabei leicht, Bücher die diese Legende beleuchten aufgrund der eigenen Meinung zu lieben oder zu verteufeln.Jean-Louis Fetjaine hat jedoch entgegen der geläufigen und überwiegend in die Köpfe festgebrannten Artus-Legende versucht, diese anhand der geschichtlich bekannten Fakten zu erzählen. Er benutzt hierbei eine erfundene Geschichte um den sagenumwobenen Merlin, der in diesem Buch jedoch nicht mehr allzu viel mit Artus zu tun hat. Sobald man sich von der im Kopf eingebrannten Legende trennt und sich bereitwillig auf die Darstellungsweise des Autors einlässt, entsteht ein extrem interessanter frühmittelalterlicher Plot, der mit seinen Intrigen und dem langsam in den Vordergrund kommenden Jüngling Merlin zu überzeugen weiß und sich hinter keinem anderen Buch dieser Art verstecken muss. Man merkt jedoch auch, das es sich hierbei um den ersten Band einer Trilogie handelt. Fetjaine hält sich lange bei dem Aufbau dieser Zeit und den Zusammenhängen zwischen den Personen auf. Dies soll jedoch nicht abwertend klingen. Im Gegenteil: Dadurch taucht man sehr viel intensiver in die Geschichte ein. Außerdem schafft es der Autor, diese Gegebenheiten in einer sehr überzeugenden und glaubhaften Art und Weise zu erzählen - womit das Interesse beim Leser bestehen bleibt. Den Spannungsbogen baut Jean-Louis Fetjaine sehr geschickt zum Ende des Buches auf und man ist sichtlich enttäuscht, wenn die letzte Seite erreicht ist und der zweite Band nicht bereit liegt. Nachdem ich Anfangs allein schon aufgrund des Titels an einen Fantasyroman dachte, werde ich dies nun revidieren und das Buch als historischen Roman betrachten. Sicherlich ist die Geschichte erfunden, aber bei welchem historischen Roman ist das nicht? Ich bin sehr gespannt, ob sich das zweite Buch auch in meine Hände verirrt und würde mich auf jeden Fall sehr darüber freuen. Kurz gesagt: Eine komplett neue Interpretation der Artus-Legende aber gleichzeitig eine sehr intensive Betrachtung des frühen Mittelalters auf der Insel. Absolut empfehlenswert. JS/19.11.04 Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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