Häufig sind Worte Schall und Rauch, was natürlich auch immer auf immer diffizilere Genreisierungen trifft.
Mit der Kategegorisierung "Post Rock" konnte sich die Band aus Sheffield/UK niemals anfreunden, eher im Gegenteil und so halten sie mit ihrer Meinung über dieses Genre und viele Bands bis heute nicht hinter'm Berg.
Da wundert es wenig, daß sich 65DaysOfStatic auf "We Were Exploding Anywhere" weiter distanzieren und fast schon ein lupenreines Dance-Album an den Start bringen. Offbeat-Drums, Samples und Synthies gehörten bislang zwar zu den Markenzeichen der Band, jedoch wurden sie nie derart exzessiv eingesetzt wie hier.
Dies ist freilich nicht jedermanns Sache und dennoch liefern die Jungs ein rundes viertes Album ab, das eindeutiger denn je auf die Dancefloors abzielt, auf denen man - im Vergleich zu den vorangegangenen Alben, die solche Eindrücke nur kurze Zeit später häckselten - von Anfang bis Ende eines Titels auch wirklich bleiben kann.
Auf "We Were Exploding Anyway" geht es dementsprechend über eine Gesamtspielzeit von 57 Minuten fast nur nach vorn. Egal ob mit "Mountainhead" fast schon hypnotisch gestartet wird oder man den Hörern mit "Crash Tactics", "Weak4" oder "Go Complex" ein elektronisches Brett nach dem anderen liefert - man kann sich diesem Feuerwerk nur schwer entziehen.
Zumindest im Ansatz entspanntere sphärische Gegenpole bilden "Come To Me" und "Debutante", im Übrigen die einzigen beiden wirklichen "Songs", bei denen Vocals vernommen werden. Bei "Come To Me" liefert die Robert Smith (The Cure), der 65DOS schon als Vorband im Programm hatte und hier wohl in Gegenleistung tritt. Ob er der Nummer nun etwas geben kann, was niemand anderem gelungen wäre, bezweifle ich jetzt einmal, was den Track jedoch nicht abwerten soll.
Auch wenn man es auf dem abschließenden 10-Minüter "Tiger Girl" mit dem Intro etwas zu monoton gemeint hat, entschädigt der Song mit einem tollen Mittelteil und einem herzzereißenden Finale.
Wenn man der Band nun entstellen möchte, daß das Album stumpf und eintönig durch die Boxen pumpt, könnte man dies mit Leichtigkeit tun. Auf der anderen Seite schaffen sie es aber auch, die Trademarks zu bündeln und auf ein neues Level zu bringen.
Hut ab, 65DaysOfStatic, so sieht konsequente Weiterentwicklung aus und ihr seid hier so straight und kompromißlos, daß es egal scheint, daß der ein oder andere Fan enttäuscht abspringt... ihr explodiert ja sowieso.