...aber da hatte ich nicht so viel Angst, wie vor den Frauen hier." Der kleine Gewerkschafter Albert(Bob Hoskins) hat die Näherinnen des Ford Werks Dagenham zu einer Beschwerde gegen ihre schlechten Löhne animiert. Wir schreiben das Jahr 1968 und die Frauen bekommen für ihre Arbeit extrem weniger Geld als die Männer. Im Werk arbeiten über 55.000 Männer und nur 187 Frauen. Die Beschwerde wird abgewiegelt und jetzt stünde ein Streik an. Doch Albert und die Frauen wissen, dass das eigentlich unmöglich ist, denn: So etwas gab es noch nie. Die Vertrauensarbeiterin Conny(Geraldine James), Albert, der Gewerkschafter Monty(Kenneth Graham) und die Arbeiterin Rita(Sally Hawkins) begeben sich zu Gesprächen mit der Werksleitung. Dort müssen Albert und Conny feststellen, dass Monty ein falsches Spiel spielt und die unscheinbare Rita urplötzlich das Heft des Handelns in die Hand nimmt. Was folgt ist ein Streik, eine politische Debatte, ein Krach zwischen den Frauen und ihren Männern und ein Stück Zeitgeschichte, dass so wichtig und spannend war, dass wir Regisseur Nigel Cole(Grabgeflüster, Kalender Girls) von Herzen danken dürfen, dass er diese Episode aus der englischen Arbeitergeschichte auf Zelluloid gebannt hat.
-We want sex- lehnt sich an wahre Ereignisse an. Das belegt Nigel Cole mit ein paar Originalaufnahmen und einem Abspann, den sie auf keinen Fall verpassen sollten. Wie man ein so ernstes, und für die Gehaltsstrukturen der Frauen in ganz Europa wichtiges, Thema in einen Spielfilm packt, der mit starken Darstellern, wunderbarem Wortwitz, einem perfekten Storybook und einer Kulisse, die vor Liebe zum Detail nur so strotzt, dass zeigt uns Nigel Cole in beeindruckender Weise. Egal, ob sich Rita und Lisa(Rosamund Pike), die Frau eines Ford Chefs, gegen prügelnde Lehrer und ausbeuterische Unternehmer verbrüdern, oder die Ministerin Castle(Miranda Richardson) ihre unfähigen(natürlich männlichen) Mitarbeiter zusammenstaucht; -We want sex- überrascht und überzeugt in jeder Szene. Wenn Rita ihr "Alle raus!" erschallen lässt und die Frauen ihre Arbeit verlassen, kann man sich in ihre Lage regelrecht hineinversetzen. Und wenn Rita ihrem Eddie(Daniel Mays), der sich um Haushalt und Kinder kümmern muss, erklärt dass Rechte keine Privilegien sind, dann kann auch Eddie noch was lernen.
In -We want sex- geht es darum aufzustehen, zu kämpfen und etwas zu tun. Das bringen die Darsteller wie Sally Hawkins, Andrea Riseborough, Rosamund Pike und Geraldine James perfekt rüber. Über den Glanzleistungen der Damen rangiert dann aber noch der geniale Bob Hoskins. Wie er die Rechte der Frauen unterstützt und mit Witz, Schlitzohrigkeit und einer gehörigen Portion Cleverness den Weg für den Umschwung bahnt, dass ist Kino der Spitzenklasse.
Also: Wenn sie sich für einen guten, unterhaltsamen Film mit Bezug zur Wirklichkeit interessieren, dann rate ich ihnen: Nichts wie ran an den Speck. Zu hervorragenden Darstellern, einem wunderbaren Drehbuch und ein paar herrlichen Gags gibt es in -We want sex- einen Soundtrack direkt vom Ende der 60er noch gratis dazu. Absolut empfehlenswert!