Pressestimmen
Nichts lässt Bettina von Kleist ungefragt. Sie hat gebohrt, Langzeitstudien studiert und Fachleute konsultiert. Herausgekommen ist so ein bewegendes, ein kluges Buch über die große Bandbreite unterschiedlicher Lebensmodelle im Umgang mit dem Ruhestand und dem Alter. Denn hier gibt es keinen Einheitsbrei von »so machen Sie es richtig und so falsch«. Hier erwarten den Leser oder die Leserin keine Ratschläge, keine gutgemeinten Tipps, sondern lebendige und offene Schilderungen über eine Zeit, die mittlerweile länger ist als Kindheit und Jugend zusammen. Und die daher genauso ihre »ups« und »downs« mit sich bringt, ihre Veränderungen, ihre guten und schlechten Seiten. Von jeder lesen wir in Bettina von Kleists Buch. (Deutschlandradio Kultur)
Eine leicht zugängliche und informationsreiche Auseinandersetzung mit den Konsequenzen, die das Rentenalter für Paare haben kann. Durch die weit gefächerten Erfahrungen der Interviewten entsteht ein anschauliches Bild der Freuden, aber auch vielgestaltigen Probleme, die der Ruhestand für Paare mit sich bringen kann. Wer seine Partnerschaft auch im Alter wohltuend gestalten will, findet bei Bettina von Kleist überzeugende Anregungen und unaufdringliche Ermutigung. (Psychologie heute)
Eine leicht zugängliche und informationsreiche Auseinandersetzung mit den Konsequenzen, die das Rentenalter für Paare haben kann. Durch die weit gefächerten Erfahrungen der Interviewten entsteht ein anschauliches Bild der Freuden, aber auch vielgestaltigen Probleme, die der Ruhestand für Paare mit sich bringen kann. Wer seine Partnerschaft auch im Alter wohltuend gestalten will, findet bei Bettina von Kleist überzeugende Anregungen und unaufdringliche Ermutigung. (Psychologie heute)
Kurzbeschreibung
Ersehnt und gefürchtet zugleich: Der Wechsel vom Berufsleben in den Ruhestand. Gewohnte Abläufe im Alltag sind plötzlich hinfällig, freie Zeit ist im Überfluss vorhanden - doch was fängt man mit ihr an? Nicht selten brechen jetzt Konflikte auf und werden Paare in ihrem Verhältnis zueinander noch einmal auf den Prüfstand gestellt: Wie viel Anpassung verlangt die ungewohnt enge Zweisamkeit - und wie viel Distanz? Was trägt die Partnerschaft, wenn alte Rollen nicht mehr gelten? Wie sollen gesundheitliche und finanzielle Einschränkungen bewältigt werden? Bettina von Kleist befragte Paare, wie sie mit diesen Herausforderungen umgehen. Lebensnah beschreiben sie, wie sich in der neuen Lebensphase Ehe und Beziehungen wandeln. Daneben hat die Autorin Langzeitstudien und repräsentative Umfragen ausgewertet und macht so, ergänzt durch die Aussagen von Fachleuten, auf Probleme aufmerksam - aber auch auf die Chancen, die der neue Freiraum Ruhestand für Paare bietet.
Der Verlag über das Buch
Wie der Eintritt in den Ruhestand die Beziehung verändert - Erfahrungen und praktische Gestaltungsvorschläge.
Über den Autor
Jahrgang 1949, Studium der Theaterwissenschaften, Psychologie und Amerikanistik, freie Journalistin und Mitarbeiterin überregionaler Zeitungen, schreibt vorrangig über psychologische Themen. Sie hat zwei erwachsene Söhne und lebt von ihrem Mann getrennt in Berlin. Bücher im Ch. Links Verlag: »Mein Mann liebt einen Mann. Wie Frauen das Coming-out ihres Partners bewältigen«, 2003; »Wenn der Wecker nicht mehr klingelt. Partner im Ruhestand«, 2006.
