"Sehr gut, aber nicht perfekt", wäre meines Erachtens eine erste Bewertung des neuen chemischen Albums "We Are The Night".
Mein erster Eindruck
Als vor einigen Wochen die Promo "Do It Again" erschien, war ich sehr skeptisch. Ich dachte, dass die chemischen Brüder nun endgültig ihr musikalisches Talent verloren hätten. Als Fan erster Stunde hörte sich das noch etwas unausgereift an. "Come With Us" ist für mich nach wie vor das beste Album von Tom Rowlands und Ed Simons, und so konnte ich bei "Push The Button" kaum fassen was ich da zu hören kriegte. Das entsprach so gar nicht meiner Vorstellung einer gelungenen Fortsetzung. Ein für das Massenpublikum produziertes Album, das nur noch wenige qualitativ hochstehende elektronische Musik vorwies. Und genau so hörte sich dann auch "Do It Again" an.
Nachdem ich nun aber die Gelegenheit hatte einmal das neue Album durch zu hören, muss ich meine Meinung ändern. Ich halte "We Are The Night" für durchaus gelungen und werde mir das Album sicherlich kaufen und auch weiter empfehlen.
Musikalische Richtung
Das Album geht musikalisch ganz klar zurück in Richtung von "Surrender", was keinesfalls negativ wäre. Viele erinnern sich sicherlich an die (von vielen fälschlichweise als "Techno-Hymnen" bezeichneten) Tracks "Hey Boy, Hey Girl" und "Out Of Control". Tracks wie mein Favorit "All Rights Reserved" oder der Titeltrack "We Are The Night" gehen wieder in genau diese Richtung. Eine besondere Überraschung bot mir der Track "Saturate", welcher ein wahrer Big Beat-Track im klassischen Sinne ist. Ich hatte ihn schon vor einigen Monaten gehört und dachte mir damals, dass genau dieser Track hervorragend auf ein neues Album passen würde. Und siehe da, er ist tatsächlich mit dabei! Elektronica trifft hier wie zu Zeiten von "Dig Your Own Hole" auf hämmernde Schlagzeug-Breaks. Schade eigentlich, dass es dann aber bei dem einen wahren Big Beat-Track bleibt. "Surrender" hatte natürlich auch verhältnismässig ruhige Stücke zu bieten, welche man auch auf dem neusten Werk finden kann. Namentlich sind dies "The Pills Won't Help You Know", "Harpoons" oder auch "Burst Generator".
Stücke, welche aus der Reihe tanzen
Vollkommen aus dem Rahmen fallen allerdings Stücke wie "Salmon Dance" und "Battle Scars".
Keine Ahnung was die Brüder bei "Salmon Dance" geritten hat! Die Lyrik ist ist sicherlich ganz witzig, nur passt diese Tanz-Anleitung mit Fatlip und "Sammy, the Salmon" so gar nicht auf das Album. 'Sehr hilfreich' ist die Information wie Fatlip einen ganzen Club dazu brachte, zu tanzen wie Lachse die flussaufwärts schwimmen. Kein Witz! (Zitat: "...the whole club was dancing like the salmons flow in upstream". Ich frage mich wie das wohl aussehen mag! Bitte, bitte, bitte macht ein Musikvideo dazu!!! Darüber hinaus erfährt man pikante Details über das Leben als Lachs! Ich hör jetzt auf, denn der Track ist einfach zu lächerlich!
Anders verhält sich da "Battle Scars". Ich weiss nicht genau, wo ich das am besten einordnen soll oder mit was es sich vergleichen liesse. Vielleicht mit einer Prise Apollo Four Forty's "For Forty Days" gemischt mit einem Gesang, der irgendwie an die Stimme von Dave Gahan (Depeche Mode) erinnert. Hinzu kommt ein sehr tanzbarer Beat. Alles in allem eine sehr interessante Mischung, welche man so noch nie von den Chems gehört hat. Das Zitat: "There's No Path To Fallow" bringt es eigentlich auf den Punkt. Leider kann ich die Lyrik nun nicht weiter kommentieren, denn dazu müsste ich mir den Track doch noch ein paar Mal mehr anhören können. Wenn ich das mit meinen bescheidenen English-Kenntnissen richtig verstanden habe, handelt es im Grunde von einem Jungen, der sich für sein Volk in ein noch unerforschtes Land aufmachte ("The Land Of The Dead"). Fragt mich nicht was der Zweck seiner Reise war, denn das habe ich beim ersten Mal durchhören irgendwie nicht mitgekriegt. Da "Battle Scars" soviel wie "Kriegswunden" bedeutet, kann man doch von einem 'Bad End' ausgehen.
Fazit
Mir persönlich gefällt das Album, wie bereits erwähnt, sehr gut. Jedoch fehlt mir zu einem perfekten Album dann doch die Experimentierfreudigkeit mit diversen gesampelten Instrumenten, wie sie zum Beispiel auf "Come With Us" hervorragend integriert wurden. Was ich auch schon erwähnt hatte, war das Fehlen eines weiteren Big Beat-Tracks, also mit krachendem Schlagzeug. Da dieser jedoch schon auf den zwei Vorgänger-Alben komplett fehlte, kann es nur positiv sein, dass auf "We Are The Night" einer zu finden ist. Die Gastsänger sind mir vollkommen unbekannt, machten aber einen guten Job. Sehr stark ist 'Willy Mason' in "Battle Scars". Leider fehlen dann aber doch unverwechselbare Stimmen wie die von 'Noel Gallagher' und 'Richard Ashcroft'.
Persönlich halte ich "We Are The Night" für sehr viel besser gelungen als "Push The Button". Auf jeden Fall empfehlenswert. Gehört in jedem Schrank eines Liebhabers von hochstehender elektronischer Musik.