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Webers Protokoll [Gebundene Ausgabe]

Nora Bossong
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

23. Februar 2009
Konrad Weber ist stellvertretender Leiter des deutschen Generalkonsulats in Mailand, 1943 eine scheinbar friedliche Enklave, die ihn vor der nationalsozialistischen Diktatur und dem Krieg schützt. Beim Einmarsch deutscher Truppen in Italien wird ihm der im diplomatischen Dienst unerfahrene, weit jüngere Parteischnösel Palmer vor die Nase gesetzt, der das Konsulat bis unter das Dach nazifizieren soll. Palmer entdeckt Unstimmigkeiten in den Rechnungsbüchern, die in die Verantwortung Webers fallen. Dieser hat für den Bau einer Deutschen Schule bestimmte Gelder in der Schweiz auf eigene Rechnung angelegt. Geschäftsmann Wendler, ein dubioser Bekannter von Weber, hilft ihm nicht ohne eigenen Vorteil aus der verfahrenen Situation und vermittelt ihm ein riskantes Geschäft: Weber soll unter dem Schutz seines diplomatischen Status Verfolgten des faschistischen Regimes falsche Pässe und Visa beschaffen. Eine gefährliche Aufgabe. Als er 1944 vor einer drohenden Verhaftung gewarnt wird, setzt Weber sich in die Schweiz ab. Anfang der Fünfzigerjahre versucht Weber wieder in den diplomatischen Dienst zu kommen. Er stößt jedoch auf unerwartete Widerstände. Mit seinem Passhandel hat er zwar eindeutige Widerstandshandlungen geleistet. Doch ist sein Lebenswiderspruch, dass er aus eigennützigen Motiven gehandelt hat.
Der Romanerstling von Nora Bossong Gegend (FVA 2006) wurde von der Kritik als eine der wichtigsten Neuerscheinungen der vergangenen Jahre gefeiert. Nun legt die junge Autorin ihren zweiten Roman vor, Webers Protokoll: Eine junge Erzählerin rekonstruiert mithilfe eines alten Diplomaten Webers Vergangenheit. Entstanden ist ein kunstvoll über mehrere Zeitebenen konstruierter, spannender Roman über einen deutschen Diplomaten unter Hitler und in einem Nachkriegsdeutschland, in dem jeder das Vergangene vergessen machen will.

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Webers Protokoll + Gegend + Sommer vor den Mauern. Gedichte
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 283 Seiten
  • Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt; Auflage: 1., Aufl. (23. Februar 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3627001591
  • ISBN-13: 978-3627001599
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,4 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 552.262 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Komponiert mit den Spannungsmomenten eines Krimis, dem Erkenntnisanspruch philosophischer Fragestellungen, mit historischer Akribie und psychologischem Spürsinn, lässt sich dieser beeindruckende Roman doch auf keines dieser Momente reduzieren. Webers Protokoll ist ein Buch, dem man Beachtung über einen literarischen Frühling hinaus wünscht." (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Über den Autor

Nora Bossong, geboren1982, lebt in Berlin und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Stipendium der Stiftung Niedersachsen und dem Bremer Autorenstipendium. Für ihren Debütroman "Gegend" erhielt sie das Leipziger Literaturstipendium und das Prosawerk-Stipendium der Jürgen-Ponto-Stiftung.

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Kundenrezensionen

3.3 von 5 Sternen
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Interessantes Thema, leider verschenkt 1. April 2013
Format:Gebundene Ausgabe
Ich lese gern und viel, aber selten habe ich mich durch ein Buch so hindurch gequält wie durch diese "Opus".

Überambitioniert und - unter Rückgriff auf von anderen Schriftstellern schon besser eingesetzte Techniken - überkonstruiert erzählt, vermögen weder die Geschichte eines Mitläufers noch der Protogonist selbst, ein ausgeprägter willensschwacher Hypochonder, der nur um sich selbst kreist, den Leser zu fesseln und zu interessieren.

Wenn an anderer Stelle von fesselnden Krimielementen der Handlung die Rede ist, in diesem Buch habe ich nichts davon gefunden.

Mit den ständigen Zeitspüngen und dem funkelnden Wortgeklingel kaschiert die Autorin, die sich durchaus gut auszudrücken versteht, lediglich, dass sie die zugrundeliegenden Materie wenig recherchiert hat und ihr Buch letzthin nur auf einem Fragment, einem Ansatz einer Idee, beruht.

Dabei ist das Thema an sich - das Verhalten eines Mitläufers bzw. der sogenannten "echten Diplomaten" im Dritten Reich, die es über Seilschaften dann verstanden haben, sich wieder in den diplomatischen Dienst zurückzumogeln und ab den 50er Jahren die neue Bundesrepublik repräsentiert haben - durchaus interessant und wäre eine angemessene Aufarbeitung wert gewesen. So ist es leider nur verschenkt.
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3 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein nur scheinnbar mustergültiger Lebenslauf 12. Juli 2009
Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
In einer Rahmenhandlung des Romans, verhandelt die Autorin geschickt die Motive des Protagonisten, in dem sie eine junge Erzählerin in gekannter Spielart in dessen Vergangenheit recherchieren lässt, in dem sie einen Zeitzeugen, einen alten Diplomaten der den Protagonisten noch kannte, einführt und diesen erzählen lässt. Damit überlässt sie das Resümee des moralischen Hinterfragens einem Zeitzeugen, der sicher glaubhaft die Erzählhoheit über eine Zeit ausfüllt, die die Autorin so vielleicht nicht so glaubhaft erzählen könnte. So sagt der alte Diplomat dann auch an einer Stelle belehrend zu der jungen Frau:
" Wenn sie vorhaben mir jetzt von Gut und Schlecht, von Moral und diesem ganzen Zeug zu erzählen, sage ich Ihnen besser vorab. Ihre Kategorien, meine Liebe, greifen ins Leere, denn Moral ist Nichts oder sagen wir so, es ist das Register von Etiketten, die sie und ihresgleichen auf ihnen fremde Erinnerungen kleben, die sie aus den Fabeln im Geschichtsbuch kennen, mit denen ein Haufen gelangweilter Schüler begreifbar gemacht wird, was sie, wäre man ehrlich, nicht begreifen können."

