...endlich ist es passiert: ASP haben eine Single veröffentlicht die auch tatsächlich auf ein neues Album zusteuert und eben was dieses kommende Album betrifft, kommen hier mehr neue Fragen auf als beantwortet werden: sie sind eben eine Novel Band, und wie bei einem guten Buch eine Leseprobe allenfalls Lust auf mehr macht, verhällt es sich auch immer mit einer neuen ASP Single: sie mag gefallen oder nicht, aber erst im Kontext wird sie lebendig und der steht noch aus... aber kommen wir zum produkt selbst:
1. Wechselbalg ist ein selbst für die neueren ASP Veröffentlichungen ausgesprochen rockiger Song: selten wurde ein ASP Song so stark von mehreren über einander gelegten Gitarrenspuren getragen. Ein Song, der inhaltlich viele kleine Schlaglichter wirft auf das, was da geschichtlich auf uns zu rollen mag, und musikalisch keine größeren Experimente macht: eingängig, textlich einprägsam und mit wenig Überraschungen aufwartend auf der sicheren Seite bleibend. 4,5 von 5 Sternen
2. Anders Angstkathedrale: hier setzt man auf lange, getragene, düstere instrumentalparts, Strophen, die jeweils wie ein andauerndes düsteres Mantra über einen hinwegrollen und eine bedrohliche, erdrückende, erstickende Stimmung generieren, genau, wie es die darauf hervorragend abgestimmten Lyrics tun. Ein Song, der mit seinen 12 Minuten Laufzeit fürchterlich nerven kann, wenn man ihn sich so nebenbei oder in der falschen Stimmung anhört. Mit einer guten Anlage und der erforderlichen Zeit ist es ein neues Meisterwerk, was das Wecken düsterer Stimmung angeht. Noch nie war die von einem Protagonisten selbst heraufbeschworene und liebevoll gepflegte, zum eigenen Gefängnis verdichtete Angst so bedrohlich in Musik und Wort gefasst. Neben den düsteren Elektroparts, mit denen der Song eingeleutet wird, gibts aber auch hier bald eine starke Verdichtung von Gitarrenwänden, die ordentlich rumpeln.. 5 von 5 Sternen
3. Der erste Bonus-Songdie Coverversion von Ougenweide bald anders dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Im ASPiversum stellt sie einen Anknüpfungspunkt an das Thema der Single Wechselbalg und das Zyklusthema fremd dar, sowie musikalisch nochmal einen Hüpfer insfolkrrockighe Zauberbruderthema: Rocksounds mit Flöte unterlegt mit dezenten Keybords, auf jeden FAll ein muss für jeden fröhlich gestimmten Internetradiosender der auf schalkhafte Mittelaltermukke setzt. Wegen der liebevollen Umsetzung dennoch 3 von 5 Sternen und für echte Fans des Genres von heute: beim Original des Songsbleiben oder diesen entdecken!!!
4. Dancing frühe akustische Version: ohne jede Wertung muss hier jederfür sich entscheiden, was er davon hällt, eine live aufgenommene, nicht nachbearbeitete Demoversion aus dem Jahr 1995 zu hören, vier Jahre, bevor es mit ASP wirklich an den Start ging. Technisch, vor allem gesangstechnisch eigentlich nicht wirklich genießbar, dazu noch der Song, der musikalisch wie inhaltlich überhaupt nicht auf das erste ASP Album gepasst hat und noch nie mein Favorit war. Ohne die elektronische tatsächlich zum tanzen einladende Elektrofraktion ist der Song für mich jedenfalls absolut uninteressant, der Schmunzler, wie so eine Band mal angefangen hat, ist zwar nett gemeint und macht einem Fan wie mir kurzzeitig freude, anhören mag ich ihn mir aber nicht all zu oft...
der Kern der Single sind die beiden neuen Songs, die sind wirklich auf ihre jeweilige Art großartig. Der Drang zu noch härterer Gitarre ist allerdings offensichtlich und selbst mir als auch Metalfan fehlen ein wenig ausgefeilte elektronische, vielschichtige Sounds. Aber nach all dem Bangen und den Wechseln erfreulich: ASP bleiben dennoch ASP und öffnen kurz das Portal in eine neue Welt... und sie könnte eine würdige Nachfolgerin zum dunklen Turm werden. Ich freue mich darauf.