"Modernes Webdesign mit CSS" besticht erstmal durch seinen Umfang von gut 550 Seiten. Ein kurzer Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt, dass die Zielgruppe von CSS Anfängern bis zu Fortgeschrittenen reicht. Das erste Kapitel bietet nicht nur einen guten Einstieg in CSS sondern beschreibt auch die Installation und Handhabung des CSS Editors Weaverslave. Weitere Editoren werden zudem aufgelistet. Die Umsicht der Autoren macht es puren CSS Anfängern einfach einen Einstieg zu finden.
Weiter geht es mit den Basics: Gestalten von Schrift und Text, Hintergründen, Positionierung, Boxmodell und der Erstellung eines Grundlayouts mittels CSS. Haben sich CSS Anfänger durch die ersten ca. 155 Seiten durchgearbeitet, können sie sich nun ans Eingemachte machen:
- CSS Frames
- zentrieren/fixieren von Blockelementen
- Navigationsmenüs/Linklisten
- Tabellendesign
- Formulare
- komplette Layouts mit CSS
Im Großen und Ganzen decken Heinicke/Simovic hier die zentralen Elemente einer rein CSS basierten Webseite ab.
Besonders erfreulich ist, dass die Autoren stets auf Browserinkompitabilitäten und eventuelle Lösungen hinweisen. Alle Kapitel beinhalten Codebeispiele und Screenshots. Das macht das Lernen recht einfach.
Die Autoren sind sichere Kenner ihres Fachs. Das belegen u. a. auch die an verschiedenen Stellen eingestreuten Hinweise, dass es für ein CSS Problem nicht nur die eine Lösung gibt. Leser werden sogar aufgefordert mit Lösungen zu experimentieren. Wünschenswert wäre gerade in den zentralen Kapiteln ein Hinweis auf die Webdeveloper Toolbar für Firefox gewesen, denn gerade mit dieser kann man sich unterschiedliche CSS Lösungen auf Webseiten ansehen.
Die letzten 3 Kapitel richten sich definitiv an Fortgeschrittene. Es geht um Styleswitcher, CSS für verschieden Ausgabemedien und einen Ausblick auf den IE7. Last und least gibt es noch einen Überblick über die gängigen Hacks und Filter sowie eine komplette Referenz der CSS Eigenschaften zum Nachschlagen.
Alles in Allem also ein Buch das Zeug hätte ein deutschsprachiges CSS Standardwerk zu werden. Dies wird es wohl aber eher nicht. Vergleicht man "Modernes Webdesign mit CSS" mit zwei englischsprachigen Werken ("Beginning CSS Webdevelopment" von Simon Collison und "CSS Mastery" von Andy Budd et al - beide bei APRESS/FriendsofED erschienen), die fast den gleichen Inhalt abdecken, fällt bei dem DATA BECKER Buch das fehlende technische Lektorat mit didaktischem Schwerpunkt auf. Während die beiden englischen Verlage APRESS/FriendsofED (die übrigens zusammengehören) qualitativ hochwertige Lehrbücher publizieren - wie es auch der deutsche Verlag Galileo tut - scheint DATA BECKER seine beiden kompetenten Autoren hier alleine gelassen zu haben.
Was fällt auf? Obwohl das DATA BECKER so gut wie alles enthält was das CSS Herz benötigt, fehlt doch ein zentrales Kapitel über heutige Standardlayouttechniken (elastic, liquid, static, variable-fixed-width). Alles gängige Techniken, die ein Wort der Erläutung bedürft hätte. Heinicke/Simovic decken zwar Layouttechniken ab aber bei einem Lehrbuch kommt es ebenso auf die Didaktik an.
In einem anderen Zusammenhang fehlt auch, zumindest als Unterkapitel, ein Wort über Layouts und Accessibility. Hier z. B. die Technik gefloateter Contentboxen mittels margin so zu positionieren, dass die Hauptcontentbox im X/HTML im Quellcode zu erst angesprochen wird.
Auch wenn das Kapitel zu Text und Schrift sehr umfangreich ist, fehlt hier der Hinweis auf die Technik die Schriftgröße browserweit zu kontrollieren. Stichwort: 62,5%.
Die Sliding Doors Technik (ein wohl feststehender Begriff in der CSS Welt) wird erklärt aber so nicht benannt und im Inhaltsverzeichnis auch nicht gelistet. In einem CSS Standardlehrbuch sollten sich Standardbegriffe und Techniken aber sicher widerfinden. Ein versierter technischer Lektor hätte dem DATA BECKER Buch mehr als gut getan. Didaktisch fällt das Buch gegenüber den englischen Lehrbüchern leider ab.
Vergleicht man "Modernes Webdesign mit CSS" mit dem Buch "CSS Praxis" von Kai Laborenz (Galileo Verlag) würde ich sagen, dass das DATA BECKER Buch weitaus mehr Praxisbeispiele enthält. Man vergleiche z. B. das Kapitel über Formulare in beiden Büchern.
"CSS Praxis" glänzt durch eine ausgezeichnete Liste aller CSS Elemente sowie einem ausgezeichneten Lektorat. Zudem bietet es eine Linksammlung auf CD sowie einer Webseite zum Buch. Das fehlt beim DATA BECKER Buch leider.
Welches CSS Buch ist nun für einen CSS Anfänger empfehlenswert? Ist man des Englischen einiger Maßen mächtig, würde ich auf Grund der Praxisnähe und dem guten Lektorat auf die beiden o. g. englischen Werke zurückgreifen. Zwischen den beiden deutschen Werken würde ich mich für das DATA BECKER Buch entscheiden, da es mehr Praxisbeispiel enthält. Fortgeschrittene können getrost auf das DATA BEKCER Buch zurückgreifen und es als solides Nachschlagewerk nutzen.