Er legt somit ausdrücklich den Finger auf das Wesentliche, in dem er die Schwierigkeit der gerechten Beurteilung aufzeigt, indem er zu bedenken gibt, wenn das Urteil gefällt ist, dann ist die Sache abgehakt. Wer und was ist zu beurteilen?

Im Zentrum des Romans steht der Diplomat Konrad Weber, der im nationalsozialistischen Regime unter Hitler Konsul in Mailand war und später die junge Bundesrepublik vertritt. Er ist, wie er an einer Stele ausdrücklich betont, ein Diplomat alter Schule. Er distanziert sich in gewisser Weise vom nationalsozialistischen Regime vor sich selbst, vor den Nationalsozialisten nicht so sehr, denn er ist durchaus darauf bedacht seinen Posten beizubehalten. Auch wenn es zunächst den Anschein hat, dass er vor der tatsächlichen Alltäglichkeit der Diktatur verschont bleibt, weil er sich gut darauf versteht sich unsichtbar zu machen, so gerät er doch zwischen die Fronten von Regimetreue und Ethos. Er gelangt in einige Verstrickungen, durch die er sich mehr recht als schlecht hindurchlaviert. Und durch dieses für die Karriere typische Durchlavieren wird zum einen deutlich, dass er sich eben doch nicht vorbehaltlos vom nationalsozialistischen Regime distanziert, zum anderen zeigt er dadurch aber auch sehr eindringlich, dass er kein Mensch ist der eine klare Haltung beziehen kann. Interessant wenn er sagt, die wahre Berufung eines Diplomaten ist es, im richtigen Moment nicht aufzufallen. So tritt er auch immer nur kurz in Erscheinung und so hält er sich dann auch historisch, ist und bleibt eine schwer greifbare Figur.

Wie kann man heute solch einen Charakter bewerten? Die vielen kleinen Handlungen, die sein Verhalten in dieser Zeit mosaikartig zusammensetzten sind durchaus normal, selten sind es große Handlungen, so schmuggelt er beispielsweise Schmuck, veruntreut Gelder, hilft Juden gegen entsprechende Bezahlung mit gefälschten Papieren zur Flucht. Es stellt sich die Frage, ob nicht viele kleine Kompromisse sich am Ende zu einem großen Verbrechen addieren könnten? Es kann sich durchlavieren, weil er eigentlich für kein System für das er arbeitet besonders wichtig ist. Er bewertet selbstkritisch und seine Karrierechancen und wie die durch andere eventuell verhindert werden. Wenn ihm jemand vor die Nase gesetzt wird, fragt er sich ganz stoisch, was das für ihn bedeutet. Was er nicht sieht sind seine Mitmenschen, denn er hat fast autistische Züge. Darin, in dieser Ausklammerung, ist auch in gewisser Weise eine Schutzmöglichkeit zu sehen. Weber versteht es jedenfalls diesen Schutzmechanismus gekonnt hoch zu fahren.

Nach dem Krieg kehrt er nach Deutschland zurück, um dort mit dem Auftreten eines Widerstandskämpfers seinen Platz in der neuen Bundesrepublik einzufordern, wobei die Zeit des Krieges mit der in der jungen Republik von der Autorin geschickt gespiegelt wird.

Die Metapher des Schachspiels zieht sich durch den ganzen Roman, denn dieser Konrad Weber ist eigentlich eine Schachfigur, ein Bauer auf den es letztlich nicht ankommt oder ein Läufer als der er sich gerne selbst sieht, wenn er zwischen einzelnen Zügen der anderen getäuscht wird, aber immer getrieben davon die Spuren der Vergangenheit zu löschen. Mit Sicherheit ist er nicht der König im Spiel, an dessen Seite zu stehen ihm vollauf genügt.

Die Spannung wird durchgehend in dem Roman hoch gehalten, existenziellen Fragen werden in allen Erzählsträngen aufgeworfen, ohne jedoch die Erzählhoheit der betroffenen Generation anmaßend zu unterminieren. Und wenn Konrad Weber gegen Ende resümierend von sich selbst sagt, dass ein mustergültiger Lebenslauf letztendlich alles ist was von seiner Geschichte bleibt, dann irrt er, denn das dem nicht so ist verdanken wir den tiefgehenden Recherchen von Nora Bossong. Sie zeichnen diesen eindrucksvollen Roman aus.
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1 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Erzählmalstrom 29. März 2009
Format:Gebundene Ausgabe
Der Bossongsche Erzählmalstrom, der den Leser schon beim Erstling "GEGEND" unaufhörlich in sich hineinsog, erreicht hier ein neues Level der Perfidität.

Herr Webers Protokoll ist ein schnellgeschnittener Stimmenpool an Möglichkeiten der Annäherung, dabei fesselnd und spannend.

Eine spannende Art historisch zu erzählen, neben Jörg Albrecht, die spoannendste, die ich kenne.
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