Auszug aus Wenn der Wecker nicht mehr klingelt. Partner im Ruhestand von Bettina von Kleist. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Die Stimme meiner Freundin klingt empört. Bei einem Fest
wurden sie und ihr Mann in größerer Runde begrüßt - »und
was denkst du, was die Gastgeberin sagte?« Kein Wort darüber, was die zwei
beschäftigt, interessiert, beruflich getan und erreicht haben. Stattdessen
wurden sie im Doppelpack vorgestellt:
»Beide sind nun im Ruhestand.«
Keine Frage: Wir rücken auf. Mehr und mehr schränkt sich
die Haarfarbe meiner Generation auf drei Grundtöne ein: grau,
weiß und hennarot. Immer häufiger träufeln in unsere Gespräche
Themen, die bisher nur die anderen betrafen: Rente,
Krankheiten, die Wohnung im vierten Stock ohne Fahrstuhl.
Ohne zu verschnaufen, erklommen wir noch vor kurzem die
68 Stufen und witzelten über den offensichtlich fehlerhaften
Zwischenbescheid der BfA.
Die magischen 50: Eben noch Hürde, jetzt schon Erinnerung.
Beschwichtigungen würzten Geburtstagsreden. Auf den Tanzflächen
zu den ersten 60er-Jubiläen ein einheitliches Bild: drei
Viertel Frauen, ein Viertel Männer. Nackte Arme zeigen, dass
das Abo in Fitness-Studios sich lohnt. Im Skiurlaub wächst die
Langläufer-Fraktion. Immer schwerer sind die Koffer gefüllt
mit dem Medikamenten-Set für alle Fälle und Dingen, auf die
man auch woanders nicht verzichten will.
Die Umständlichkeiten nehmen zu; gesundheitliche Einschränkungen
kommen näher. Immer deutlicher schälen sich
Wesenszüge heraus. Nun, kurz vor der Rente oder schon im
(Vor-)Ruhestand, gabeln sich noch einmal die Wege, auch zwischen
Eheleuten. Und erstaunlich häufig werden nach Trennung
und Scheidung aus Jugendfreundschaften späte Lieben.
Umtriebiger denn je stürzt sich Ulrich mit 61 in immer neue
Projekte, will die »restliche« Schaffenskraft maximal ausschöpfen. Laut
Statistik habe er noch etwa 14000 Mahlzeiten
vor sich - da wolle er nie mehr schlecht essen, ist eines der
Ziele von Roland. Ehedem las er einen Krimi nach dem anderen.
Doch wofür soll er sich jetzt belohnen, seit keine Korrekturen
von Klassenarbeiten mehr auf ihn warten?
Edith hat mit 62 noch ihr Abitur gemacht. Fürs Grab studieren?
Diese Frage stellt sich für sie nicht. Lernen erfüllt sie.
Und: Je mehr sie außer Haus ist, desto geringer die Gefahr,
dass ihr Mann und sie aneinander prallen.
Ein spannender Lebensabschnitt. Im Zeichen des wehmütigen
»Noch«, dann wieder voller Auftrieb, ist er oft weit entfernt
vom beschaulichen Lebensabend, der für manche eine
erstrebenswerte Idylle, für andere eine Drohung bedeutet.
Über ein Thema entlang der eigenen Lebenslinie zu schreiben,
schärft das Gehör für Zwischentöne, aber auch das Bewusstsein,
wie unterschiedlich wir Gleiches wahrnehmen. Je älter
wir werden, desto unbeirrbarer rechnen wir eigene Erfahrungen
hoch und stülpen sie anderen über. Angeblich Bewährtes
lässt manche Partnerschaft im Ruhestand ersticken. Andere
Ehen zerbrechen an der atemlosen Jagd, Versäumtes nachholen
zu wollen.
Chronische Unachtsamkeit kann nun nicht mehr nur mit
Zeitnot entschuldigt werden und beschleunigt die Entfremdung.
Aufmerksame Gesten, die sorgfältigere Unterscheidung,
was wichtig ist und was nicht, fachen dagegen die Liebe wieder
an.
Goldene Lebensregeln will dieses Buch nicht geben. Der Einblick,
wie andere die unausweichliche Zäsur erleben, gestalten
und meistern, hilft Paaren und ihren Angehörigen vielleicht,
Klippen zu umschiffen, und stiftet sie zu Gesprächen an.
»Oft sind es genutzte Mußestunden, in welchen der Mensch
das Tor zu einer neuen Welt findet«, philosophierte der amerikanische
Autor George M. Adams. Das Ende der Berufstätigkeit
könnte dafür eine gute Gelegenheit sein.
