In den Massenmedien wurden in den letzten Jahren viele Berichte über Weblogs, Podcasting und artverwandte Themen veröffentlicht. Von einigen löblichen Ausnahmen abgesehen hatte die Berichterstattung aber oftmals damit zu kämpfen, dass die Redakteure sich nicht hinreichend mit dem Thema auseinandergesetzt hatten. Oftmals beschränkte sich die Berichterstattung darauf die jeweils aktuellen Hypethemen kurz anzuschneiden, ein paar Buzzwords in den Raum zu werfen und das ganze mit ein paar gehaltlosen Phrasen von den Kollegen anzureichern - Nutzwert für den interessierten Leser nahezu null. Nur einer verschwindend kleinen Minderheit von Autoren kann man wohl guten Gewissens Kompetenz und Authentizität beim Thema Internet bescheinigen. Dazu gehört neben Janko Röttgers, Mercedes Bunz und Mario Sixtus auch Moritz Sauer. Dieser hat mit seinem Onlinemagazin Phlow schon Erfahrungen im Netz gesammelt, lange bevor das Thema Weblogs und Podcasting auf dem Radar der Massenmedien aufgetaucht ist und parallel dazu in relevanten Printmedien wie dem Computermagazin c't und dem Magazin für elektronische Lebensaspekte De:Bug lesenswerte Artikel veröffentlicht.
In seinem zweiten Buch "Weblogs, Podcasting und Online-Journalismus" wird dieser Themenkreis auf gewohnt praktische Weise angegangen. Die primäre Zielgruppe ist auch hier wieder der netzaffine Kulturschaffende, der sich die neueren technischen Entwicklungen für seine Projekte zunutze machen möchte ohne sich dabei mühsam durch das Meer an zerstreuten Informationsfragmenten des Netzes kämpfen zu müssen.
Nach einem kurzen Vorwort in dem ein Überblick über die Vielfalt der Webloglandschaft gegeben wird, geht es direkt auf den ersten paar Seiten mit 'hands on'-Informationen zur Sache. Die Installation des seit Jahren an Popularität gewinnenden frei verfügbaren Weblogsystems Wordpress wird mit allen technischen Einzelheiten erläutert, gefolgt von einer Führung durch die Web-Schnittstelle mit der die Inhalte und das Aussehen der Website verwaltet werden. Wenn der Leser dann sein eigenes Weblog-System aufgesetzt und nach seinen Wünschen konfiguriert hat tritt als nächstes das Thema der Vernetzung auf die Tagesordnung. Als Weblog-Autor möchte man ja gewöhnlich keine isolierte Insel im Netz sein, sondern mit anderen Weblog-Autoren und seinen Lesern in Kontakt treten. Die dafür relevanten Technologien wie Kommentare, Trackback, Pings, Permalinks und Newsfeeds werden erläutert und somit steht einer gut funktionierenden Kommunikation nichts mehr im Weg. Wer neben der Grundfunktionalität des verfassens von Weblogeinträgen noch Zusatzfunktionalität wünscht, der erfährt auch wie er beispielsweise Fotos des Bilderdienstes Flickr, Filmclips des Videoportals YouTube oder Links aus der Lesezeichenverwaltung del.icio.us einbinden kann.
Im zweiten Teil des Buches wird die Produktion und Distribution eines Podcastes erläutert. Hierbei beschränkt sich der Autor nicht auf einzelne Teilaspekte sondern erläutert sowohl die benötigte Hardware (Mikrofon, Soundkarte), die Verwendung der plattformübergreifend frei verfügbaren Software Audacity für den Audioschnitt als auch die Einbindung in die bestehende Webloginstallation. Das dabei auch Themen wie Raumakustik, Mikrofonständer und Poppschutz nicht ausgespart werden, zeigt dass der Autor auf diesem Gebiet praktische Erfahrung vorzuweisen hat.
Der dritte Teil des Buches richtet sich an Autoren, welche ihr Weblog weniger als persönliches Informationsmedium oder Promotionswerkzeug für ihre Projekte sondern eher als publizistisches Medium nutzen möchten. Die Texte sind dadurch naturgemäß eher an inhaltlichen als an technischen Aspekten orientiert. Die Recherche und der Aufbau von Nachrichten werden erläutert und mit Tipps zum verfassen von Musikkritiken hat der Autor augenzwinkernd auch seine jahrelange Erfahrung als Musikjournalist in dem Buch untergebracht. Als technische Themen in diesem Teil werden der Aufbau eines (X)HTML-Dokumentes, die Aufbereitung von Bildmaterial für das Netz und die Optimierung der Website für Suchmaschinen erläutert.
Da man sich im Internet ja nicht in einem rechtsfreien Raum bewegt und in den vergangenen Jahren leider eine steigende Zahl von Advokaten das Netz als lukrative Einnahmequelle entdeckt hat gibt der vierte Teile des Buches einen Überblick über die rechtlichen Aspekte von Weblogs und Podcasts. Die Koautorin Laura Dierking erläutert wichtige Themen wie die Impressumspflicht, das Urheberrecht, Persönlichkeitsrechte und Haftung für fremde und eigene Inhalte.
Das Buch bietet insgesamt einen gelungenen praktischen Einstieg in das Thema Weblogs und Podcasts, wobei der Autor mit seiner charakteristischen Mischung aus lockeren Seitenhieben und fundierten Fachinformationen den Leser motiviert sich den Themen zu nähern und so eine solide Basis für das eigene Engagement schafft. Empfehlung!