Galen Pfadwächter ist das Paradebeispiel für einen nichtsnutzigen Teenager solamnischer Abstammung, an Feigheit und Bauernschläue kaum zu überbieten. Ein geheimnisvoller Fremder zwingt Galen dazu, den Ritter Bayard Blitzklinge auf seinem Weg zu einem Turnier so zu behindern, dass jener nicht rechtzeitig dort erscheinen kann. Aus Angst gehorcht Galen zunächst diesen Befehlen, doch auf der Reise gewinnt er durch seine Erlebnisse an Reife und entwickelt schließlich den Mut, sich seinem Auftraggeber zu widersetzen. Am Ende liegt es an ihm und Bayard Blitzklinge, die Erfüllung eines alten Fluchs zu verhindern.
"Weasel's Luck" (dt. Heldenlied 5+6: Unter dunklen Sternen / Die Stunde des Skorpions) ist meines Wissens in der stattlichen Anzahl von Drachenlanze-Romanen einzigartig. Statt einer traditionellen Heldengeschichte, wie es der Titel der Reihe, "Heroes" bzw. "Heldenlied" suggeriert, handelt es sich hier um eine köstliche Parodie dieses Genres. Es wimmelt nur so von skurrilen Figuren, die häufig unvorteilhafte Charaktereigenschaften an den Tag legen. Selbst die edleren, tapferen Gestalten haben hier in der Regel einen Hau weg. Michael Williams gelingt es häufig, sogar selbstlose Handlungen ins Lächerliche zu ziehen. Die meiste Zeit sieht man die Geschehnisse aus der Sichtweise des feigen Galen, der sämtliche Situationen mit beißendem Wortwitz kommentiert.
Selten haben die Ritter von Solamnia gleichzeitig so aufgeblasen und würdelos gewirkt, was einen fast dazu veranlassen könnte, dem bösen Widersacher bei seinem perfiden Plan Erfolg zu wünschen. Die Wandlung Galens vom Verräter zum Helden wider Willen ist ein weiterer Pluspunkt, denn sie geschieht schrittweise und ist glaubwürdig dargelegt. Denn selbst zum Ende der Geschichte mutiert Galen keineswegs zum Supermann, sondern stolpert mit mehr Glück als Verstand durch die Weltgeschichte.
"Weasel's Luck" ist neben seiner Parodie auf klassische Fantasy im Allgemeinen und die Drachenlanze-Welt somit ein Loblied auf den durchschnittlichen Jedermann, der zwar keine Drachen tötet, aber durchaus über sich hinauswachsen kann.
Fazit:
Drachenlanze-Fans sollten ruhig mal einen Blick riskieren, sie könnten angenehm überrascht werden. Aber obwohl der Roman in der Drachenlanze-Welt angesiedelt ist, kann man ihn aufgrund seiner Eigenständigkeit auch ohne die Kenntnis dieser Welt genießen. Nur wer keine Lust auf Fantasy-Parodien hat, sollte die Finger weglassen.