Berlin im Januar 2006,
Bettina von Kleist.
wurden sie und ihr Mann in größerer Runde begrüßt - »und
was denkst du, was die Gastgeberin sagte?« Kein Wort darüber, was die zwei
beschäftigt, interessiert, beruflich getan und erreicht haben. Stattdessen
wurden sie im Doppelpack vorgestellt:
»Beide sind nun im Ruhestand.«
Keine Frage: Wir rücken auf. Mehr und mehr schränkt sich
die Haarfarbe meiner Generation auf drei Grundtöne ein: grau,
weiß und hennarot. Immer häufiger träufeln in unsere Gespräche
Themen, die bisher nur die anderen betrafen: Rente,
Krankheiten, die Wohnung im vierten Stock ohne Fahrstuhl.
Ohne zu verschnaufen, erklommen wir noch vor kurzem die
68 Stufen und witzelten über den offensichtlich fehlerhaften
Zwischenbescheid der BfA.
Die magischen 50: Eben noch Hürde, jetzt schon Erinnerung.
Beschwichtigungen würzten Geburtstagsreden. Auf den Tanzflächen
zu den ersten 60er-Jubiläen ein einheitliches Bild: drei
Viertel Frauen, ein Viertel Männer. Nackte Arme zeigen, dass
das Abo in Fitness-Studios sich lohnt. Im Skiurlaub wächst die
Langläufer-Fraktion. Immer schwerer sind die Koffer gefüllt
mit dem Medikamenten-Set für alle Fälle und Dingen, auf die
man auch woanders nicht verzichten will.
Die Umständlichkeiten nehmen zu; gesundheitliche Einschränkungen
kommen näher. Immer deutlicher schälen sich
Wesenszüge heraus. Nun, kurz vor der Rente oder schon im
(Vor-)Ruhestand, gabeln sich noch einmal die Wege, auch zwischen
Eheleuten. Und erstaunlich häufig werden nach Trennung
und Scheidung aus Jugendfreundschaften späte Lieben.
Umtriebiger denn je stürzt sich Ulrich mit 61 in immer neue
Projekte, will die »restliche« Schaffenskraft maximal ausschöpfen. Laut
Statistik habe er noch etwa 14000 Mahlzeiten
vor sich - da wolle er nie mehr schlecht essen, ist eines der
Ziele von Roland. Ehedem las er einen Krimi nach dem anderen.
Doch wofür soll er sich jetzt belohnen, seit keine Korrekturen
von Klassenarbeiten mehr auf ihn warten?
Edith hat mit 62 noch ihr Abitur gemacht. Fürs Grab studieren?
Diese Frage stellt sich für sie nicht. Lernen erfüllt sie.
Und: Je mehr sie außer Haus ist, desto geringer die Gefahr,
dass ihr Mann und sie aneinander prallen.
Ein spannender Lebensabschnitt. Im Zeichen des wehmütigen
»Noch«, dann wieder voller Auftrieb, ist er oft weit entfernt
vom beschaulichen Lebensabend, der für manche eine
erstrebenswerte Idylle, für andere eine Drohung bedeutet.
Über ein Thema entlang der eigenen Lebenslinie zu schreiben,
schärft das Gehör für Zwischentöne, aber auch das Bewusstsein,
wie unterschiedlich wir Gleiches wahrnehmen. Je älter
wir werden, desto unbeirrbarer rechnen wir eigene Erfahrungen
hoch und stülpen sie anderen über. Angeblich Bewährtes
lässt manche Partnerschaft im Ruhestand ersticken. Andere
Ehen zerbrechen an der atemlosen Jagd, Versäumtes nachholen
zu wollen.
Chronische Unachtsamkeit kann nun nicht mehr nur mit
Zeitnot entschuldigt werden und beschleunigt die Entfremdung.
Aufmerksame Gesten, die sorgfältigere Unterscheidung,
was wichtig ist und was nicht, fachen dagegen die Liebe wieder
an.
Goldene Lebensregeln will dieses Buch nicht geben. Der Einblick,
wie andere die unausweichliche Zäsur erleben, gestalten
und meistern, hilft Paaren und ihren Angehörigen vielleicht,
Klippen zu umschiffen, und stiftet sie zu Gesprächen an.
»Oft sind es genutzte Mußestunden, in welchen der Mensch
das Tor zu einer neuen Welt findet«, philosophierte der amerikanische
Autor George M. Adams. Das Ende der Berufstätigkeit
könnte dafür eine gute Gelegenheit sein.
Berlin im Januar 2006,
Bettina von Kleist.