So sagts der Volksmund und im Falle Sia Furlers soll er Recht behalten. Fast zwei Jahre nach Ihrem grandiosen und abwechslungsreichen "Some people have REAL problems", das schon vor Sia-typischer Fröhlichkeit und zuckriger Wehmut nur so strotzte, bringt sie mit "We are born" einen schönen und sehr sonnigen zweiten "Teil". "The Fight" als Overtüre bejaht schon mit euphorischen Chören und C-Dur-Gitarrenakkorden (der himmlische Akkord) das Leben und seine Höhen und Tiefen und bleibt als erster Ohrwurm heftigst hängen. Gefolgt wird es von dem anfangs etwas einfältig klingenden "Clap your hands", dass mir persönlich nur wegen dem Video gefällt, ansonsten aber nichts mehr als ein Partyhüpfelied ist. Kann als Hintergrundmusik aber sicher glänzen. "Stop trying" startet befremdlich, aber mit sehr starker Stimme und animiert wieder zum mitsingen und besticht wieder durch eine starke Begleitgitarre, wie schon auf "The Fight"...sehr fetziges Lied. "You've changed", wieder eine lebensbejahene Hymne, die durch ein innovatives Video besticht und zum Abhotten anregt. Mit "Be good to me" folgt die erste Ballade des Albums. Fast schon soulig und mit Sias sehr überzeugender und starker Stimme bläst Sie einen vom Sockel wie einst "Electric bird" oder "Where I belong". "Bring night" hätte einer Gwen Stefani oder gleich No Doubt auch gut gestanden, werden aber durch Sia sehr eigenständig und wirklich grandios interpretiert. Überhaupt: Wenn man Sias Alben in Gänze etwas nie vorwerfen konnte, dann dass Sia sie halbseiden interpretieren würde. Da steckt sehr viel Herzblut und Ehrlichkeit in jeder Note. Auch in "Hurting me now" mit Midtempoklängen und Glockenspiel im Mittelteil. Mit "Never gonna leave me" kommen wir zu einem meiner Lieblinge auf "We are born" in Punkto Mitsingfaktor. Nicht, dass da nicht schon einiges anderes zum mitsingen angeregt hätte, aber "Never gonna leave me" kriegt mich im Auto jedesmal beim Schlafittchen und lässt mich unbewusst mitsingen. "Cloud" überrascht mit Gitarrenintro, da der Rest doch sehr synthetisch produziert wurde. Sia powert hier wieder eine Hymne von Refrain ins All, dass es die Glückshormone nur so sprudeln lässt. Kommen wir zurück zur zuckrigen Wehmut. Wenn ein Song auf diesem Album dies verkörpert, dann "I'm in here" - herrlich zerbrechlich und emotional überflutet ohne kitschig zur wirken. "The co-dependent" wäre wieder was für No Doubt, allerdings bin ich froh, dass Sia diesem Schmuckstück sein Gesicht verleiht und mit angenehmen Beatwechseln und eingängigem Refrain wird dies zu einem weiteren Highlight der Scheibe. "Big girl little girl" klingt so als ob Sie den Gitarrenhook bei "Clap your hands" weiter oben geklaut hätte. Das Gitarrensolo im Mittelteil ist hier aber eindeutig ein Volltreffer. Erinnert ein wenig an Fleetwood Mac mit Discobeat, ist aber nicht das schlechteste, dieser Vergleich. Mit "Oh Father", einer saftige midtempo-Ballade, rundet Sia mit zuckersüßer Stimme, verlockenden Rhythmen und abwechslungsreichen Instrumentierungen ein glanzvolles Sommerpopalbum ab. Sehr schön gemacht, Sia. Ich bin wieder hin und weg.
Anspieltipps:
"I'm in here"
"The Fight"
"Cloud"
"Bring night"
"Oh father"