Das WeTab ist ein kleiner, voll ausgestatteter PC im Tablettformat. Genau das ist das Besondere daran. Soweit ich es beurteilen kann, wurde dieses Konzept konsequent, wenn auch bislang unvollständig, umgesetzt: Standard-Harware mit normalen, voll funktionstüchigen Anschlüssen (USB, HDMI, SD, WLAN, Bluetooth), Standard-Betriebssystem (Linux; Leute mit Nerven können auch Windows 7 installieren) sowie etwas Sondersoftware. Wenn man dieses Konzept gut findet, ist das WeTab die richtige Wahl. Es hat natürlich auch ein paar Nachteile: vieles funktioniert nicht ganz so perfekt und sieht nicht ganz so cool aus wie beim Markführer. Dafür geht dort aber im Gegensatz zum WeTab nichts, was der Hersteller nicht vorgesehen oder gewollt hat.
Es gibt von mir 4 Sterne für:
- sehr gute Ausgestattung (mit einem Kritikpunkt: zu kleiner Blickwinkel des Bildschirms, siehe unten),
- sehr gut Verarbeitung,
- gute (aber nicht sehr gute) Funktion,
- unfertige, mittelmäßige Sondersoftware
- die Möglichkeit, praktisch alle Linux-Software zu nutzen.
ZU DEN STÄRKEN:
Ausstattung: Das WeTab ist gut motorisiert (1,66 GHz Intel Atom N450). Damit ist es zwar nicht superschnell, aber man kann problemlos und flüssig arbeiten. Wem 1 GB Haupt- plus 32 GB Flashspeicher nicht reichen, kann ein SD-Karte mit max. 16 GB nachstecken. Der Bildschirm hat eine große Auflösung (1366 x 768 Punkte) und - bis auf den Blickwinkel - für meinen Geschmack ein schönes Bild. Die Bildschirmtastatur funktioniert erstaunlich gut. Nach ein wenig Eingewöhnung kann ich ziemlich zügig damit schreiben. Die Multi-Touch-Scheibe arbeitet einwandfrei (auch wenn das so manche Software leider noch nicht mitgekriegt hat).
Anschlüsse: davon gibt's es für ein Tablett reichlich (2x USB, 1x SD, 1x HDMI, 1x Kopfhörer, 1x SIM-Karte). Bisher hat alles, was ich angeschlossen habe, völlig problemlos funktioniert: Festplatten, USB-Sticks, SD-Karten, Tastatur, Maus, sogar ein DVB-T-Stick. Man kann sogar von einem USB-Stick booten (wenn man das wirklich will ;)
Verbindizität: Es gibt WLAN-n, Bluetooth 2.1, Mobilfunk und GPS. Die letzten beiden habe ich noch nicht getestet. WLAN und Bluetooth haben sich klaglos mit allem verbunden, was funkt.
Medienformate: vieles (inklusive PDF, Flash, verschiedene E-Book-Formate und Urlaubsfotos von SD-Karte oder USB-Stick) geht ab Werk, für den Rest hat die Linux-Gemeinde was. Es gab bisher nichts, was ich wirklich nicht angezeigt oder abgespielt bekommen habe. Allerdings habe ich auch keine sehr exotischen Wünsche... Internet-Videos ruckeln leider machmal etwas.
ZU DEN ÜBLICHEN KRITIKPUNKTEN:
Schlechter Bildschirm: der vertikale Blickwinkel ist in der Tat klein (ich schätze 10 Grad von unten bis 45 Grad von oben). Wenn man das WeTab in der Hand hält, ist das ok. Meistens lege ich es aber entweder auf meine Knie oder vor mir auf den Tisch. Das geht eigentlich nur, wenn man das Gerät vorher um 180 Grad dreht. Dann ist das Bild jedoch einwandfrei. Zugegebenermaßen nervt das ewige Umdrehen ein bisschen.
Zu wenig Software: nun ja - eigentlich hat es die meiste Software von allen. Es läuft ja jede Linux-Anwendung drauf und das in den Fällen, die ich getestet habe (Google Picasa, Eclipse, diverse Linux-Tools) auch völlig problemlos. Allerdings muss man einigermaßen wissen, wie ein Linux-PC bedient wird (worin ich selbst aber auch KEIN besonderer Experte bin). Ein schon von anderen Rezensenten abgesprochenes Problem ist unbestreitbar: "normale" Linux-Anwendungen sind einfach nicht für Touch-Bedienung ausgelegt. Man hat keine großen Probleme, Menüs und Buttons zu treffen, aber Anwendungen, die Tastenkombinationen benötigen, machen keinen Spaß (man kann natürlich ein USB-Tastatur anstecken - aber wozu gibt's dann Notebooks? ...). Manchmal gibt's auch Probleme mit Doppelklicks (z. B. bei Picasa). Mit "Apps" sieht's nach wie vor nicht so rosig aus (ist mir persönlich eigentlich egal; aber dass nicht mal 'n Taschenrechner mitgeliefert wird, ist schon schwach!). Als kleiner Lichtblick gehen seit Neustem Adobe-AIR-Apps. Wer gerne mehr haben möchte, sollte vorerst kein WeTab kaufen.
Zu schwer: Mit einem Kilogramm liegt's gut in der Hand :) Mich stört das nicht, aber es etwas leichter wäre schon schön...
Zu laut (Lüfter): das WeTab klingt wie ein kleines Notebook: leise, aber hörbar. Unter Last (z. B. beim Abspielen von Filmen) dreht der Lüfter auch schon mal auf - nicht schlimm, aber dann deutlich hörbar. Auch hier wieder: Es stört mich persönlich nicht, aber man kann es anders sehen...
MEIN FAZIT:
Ich glaube, man sollte sich vor dem Kauf überlegen, ob man das WeTab- oder das iPad-Konzept bevorzugt und sich entsprechend entscheiden. Beide habe ihre Vor- und Nachteile. Im Übrigen sehe ich für die ganze sinnlose Polemik um's WeTab (bis auf die gefälschte Rezension) keinen Grund. Für mich persönlich war es eine gute Wahl.